Einschärfungen & Lebensskript

Wie kann man tief sitzende und blockierende Verhaltens- und Reaktionsmuster dauerhaft auflösen und somit in möglichst kurzer Zeit nachhaltige Veränderungen bewirken? Auf diese Frage gibt es wohl ganz unterschiedliche Antworten. Ein Ansatz, der mir in diesem Zusammenhang besonders zusagt, stammt aus der Transaktionsanalyse. Hierbei wird davon ausgegangen, „dass Menschen in der Kindheit eine Kombination von Glaubenssätzen und Verhaltensmustern entwickeln, die dazu führt, dass sie immer wieder auf die gleiche Art und Weise agieren“ (Dehner & Dehner, 2013). Eric Berne sprach in diesem Zusammenhang von einem ‘Skript’ (oder auch Drehbuch), also von einem unbewussten Lebensplan, der immer wieder zu ganz bestimmten Ereignissen führt.

Das Drehbuch unseres Lebens

Leonhard Schlegel (2002) äußert sich in seinem „Handwörterbuch der Transaktionsanalyse“ dazu wie folgt: „Die Skriptentscheidung ist nach Berne die Entscheidung zu einem bestimmten Selbst- und Weltbild und für ein bestimmtes Verhalten, mit welcher der Betreffende das Leben im Rahmen dieses Selbst- und Weltbildes bestehen werde. Was dem Betreffenden im Laufe des Lebens begegnet, wird im Sinn dieser Entscheidung ausgelegt werden, so dass sich die Richtigkeit der Entscheidung fortlaufend selbst bestätigen wird. Nach Berne wird die Skriptentscheidung bis zum sechsten oder siebenten Lebensjahr gefällt, nach […] anderen Autoren […] manchmal sogar […] später.“

Dehner und Dehner (2013) stellen allerdings Folgendes fest: „Nicht bei jedem Menschen ist [ein derartiges] Skript in gleichem Maße ausgeprägt. Manche Menschen haben Skriptglaubenssätze, die zwar vorhanden sind, [die] ihr Leben auf nur vergleichsweise gering beeinträchtigen, während bei anderen das Leben davon […] dominiert wird. Wie stark sich das Skript [tatsächlich] auswirkt, hängt davon ab, wie intensiv die Gebote [Antreiber] und Verbote [Einschärfungen] vermittelt wurden.“ Wer Bezugspersonen hatte, „die die Einschärfungen von Mutter und Vater relativierten, weil sie ganz andere Botschaften vermittelten“, ist ihrem dysfunktionalen Einfluss wahrscheinlich weniger stark ausgeliefert.

Veränderung ist möglich!

Einschärfungen haben ihren Ursprung demzufolge meistens in der Kindheit, d.h. in unüberlegten Aufforderungen der Eltern bzw. der Bezugspersonen in der emotionalen Beziehung zum Kind. Anfänglich werden sie nonverbal bzw. atmosphärisch vermittelt und im Zuge der Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes verbal untermauert. Sie können sich im weiteren Verlauf in einer Grundstimmung manifestieren, die daraufhin charakteristisch für das Leben der Betroffenen ist. Einschärfungen können somit das Lebensskript eines Menschen maßgeblich beeinflussen, indem sie zu einem sogenannten „subjektiven Imperativ“ werden, also. zu einer Art inneren Stimme, die befiehlt, dass etwas auf eine ganz bestimmte Art und Weise geschehen muss bzw. dass etwas auf gar keinen Fall geschehen darf, und die gleichzeitig verlangt, dass von dieser Vorstellung nicht abgewichen werden darf.

Die transaktionsanalytische Neuentscheidungstherapie geht von der Annahme aus, dass alle Kinder Entscheidungen in Bezug auf sich und andere treffen, um sich an ihre Umgebung anzupassen. Auf diese Weise entwickeln sie ihr eigenes Lebensskript. Mary McClure Goulding und Robert L. (Bob) Goulding waren der Ansicht, dass Einschärfungen nicht automatisch in dieses Skript integriert werden, sondern dass sich die Kinder dafür „entscheiden“, auf eine bestimmte Art zu leben bzw. zu sein. Hierbei ist anzumerken, dass sie dies nicht mittels rationaler Erwägungen tun, sondern sie bei diesen Entscheidungen vor allem von Emotionen sowie ihrer Weise, die Realität zu erfassen, beeinflusst werden. Das Ziel dabei ist es, zu überleben und die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zu gewährleisten. Diese frühen Entscheidungen können sich im weiteren Verlauf des Lebens äußerst dysfunktional auswirken, allerdings besteht auch im Erwachsenenalter noch die Möglichkeit, sie zu revidieren und damit Entwicklungspotenziale freizusetzen. Abzuraten ist deshalb davon, die Betroffenen nach Begründungen (oder „guten Gründen“) für den dysfunktionalen Imperativ zu fragen, da dies eine (heilsame) „spontane Einsicht“ verhindern und zu dessen Zementierung führen könnte. Eine Würdigung, wie sie bspw. bei den Antreibern empfohlen wird, sollte bei ihnen also keinesfalls erfolgen.

Manfred Evertz

Günther Mohr (s. u.) zufolge wird das Lebensskript „allgemein als sehr beständig angenommen. Versuche, das Gegenteil in einer Art Gegenskript zu leben (“counterscript”), sind nicht Erfolg versprechend […]. Für das Skript sind intelligente Lösungen und Alternativen erforderlich. Hier liegt die positive Weiterentwicklung eines Menschen im Bewusstwerden der bisher unbewusst lenkenden Skriptanteile und in der entschiedenen Entwicklung eines Lebensstils, der gleichzeitig sorgsam mit den eigenen früheren Lebensprägungen umgeht und [zudem] für heute angemessene autonome Reaktionen beinhaltet.“

Aufdeckung und Selbstexploration

Grundsätzlich können die folgenden vier Fragen dabei helfen, die subjektiven Imperative aufzudecken (vgl. Dehner & Dehner, 2016): Was löst bei einer Person Stress aus? Was ist das eigentlich Schlimme an der Situation? Was, glaubt sie, darf auf keinen Fall passieren? Was, glaubt sie, muss auf jeden Fall passieren? Sie ermöglichen es, Wesentliches über die individuellen Wirklichkeitskonstruktionen der Klienten zu erfahren und im weiteren Verlauf mit deren Worten bzw. Sprachgebrauch an einer Veränderung oder Auflösung zu arbeiten.

Da ich in Seminaren oft über Antreiber und Einschärfungen spreche, suchte ich nach einer Möglichkeit, Letztere auf eine ähnliche Weise zu ermitteln, wie es das bei Ersteren mit Hilfe des sogenannten „Antreiber-Tests“ (Beispiel: http://www.dic-ta.eu/downloads/Quinn_Akademie_SR_20.03.2013_Wer_bin_ich_und_wenn_ja_warum.pdf) getan wird, um über die Ergebnisse, die ja „lediglich“ auf Selbsteinschätzungen beruhen, thematische Schwerpunkte zu definieren, die für die Teilnehmer/-innen relevant sind. Die Auswertung eines Persönlichkeitstests erzeugt m. E. eine persönliche Betroffenheit, indem sie aufzeigt, wie man sich selbst sieht, und macht in der Regel neugierig auf weiterführende Erläuterungen.

Leider habe ich bislang keinen Test finden können, mit dem sich die verschiedenen Einschärfungen ermitteln lassen. Deshalb habe ich jetzt selbst einen erstellt, den ich künftig vorrangig in Seminaren einsetzen werde. Dabei habe ich allerdings lediglich neun der zwölf Bannbotschaften, wie diese auch genannt werden, aus dem Konzept von Bob und Mary Goulding berücksichtigt. Mit der von mir entwickelten Version des Tests lässt sich also ermitteln, wie groß der Einfluss ist, den diese Einschärfungen auf das Lebensskript eines Menschen haben könnten. Hier finden Sie ergänzende Erläuterungen: https://transaktionsanalyse.audio/einschaerfungen/.

Sollten Sie jetzt neugierig geworden sein, möchte ich Sie einladen, ihn selbst einmal auszuprobieren. Drucken Sie sich dafür einfach das pdf-Dokument (siehe unten) aus. Auswerten können Sie den Test problemlos selbst. Falls die Ergebnisse Sie irritieren oder sogar beängstigen, sprechen Sie bitte anschließend mit jemandem darüber.

In dem Test finden Sie 54 Aussagen. Bitte geben Sie jeweils auf einer Skala von 1 bis 5 an, wie sehr Sie diesen zustimmen (1= gar nicht, 2 = geringfügig, 3 = teilweise, 4 = größtenteils, 5 = voll und ganz). Anschließend übertragen Sie Ihre Werte in den Auswertungsbogen und addieren sie jeweils zu einem Gesamtwert. Jene Einschärfungen, bei denen Sie die höchsten Werte haben, sind es m. E. wert, genauer betrachtet zu werden. Je höher ein solcher Wert ist, desto größer ist jedenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass Sie der entsprechenden Einschärfung ausgesetzt waren und sie zu einem Bestandteil Ihres Lebensskripts geworden ist.

Fazit

Mein (mit Abstand) höchster Wert lag diesem Test zufolge übrigens bei 20 von 30 möglichen Punkten. Mein „Thema“ ist mir allerdings hinreichend bekannt, von daher hat mich das nicht sonderlich überrascht. Sollten Sie ähnlich hohe Werte haben, machen Sie sich deshalb bitte nicht verrückt! Da dieser Test den wissenschaftlichen Gütekriterien wohl kaum entspricht, kann er lediglich als Reflexionshilfe verstanden und eingesetzt werden. Zur Auswertung ist zu sagen, dass die Ergebnisse „nicht in Stein gemeißelt“ sind, sie also nur vage Anhaltspunkte liefern, mit welchen Themen man sich vielleicht mal etwas intensiver beschäftigen sollte. Zudem ist es natürlich möglich, dass sich die Ergebnisse, die man einmal hatte, im Laufe der Zeit verändern. Nicht immer ist dafür allerdings eine Psychotherapie erforderlich!

Den Test inklusive des Auswertungsbogens finden Sie hier: Einschärfungen -Test & Auswertungsbogen (pdf-Dokument).

Literaturhinweise:

  • Dehner, Ulrich & Dehner, Renate (2013). Transaktionsanalyse im Coaching. managerSeminare Verlags GmbH, Bonn.
  • Dehner, Ulrich & Dehner, Renate (2016). IntrovisionCoaching. managerSeminare Verlags GmbH.
  • Mohr, Günther: Transaktionsanalytisches Coaching → http://mohr-coaching.weebly.com/uploads/3/0/4/8/3048777/transaktionsanalytischescoachingt1.pdf
  • Schlegel, Leonhard (2002). Handwörterbuch der Transaktionsanalyse (2. Auflage). Deutschschweizerische Gesellschaft für Transaktionsanalyse.

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Persönlichkeitstests & Testarchive

In Seminaren arbeite ich relativ oft mit Persönlichkeitstests, die ohne eine kostenpflichtige Lizenz verwendet werden dürfen. Dabei geht es mir vor allem darum, über die Ergebnisse, die ja „lediglich“ auf Selbsteinschätzungen beruhen, thematische Schwerpunkte zu definieren, die für die Teilnehmer/-innen relevant sind. Sie erzeugen eine persönliche Betroffenheit, indem sie aufzeigen, wie man sich selbst sieht, und somit in der Regel ein gesteigertes Interesse an weiterführenden Erläuterungen.

Manfred Evertz

Des Weiteren können sie eine hilfreiche Anregung zur Selbstreflexion sein. So habe ich bspw. irgendwann einmal einen Test zur Ermittlung der maladaptiven Schemata – sogenannter „Lebensfallen“ – ausgefüllt. Hierbei interessierte es mich, bei welchem Schema (emotionale Entbehrung, Trennungsangst, Misstrauen, Minderwertigkeit, Versagen, Anfälligkeit für Leid und Krankheit, Selbstaufopferung, Unterwerfung, hohe Leistungsstandards, Anspruchshaltung) ich die höchste Ausprägung habe. Darüber habe ich dann im Rahmen meiner (Lehr-)Therapie gesprochen. Das war äußerst spannend, da mich das Ergebnis zunächst irritierte und ich mir deshalb die Frage stellte, warum das wohl so ist? Was sagt das über mich aus? Eine mögliche Gefahr besteht m. E. allerdings darin, sich selbst aufgrund irgendwelcher Testergebnisse vielleicht (vorschnell) eine psychische Erkrankung zu diagnostizieren. Das sollten Sie lieber einem Arzt oder Psychotherapeuten überlassen.


Anmerkung: Psychische Störungen werden definiert durch das Auftreten von bestimmten Symptomen (Dauer, Anzahl, Schweregrad). Sofern „lediglich“ pathologische Veränderungen vorliegen, die nicht zu Symptomen führen, wird nicht von einer psychischen Krankheit gesprochen, sondern allenfalls von einer Krankheitsdisposition. Erst wenn der Leidensdruck auf der Ebene des Fühlens, Erlebens und/oder in Beziehungen stark ausgeprägt ist bzw. bereits psychische und/oder körperliche Beeinträchtigungen, Erkrankungen oder Symptome zu erkennen sind, ist demzufolge eine Psychotherapie zu empfehlen.


Im Laufe der Jahre habe ich mir etliche Persönlichkeitstests angeschaut. Begeistert haben mich allerdings nur sehr wenige. Einen davon möchte ich an dieser Stelle deshalb besonders hervorheben:

„Der B5T® von Dr. Lars Satow zählt seit 2010 zu den am häufigsten eingesetzten psychologischen Persönlichkeitstests im deutschsprachigen Raum. Der Test erfasst die fünf grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen (Big Five Factors) sowie die drei Grundmotive ‘Bedürfnis nach Anerkennung und Leistung’, ‘Bedürfnis nach Einfluss und Macht’ und ‘Bedürfnis nach Sicherheit und Ruhe’. Zudem gibt es eine Kontrollskala ‘Ehrlichkeit bei der Beantwortung der Fragen’.“

https://www.psychomeda.de/online-tests/persoenlichkeitstest.html

Sollten Sie also herausfinden wollen, wie die Eigenschaften Extraversion, Neurotizismus, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit sowie die drei Grundmotive (s. u.) bei Ihnen ausgeprägt sind, dann empfehle ich Ihnen diesen Test, den Sie online ausfüllen können. Die Auswertung meiner Antworten sah bspw. wie folgt aus:

Sollten Sie nach weiteren Persönlichkeitstests im Internet suchen, dann ist der folgende Link vielleicht hilfreich. Dort finden Sie jedenfalls verschiedene Sammlungen lizenzfreier Testverfahren:

PsychLinker → Testarchive → Open Access

“Neben den in Testverlagen veröffentlichten oder sonst urheberrechtlich geschützten Testverfahren und Forschungsinstrumenten, die dem Copyright der Autoren oder Verlage unterliegen, gibt es in den letzten Jahren im Zuge der Open-Access-Bewegung vermehrt Verfahren, die als “lizenzfrei” benannt werden oder unter der Bezeichnung “Open Access” firmieren oder die unter einer speziellen Creative Commons Lizenz […] den Anwendern frei zur Verfügung gestellt werden. Diese Verfahren können “in ihrem Einsatzbereich sogar problemlos mit kostenpflichtigen psychometrischen Instrumenten mithalten” (Heintz & Wunder, 2012, S. 12).“

https://www.psychlinker.de/category.php?cat=589

PS: Da ich am vergangenen Wochenende nach dem Link zu den Testarchiven gefragt wurde, dachte ich mir, es sei vielleicht eine gute Idee, einen kurzen Artikel darüber zu schreiben.

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

„Scham und Verbitterung“ von Wolfram Kölling

Was hat die vergessene Scham mit einer Verbitterung zu tun?

Wenn der Mensch sich verletzt, angegriffen oder sonst irgendwie beschädigt erlebt, kann es zu sehr verschiedenen inneren Zuständen kommen, die nicht immer klar zu definieren sind. Auch die Schädigungen des Ich-Erlebens, die zu solchen Zuständen führen, können sehr unterschiedlich bezeichnet werden. Man spricht bei solchen Verwundungen auch von Kränkungen, von Beleidigungen oder auch von Traumatisierungen, Demütigungen und Entwürdigungen. Das gemeinsame dieser Erfahrungen ist immer die Beschädigung oder Erschütterung des Ich-Selbst. Ich spreche deshalb überwiegend von Erschütterungen.

Diese Erschütterungen des Ich-Selbst lösen also Zustände aus, die aufgrund der Beschädigung des Ich-Selbst-Erlebens entstehen. All diese Zustände sind Scham, denn sie bedeuten letztlich immer so etwas wie: „ich bin nicht“, „ich bin nicht ganz oder vollständig“, „ich bin nicht in Ordnung“ oder „ich bin nicht wert oder liebenswert“. Wenn manche Fachleute bei Scham von einem Gefühl sprechen, welches entsteht wenn der Mensch gegen verinnerlichte Normen verstößt, so erklärt dies nur einen Teil des Phänomens. Man ist dann davon ausgegangen, dass dieses Gefühl des „Normverstoßes“ beim kleinen Kind erst entstehen kann, wenn es über solche Verstöße reflektieren kann. Nun, dem ist nicht so. Das Zerfallsprodukt Scham kann schon viel früher im Leben entstehen, immer dann wenn grundsätzlich das Ich-Selbst als „verletzt“ nicht „vollkommen“ oder nicht „ganz“ erlebt wird. Auch Erschütterungen, die vor der Entwicklung eines Ich-Selbst erlebt werden, führen zu neuronalen Mustern, die im Leben immer wieder aktiviert werden können und auch aktiviert werden. Solche sehr frühen Erschütterungen führen also etwas einfacher ausgedrückt, zu Körpererinnerungen. Jede Erschütterung, im ganzen Leben, kann also dazu führen, dass die allgemeine und existenzielle Norm, ein „Ich-Selbst“ zu sein, geschädigt ist.

Als Verbitterungsstörung werden die Zustände benannt, die beim Erleben von Ungerechtigkeit, Herabwürdigung, Vertrauensbruch oder Kränkung entstehen und die dauerhaft und nagend erlebt werden. Nun könnte man ja gleich sagen, dass dieses Erleben zur Scham führt und somit die Verbitterung eine Schamstörung ist. Ja, das ist so, nur nicht ganz so einfach. Nach der Theorie der Verbitterungsstörung werden die Grundannahmen des Menschen verletzt. Dies sind Einstellungen und Wertorientierungen, die über die Lebensspanne als kohärent erlebt werden. Also, was ist für den Menschen ganz besonders lebenswichtig, welche Werte, welche Normen (z.B. die Familie oder der Beruf)? Die Verletzung solcher ständig vorhandenen und auch immer für das Leben des Ich-Selbst notwendigen Wertorientierungen führen dann zu dieser Symptomatik einer nagenden Verbitterung.

Wir können nun davon ausgehen, dass sich immer wiederholende Erschütterungen des Ich-Selbst, also mehrfache, häufige oder ständige Beschämungen, dauerhaft zu dem Zerfallsprodukt Scham führen. So verstehe ich auch diese Verletzungen der Grundannahmen und Wertorientierungen als Schädigungen des Ich-Selbst-Gefühls und damit immer auch als beschämend. Das Erleben von Vertrauensbrüchen, von Ungerechtigkeiten oder von Herabwürdigungen und Kränkungen, können wir also immer auch als Schädigung des Ich-Selbst betrachten. Es sind immer Erschütterungen des Ich-Selbst, die zu den Zuständen eines möglichen „Zerfalls“ führen. Dauerhafte verinnerlichte Scham und daraus entstehende ständige Schamangst, also der Angst erneut beschämt zu werden, führt also zu dem, was Verbitterung genannt wird.

Wie bei allen Traumatisierungen, bei allen psychischen Verwundungen, bei allen Kränkungen und allen sogenannten narzisstischen Störungen, haben wir es also bei der Verbitterung immer auch mit der Scham zu tun. Ich gehe sogar davon aus, dass bei all diesen Phänomenen die Scham die größte Bedeutung hat. Die Scham ist beteiligt an depressiven Reaktionen, an Abhängigkeiten und der sogenannten Co-Abhängigkeit, genauso wie an Suchtverhalten oder Suizidalität. Sie gehört zur sogenannten Opferhaltung und auch als scheinbare Schamlosigkeit, zum Täterverhalten. Ich benutze die Begriffe Täter und Opfer allerdings nicht mehr gerne, denn schnell können durch solche Etikettierungen wieder neue Beschämungen entstehen.

Die Scham wird jedoch in unserer Zeit immer mehr tabuisiert, vergessen oder verleugnet und aus dem bewussten Erleben abgespalten. Das hat damit zu tun, dass wir Menschen in unserer heutigen Gesellschaft immer weniger zulassen wollen, dass wir unvollkommen sind. Wir wollen keine Fehler oder Schwächen zeigen oder uns nicht zu Verletzungen und Schmerz bekennen. Dabei ist die Verwundbarkeit des Menschen das, was das Menschsein ausmacht. Scham ist jedoch nicht nur extrem schmerzhaft, sondern zeigt ja gerade die menschliche Schwäche an. Somit wird auch das Schamgefühl als obsolet betrachtet und soweit es irgend möglich ist, aus dem Bewusstsein verbannt. Das Schamgefühl als Zerfallsprodukt ist ja ganz besonders schmerzhaft und muss deshalb immer weiter maskiert werden. Die sogenannten Masken der Scham bestimmen mehr und mehr das Leben in unserer Kultur der scheinbaren Schamlosigkeit.

Der Weg, der aus diesem Dilemma herausführt, kann nur der Weg der Scham sein. Deshalb ist es notwendig überall in unserer Gesellschaft die Scham wieder zu erkennen, sie zu akzeptieren und sie auch als existenziellen Grundzustand des menschlichen Da-Seins zu würdigen.

Weitere Informationen finden Sie in meinem Buch (siehe unten). Außerdem gibt es Vorträge der Arbeiterkammer Feldkirch bei YouTube sowie mehrere Vorträge auf CD (erhältlich bei www.foerder-kreis.de).

Wolfram Kölling ist Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut mit jahrzehntelanger Erfahrung als Gruppen- und Seminarleiter. Er war siebzehn Jahre Leitender Psychologe in einer Psychosomatischen Klinik. Nach intensiven Fort- und Weiterbildungen sowie Selbsterfahrungen u.a. in Kathatym Imaginativer Psychotherapie (KIP), Primärtherapie, Holotropen Atmen, Gestalttherapie und EMDR hat er sich vor allem mit dem Studium schwerer Schamkonflikte und Persönlichkeitsstörungen beschäftigt. In einem eigenen Ansatz der Arbeit mit inneren Einstellungen verbindet er traditionelle Psychotherapie mit den Erkenntnissen einer Integralen Transpersonalen Psychologie.

Literaturhinweis:

Einen Vortrag zum Thema „Scham – Schamlosigkeit und ihre Folgen“ von Wolfram Kölling, den er bei der Kammer für Arbeiter und Angestellte für (AK) Vorarlberg im Jahr 2012 gehalten hat, können Sie sich bei YouTube anschauen.

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Die Methode definiert den Gegenstand!

Essay über die Aussagekraft und Kritisierbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse:

Die Frage, der in diesem Text nachgegangen wird, lautet in ihrer Kurzform: Wie kann eine Methodenkritik aus konstruktivischer Sicht dem Kriterium wissenschaftlicher Relevanz entsprechen, wenn doch die Methode den Gegenstand definiert und dieser als solcher innerhalb eines empirischen Vorgehens einer Methodenkritik zwangsläufig anders definiert ist?

Manfred Evertz, www.manfred-evertz-art.com

Um ein besseres Verständnis dieses Problems zu ermöglichen, soll zum einen die Fragestelluing genauer erörtert, und zum anderen aufgezeigt werden, inwieweit es doch möglich ist, dem oben angesprochenen Gütekriterium gerecht zu werden. Hierzu werden verschiedene erkenntnistheoretische Positionen herangezogen, die eine sinnvolle Auflösung dieser Problematik erlauben.

Die Methode definiert den Gegenstand: Diese Betrachtungsweise des Zusammenhangs zwischen Methode und Gegenstand (einer Untersuchung) ist im Konstruktivismus sowie in der Quantenphysik vorzufinden. So ergab sich die Kopenhagener Deutung der Quantenphysik daraus, dass Niels Bohr (1885-1962) der „Unschärferelation“ Heisenbergs die der „Komplementarität“ der atomaren Teilchen hinzufügte. Ein Elektron wurde demnach nicht mehr als Teilchen oder als Welle betrachtet, sondern beide Aspekte wurden als komplementär angesehen: Sie schlossen sich gegenseitig aus und bildeten doch zusammen erst das Ganze. „Will man den Ort eines Elektrons feststellen, so muss man es beleuchten und unter einem Mikroskop betrachten. Dabei wird aber das Elektron von einem Lichtteilchen getroffen, wodurch es seine Bewegungsrichtung sowie seinen Impuls verändert -und zwar auf unkontrollierbare Weise. Je genauer man die Ortsmessung vornehmen will, desto kleiner muss die Wellenlänge des Lichts sein, desto größer ist jedoch seine Energie und damit auch sein Impulsübertrag. Es erscheint somit wenig sinnvoll, von Größen wie Ort und Geschwindigkeit zu sprechen, ohne gleichzeitig anzugeben, wie man sie misst. „Die Bahn [eines Teilchens] entsteht erst dadurch, dass wir sie messen“, schrieb Heisenberg (Bührke, 1997, S. 198 f.). In dieser Aussage Heisenbergs liegt die Parallele zum Konstruktivismus. So hat Maturana (1982, S. 309) darauf hingewiesen, dass Wissenschaft kein Bereich objektiver Erkenntnis sei, sondern ein Bereich subjektabhängiger Erkenntnis, der durch die Methodologie defniniert wird, die die Eigenschaften des Erkennenden festlegt. Deshalb beruht die Gültigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis ihm zufolge auf ihrer Methodologie, die die Einheitlichkeit der Beobachter bestimmt, und nicht auf der Widerspiegelung objektiver Realität. Die Methode definiert demnach also den Gegenstand.

Nüse, Groeben, Freitag und Schreier (1991, S. 195) argumentieren bezüglich ihrer Forderung nach Wahrheitsannäherung wissenschaftlicher Forschung, dass es keinen Beobachter bzw. Forscher verwehrt sein dürfe und könne, darüber nachzudenken, unter welchen Bedingungen die angestellten Überlegungen der Wahrheit wohl am nächsten kommen. Hierin spiegelt sich die Auffassung wider, dass der zu erforschende Gegenstand durch die aufgrund dieser Überlegungen angewandten Methodik in einem Rahmen eingebettet wird, innerhalb dessen die Ergebnisse der Forschung Gültigkeit (im Sinne einer Annäherung an die „Wahrheit“) erlangen können. Da aus konstruktivischer Sicht Empirizität jedoch an erfahrende Systeme und deren kognitive Konstuktivität – und nicht an objektive Strukturen der Realität – gebunden ist, lassen sich solche appoximationstheoretischen Auffassungen sensu Popper & Co. nicht ohne Weiteres halten. Es kann aus konstruktivischer Perspektive in einem solchen Fall nur gelten, dass die Egebnisse des Forschers A innerhalb seiner Methodik Gültigkeit haben, bei einer Abänderung des Vorgehens (wie im Falle einer Methodenkritik) kann es dann jedoch zu anderen Erkenntnissen kommen. Ein Urteil über die Annäherung an die Realität ist nicht möglich, ebensowenig wie das Erfassen dieser. Es müsste bei einer Methodenkritik sensu Sozialem Konstruktivismus folglich der wissenschaftliche Diskurs darüber entscheiden, welche Ergebnisse mehr Akzeptanz erlangen und als viabler (und folglich nicht als „bessere“ Annäherung an die „Wahrheit“) aufgefasst werden. Diese Argumentation erscheint zwar plausibel, sie ist aber dem wissenschaftlichen Fortschritt nicht unbedingt förderlich, da sie einer gewissen Willkür den Weg ebnet, die sich konkret in dem Einfluss einzelner Forscher innerhalb einer Wissenschaftlergemeinschaft äußert (vgl. hierzu die Ausführungen weiter unten).

Um zu erläutern, wie das Kriterium der „Relevanz wissenschaftlicher Forschung“ auch in Bezug auf eine Methodenkritk erfüllt werden kann, wird im Folgenden zunächst der Empiriebegriff erläutert. Anschließend soll eine Klärung des diesem Text zugrunde liegenden Verständnisses von „Intersubjektivität“ und „Konsens“ folgen, woraufhin in Anlehnung an Luhmann (1990) und Schlosser (1993) eine Lösung angeboten wird, wie man der oben angesprochen Willkür wissenschaftlicher Wahrheitsannäherung, wie sie bspw. dem Sozialen Konstruktivismus häufig vorgeworfen wird, entgehen kann.

Der Empiriebegriff

Der konstruktivische Empiriebegriff stellt nach Rusch (1984, S. 242) eine Umorientierung von „empirisch“ auf Wissen, anstatt auf Realität dar. Empirisches Wissen ist ihm zufolge Erfahrungswissen, welches an die erfahrenden Systeme und deren kognitive Konstruktivität gebunden ist – nicht jedoch an die „objektiven Strukturen“ der Realität. Nach Rusch (1984) wird Erfahrung als ein Prozess verstanden, in dem sinnliche, konzeptionelle und motorische Komponenten zusammenspielen, so dass neue ontische Elemente und Operationen neues ontologisches und operationales Wissen – und dadurch neue Wahrnehmungs- und Veränderungsmöglichkeiten – entstehen können.

Janich (1992, S. 24) argumentiert ähnlich. Empirisches Wissen wird als Wissen über Resultate von Handlungen definiert, nicht als eine Erkenntnis über „natüliche“ Gegebenheiten. Seiner Auffassung nach machen erst wiederholbare Handlungssequenzend die daran gebundenen definitorischen Normierungen fachwissenschaftlichen Sprechens (d.h. die operationalen Definitionen) naturwissenschaftliche Empirie möglich. Janich vertritt somit einen eindeutig handlungstheoretischen Wahrheitsbegriff, der wissenschaftliche Wahrheit explizit als Handlungserfolg deutet. Wahrheit wird von ihm als erfolgreiches, gemeinsames Handeln betrachet, wobei er die generelle Geltung von Begründungen und Widerlegungen als regulative Idee postuliert (nach Schmidt, 1998, S. 168).

Kriz (1985, S. 12 f.) stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die letzte Prüfinstanz für empirisches Wissen untrennbar an menschliche Handlungen gekoppelt ist. Aspekte der Wirklichkeit werden ihm zufolge nicht erfasst, sondern in den Modalitäten des Rezeptorsystems „konstituiert“. Demnach handelt es sich immer nur um eine Interaktion des „Erfahrenden“ und „Zu Erfahrendem“. Eine Aussage über das „Zu Erfahrende“ ist nach Kriz nicht möglich, da sich alle Aussagen auf das Ergebnis des oben angesprochenen Interaktionsprozesses beziehen.

Nach Schmidt (1998, S. 125) vollzieht sich wissenschaftliche Erkenntnisproduktion auf der Ebene von Handlungen und Kommunikation im Rahmen des Sozialsystems Wissenschaft. Es sind aber nicht „Realitäten“, womit Wissenschaftler kommunikativ umgehen, sondern experimentell und kommunikativ stabilisierte Beschreibungen und Unterscheidungen einer Gesellschaft: „sie operieren mit Fakten (= Gemachtem), und nicht mit Daten (= Gegebenem). ‘Empirisch forschen’ kann dementsprechend allgemein bestimmt werden als praktisches Herstellen logischer, pragmatischer und sozialer Stabilitäten […], mit denen Wissenschaftler wie mit unabhängigen Gegenständen kommunikativ umgehen. Alles, was zu dieser Stabilitätskonstruktion agrumentativ erfolgreich herangezogen werden kann, fungiert – je nach Kriterium und Kontext – als Plausibilisierung oder Beleg. Empirisches Forschen kann mithin als eine spezifische Art und Weise der Wirklichkeitskonstruktion bezeichnet werden“ (Schmidt, 1998, S. 125).

Wissenschaftliche empirische Forschung ist nach Schmidt (1998, S. 127) dadurch gekennzeichnet, „dass das Erfahrungmachen in einer Reihenfolge festgelegter Verfahrensschritte, d.h. methodisch […] erfolgt. Die Unterscheidung bzw. die systematisch geordneten Mengen von Unterscheidungen, mit deren Hilfe methodisch geregelte Beobachtungen bzw. experimentelle Handlungen durchgeführt werden, müssen im Rahmen einer expliziten Theorie geklärt und begründet werden […]. wobei der Grad und die Akzeptanz von Klärungen und Begründungen ausschließlich im Wissenschaftssystem selbst bestimmt wird.“ Zur Wissenschaftlichkeit empirischen Forschens im Sozialsystem der jeweiligen Disziplin gehört nach Schmidt (1998, S. 128) zudem, „dass die Ergebnisse des systematisch geregelten Erfahrungmachens kommunikativ stabilisierbar bzw. stabilisiert sind, insofern im Diskurs einer relevanten epistemischen Gemeinschaft Konsens über die Konzepte, Kritiken und Ergebnisse des Erfahrungmachens hergestellt werden kann. Dies wird über Publikationen erprobt und geregelt.“

Nach Rusch (1987, S. 542) liegen die Gründe dafür, dass empirisches Wissen als Wissen über die Wirklichkeit gilt, nicht in der Übereinstimmung mit der Realität, sondern in der Kognition begründet: Die Übereinstimmung von Theorie und Wirklichkeit sei demnach Gegenstand eines Feststellungsverfahrens, von dem aus auf die Adäquatheit theoretischer ontologischer Vorstellungen geschlossen wird. Diesem Feststellungsverfahren liegen immer kogntive Operationen zugrunde. Können auf diese Art Prognosen ermöglicht werden, die sich als zutreffend erweisen, wird im Allgemeinen auf einer Wirklichkeitsadäquatheit der betreffenden Bedingungen geschlossen.

Manfred Evertz, www.manfred-evertz-art.com

Intersubjektivität und Konsens

Der wissenschaftliche Erwerb empirischen Wissens wird methodologischen Anforderungsprofilen ausgesetzt, von denen nach Rusch (1987) eines die intersubjektiv zugängliche Dokumentation ist, die eine Prüfung der entwickelten Strategien, Systeme und Verfahren ermöglicht.

Schmidt (1998, S. 135 f.) erläutert in diesem Zusammenhang, dass der Erwerb von Wissen prinzipiell von der Bindung an die Einzelperson gelöst wird, „indem Operationalisierungen für Explanitivität entwickelt und standardisierte Handlungsvollzüge in Meß-, Beobachtungs- und Schlussprozesse eingeführt werden, die als Garant für eine erfolgreiche kommunikative Herstellung von Intersubjektivität betrachtet werden [können]“. Schmidt sagt zudem, dass eine systematische Kontrolle der Wissensproduktion durch Programme (Theorien, Methoden) von einer Beobachterebene zweiter Ordnung her erfolgen – sowie die Anforderungen der Operationalisierung bei empirischer wissenschaftlicher Forschungerhalten bleiben – muss. Dies lässt eine formale Loslösung der Ergebnissse vom Individuum zu und ermöglicht somit Intersubjektivität bzw. eine Verwendung des Begriffs „Wahrheit“. Weiterhin führt Schmidt (1998, S. 139) aus, dass Wissenschaft als Unerfangen sozialisierter Individuen deren Handlungen und Kommunikation in hinreichend bindender Weise spezifiziert und sie sich auf eine systematische Erweiterung der spezifischen Wissensbestände und den damit verbundenen Handlungen einer Disziplin orientiert.

Kriz (1985) sieht den Sinn empirischer Wissenschaft in einer Reduktion der Unsicherheit handelnder Subjekte hinsichtlich möglicher Erfahrungen. „Eine […] intersubjektive, zusammenwirkende Konstruktion relevanter Wirklichkeit […] kann allerdings nur dann erfolgreich funktionieren, wenn die Positionen, aus denen heraus der Einzelne jeweils perspektivisch einen Aspekt dieser Wirklichkeit konstituiert, möglichst genau im Diskurs der Forscher vermittelt werden.“

Auch Janich (1992) sieht die empirische Forschung als rationale Tätigkeit, die einem methodischen Operationalismus verpflichtet ist, denn erst die operationalen Definitionen machen seiner Ansicht nach naturwissenschaftliche Empirie möglich. Janich (1995) spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Hochstilisierung lebensweltlicher Praxen zu Wissenschaften. Ihm zufolge wird die Hochstilisierung von Fachsprachen zu Terminologien durch Diskursfähigkeit bestimmt, die das Kriterium für den Übergang zu Lehrmeinungen darstellt. Diese Hochstilisierung zeichnet sich durch die Merkmale einer Theoriefähigkeit und der Philosophiefähigkeit aus. „Theoriefähigkeit“ bezeichnet die Kohärenz und Konsistenz einer Terminologie im Sinne einer Lehr- und Lernbarkeit sowie ihrer expliziten, zirkelfreien und vollständigen Bestimmung. „Philosophierfähigkeit“ bezeichnet den expliziten Nachweis der Tauglichkeit wissenschaftlicher Methoden und Terminologien gemäß einer Zweck-Mittel-Rationalität. Dabei wird vorausgesetzt, dass eine hinreichend normierte Sprache zur Verfügung steht, die es erlaubt, in expliziter Argumentation den Geltungsanspruch wissenschaftlicher Resultate einzulösen (Schmidt, 1998, S. 146).

Die oben angesprochene Zweck-Mittel-Rationalität wissenschaftlicher Handlungen (Experimente, Kommunikationen) besagt, dass mit dem (Handlungs-)Wissen operiert werden muss, „das wissenschaftliche Aktanten aus früheren Problemlösungen gewonnen haben und in Lehrmeinungen kommunikativ verfügbar halten“ (Schmidt, 1998, S. 152). Theorien können auf diese Art Erfahrungen der Forscher systematisieren und ihren Erfahrungsraum strukturieren, so dass eine kulturelle Einheitlichkeit als Grundlage kommunikativer Intersubjektivität konstituiert werden kann.

Schmidt (1998, S. 153) führt hierzu aus, dass die „Überprüfung wissenschaftlicher Problemlösungen […] nicht im Sinne von Verifikation oder Adäquanzprüfung, also nicht im Sinne von ontologisch gedeutet werden [kann]“. Geprüft werden kann lediglich, „ob der angestrebte Zweck erreicht worden ist und ob das dabei gewonnnene Wissen mit dem bisher bewährten und daher akzeptierten Wissen kompatibel ist. In einer Problemlösungskonzeption wissenschaftlichen Handelns, in der Problemstellung, Theorien und Methoden (geeignet gewählte Mittel für Erkennniszwecke sensu Janich) sowie die Beurteilung von Problemlösungen notwenig und immer an Beobachter und deren komplexe Kognitionsbedingungen gebunden sind, kann es keine letzten methodologischen Kriterien und kein endgültiges fundamentum in re für Prüfoperationen geben.“

Auch Schlosser (1993) betont, dass Konsens das plausibelste (für ihn sogar das einzige) Wahrheitskriterium intersubjektiv geführter Diskurse ist. Hierbei ist hervorzuheben, dass Konsens nicht als willkürlich getroffene Einigung von Individuen betrachtet wird, sondern als Kompatibilität wissenschaftlichen Wissens mit dem in einer Forschergemeinschaft akzeptierten Hintergrundwissen, den Rechtfertigungen und den Maßstäben der Problemkonstitution und -lösung.

Schmidt (1998, S. 172) legt dar, „dass die Produktion von Wissen und Ordnung Wissen und Ordnung voraussetzt“. Somit hält er auch die Kohärenztheorie (s. u.) von Wahrheit für stimmig, „die als Kohärenz die Übereinstimmung von Erkenntnissen miteinander und mit dem Gesamtsystem des Wissens in einem bestimmten Diskurs bestimmt“. Er postuliert also „Wissen auf der Ebene von Wissenschaften als Theorie-wahr bzw. Diskurs-wahr zu konzipieren und zu bewerten.“

Den Kohärenztheorien zufolge gibt es Wahrheit immer nur relativ zu einer Theorie, auf die Bezug genommen wird. „Wahrheit“ bedeutet in dieser Konzeption: Kohärenz im System einer Theorie kennzeichnet eine interne Relation zwischen Sätzen und keine externe Relation zwischen Theorie und Wirklichkeit. Das Kriterium der Wahrheit einer Aussage wird hier bestimmt als Übereinstimmung mit allen anderen Aussagen bzw. – im Sinne H. Putnams – als „rationale Akzeptierbarkeit“ (Schmidt, 1998, S. 165).

Luhmann (1990, S. 397) betrachtet Wissenschaftstheorie als konstruktivistische Reflexionstheorie, die – wie jede andere Wissenschaft auch – lediglich Konstruktion und nicht Entdeckung oder Repräsentation der Welt ist. Wissenschaft ist ihm zufolge das, was die Wissenschaft tut. Da Wissenschaft von Wissenschaftlern betrieben wird, unterscheidet Luhmann interessanterweise drei rivalisierende Rationalitätstypen, denen deren Aktivitäten unterworfen sind:

  1. Systemrationalität, die sozialen Aktionen über systemspezifische Anschließbarkeiten einer spezifischen Bedeutung zuordnet [vgl. „Konsens“ sensu Schlosser, s. o.];
  2. Kommunikationsrationalität, die die Rolle von Kommunikationen in sozialen Prozessen definiert [vgl. „Konsens“ sensu Sozialer Konstuktivismus];
  3. Aktantenrationalität, also die Eigenschaften und Verhaltensweisen, die Aktanten [= Foscher] aus lebensweltlichen Zusammenhängen in Systemzusammenhänge einbringen bzw. dort ausprägen [vgl. „Sozialisation“].

Schmidt (1998, S. 187 ff.) führt die von Luhmann benannten Rationalitätstypen an, um die von diesem postulierte unwiderlegbare Dominanzsetzung der alles inkludierenden Systemrationalität über die anderen Rationalitätstypen in Frage zu stellen. Ihm zufolge stellt die Systemrationalität einen wichtigen Faktor für „die Regelung der Anschließbarkeit wissenschaftlicher Handlungen im weitesten Sinne über Theorien und Metodologien“ dar, er weist jedoch auf die aus der Kommunikationsrationalität hervorgehende Wirksamkeit sozialer Mechanismen des Zugangs zu wissenschaftlicher Kommunikation, der Prestigepolitik, der Kritikstrategien, der Interessensdurchsetzung usw. hin, die mit der Systemrationalität konfligiert.

So kann festgehalten werden, dass der Systemrationalität sensu Luhmann (1990), die ja im Einklang mit dem von Schlosser (1993) postulierten Verständnis von „Konsens“ steht, in jedem Fall eine höhere Wertigkeit zuzuordnen sei, als der Kommunikationsrationalität, die dem Verständnis von „Konsens“ sensu Sozialer Konstruktivismus nahekommt. Der wissenschaftliche Alltag bzw. der Vorgang der Entstehung von „Wissen“ verläuft zwar nicht konsequent systemrational, sondern eher kommunikationsrational, dies stellt jedoch kein plausibles Argument für die Beurteilung wissenschaftlichen Fortschritts nach Maßstäben der Kommunikationsrationalität bzw. der Konsensbildung nach Mehrheits- und Einflussprinzipien dar. Es kann zwar die Aussage, dass die Methode nach konstruktivischem Verständnis den Gegenstand bestimmt, aufrechterhalten werden, eine Entkräftung von bereits bestehenden Aussagen, wie sie bspw. durch eine Methodenkritik möglich ist, sollte nach dem Verständnis einer Systemrationalität sensu Luhmann dennnoch machbar sein.

Fazit

Fasst man „Konsens“, wie Schlosser (1993), als Kompatibilität wissenschaftlichen Wissens mit dem in einer Forschergemeinschaft akzeptierten Hintergrundwissen, den Rechtfertigungen und den Maßstäben der Problemkonstitution und -lösung auf, betrachtet man Konsens also im Sinne einer Intersubjektivität wissenschaftlichen Handelns sensu Schmidt (1998), dann kann die Systemrationalität sensu Luhmann (1990) als einzig relevanter Rationalitätstyp (von den drei oben aufgeführten) angesehen werden, zumindest wenn es um das Kriterium der Relevanz wissenschaftlicher Forschung geht.

PS: Dieser Text aus dem Jahr 2000 diente zur Darlegung theoretischer Begründungen einer Methodenkritik, die ich bei Prof. Dr. Hans Westmeyer (Freie Universität Berlin) eingereicht – und gerade in einem Stapel Studienunterlagen wiederentdeckt – habe.

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Literaturhinweise

  • Bührke, Th. /(1997). Newtons Apfel. Sternstunden der Physik. München.
  • Hauptmeier, H. & Rusch, G. (1984). Erfahrung und Wissenschaft. Überlegungen zu einer konstruktivistischen Theorie der Erfahrung. LUMIS-Schriften 4., Universität-GH-Siegen.
  • Janich, P. (1992). Die methodische Ordnung von Konstruktionen. Der Radikale Konstruktivismus aus der Sicht des Erlanger Konstruktivismus. In: S. J. Schmidt (Hrsg.). Kognitionen und Gesellschaft. Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus 2. (S. 24-41). Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  • Janich, P. (1995), Die methodische Konstruktion der Wirklichkeit durch die Wissenschaften. In: H. Lenk & H. Poser (Hrsg.). Neue Realitäten – Herausforderungen der Philosophie (XVI. Dt. Kongress f. Philosophie. Berlin, 20.-24. September 1993 (S. 460-475). Berlin: Akademie Verlag.
  • Kriz, J. (1985). Wie empirisch ist die Empirie? In: Spiel 4 (S. 7-40), H. 1.
  • Luhmann, N. (1990). Soziologische Aufklärung 5: Konstruktivistische Perspektiven. Opladen: Westdeutscher Verlag.
  • Maturana, H. R. (1982). Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit – Ausgewählte Arbeiten zur biologischen Epistemologie. Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg (Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie, Bd. 19, autorisierte deutsche Fassung von W. K. Köck).
  • Nüse, R., Groeben, N., Freitag, B. & Schreier, M. (1991). Über die Erfindung/en des Radikalen Konstruktivismus: Kritische Gegenargumente aus psychologischer Sicht. Weinheim: Deutscher Studien Verlag.
  • Rusch, G. (1987). Erkenntnis, Wissenschaft, Geschichte. Von einem konstruktivistischen Standpunkt. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
  • Schlosser, G. (1993). Einheit der Welt und Einheitswissenschaft. Grundlegungen einer Allgemeinen Systemtheorie. Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg (Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie, Bd. 37).
  • Schmidt, S. J. (1998),. Die Zähmung des Blicks. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Wie „intensiv“ darf ein Seminar sein?

Stressmanagement, Umgang mit psychischen Belastungen & Burnout-Prävention: In der Abschlussrunde eines Seminars, das vor Kurzem stattfand, stellte ein Teilnehmer diese Frage zur Diskussion. Das hat mir in den letzten Tagen keine Ruhe gelassen. Wie weit darf ich mit meinen Gesprächen in einem solchen Setting gehen, ohne Gefahr zu laufen, hinterher für eine Retraumatisierung verantwortlich zu sein? Da ich es für wichtig hielt, eine stimmige Antwort darauf zu finden, habe ich mal einige meiner Überlegungen in diesem Artikel zusammengefasst.

In vielen Schulungen wird vor allem darauf geachtet, anwendbares Wissen zu vermitteln. Dafür wird in der Regel eine schöne Präsentation vorbereitet und ein Ablauf- oder Seminarfahrplan erstellt, der mit Power-Point unterstützte Vortragselemente für den theoretischen Rahmen, verschiedene Übungen und/oder Kleingruppenarbeiten sowie Diskussionen bzw. einen Erfahrungsaustausch der TeilnehmerInnen vorsieht. Ich fände es jedenfalls vollkommen in Ordnung, selbst auch so vorzugehen, tue es jedoch in der Regel nicht. Selbstverständlich überlege auch ich mir vorher grob, wie das Seminar ablaufen könnte und welche Themen vielleicht zur Sprache kommen. Tatsächlich arbeite ich dann aber meistens prozessorientiert mit dem, was die TeilnehmerInnen so mitbringen. Damit habe ich bislang immer gute Erfahrungen gemacht.

In einigen Seminaren bitte ich die bspw. darum, problematische Situationen oder Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag zu skizzieren, über die im Folgenden detailliert gesprochen werden soll. Diese bearbeiten wir dann mit einer Mischung aus SORKC-Analyse (einem Modell zur Verhaltensanalyse), zum Fallbeispiel passender Theorie und viel Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Zudem werden jene Fallbesprechungen mit einer praktischen Übung abgerundet, bei denen das sinnvoll zu sein scheint.

Da ich mich für verschiedene Therapieverfahren interessiere und ich viele Jahre mit Menschen gearbeitet habe, die sehr schwer oder chronisch psychisch erkrankt waren, finde ich es nicht ungewöhnlich, über belastende Gefühle oder „schwierige“ Themen zu sprechen und ihren Ursachen auf den Grund zu gehen, um Lösungs- oder (wenigstens) hilfreiche Verhaltensstrategien für problematische Situationen zu entwickeln. Meine beruflichen Stationen sowie auch die intensive Auseinandersetzung mit mir selbst haben wohl dazu geführt, dass ich nicht davor zurückscheue, auch unangenehme Dinge anzusprechen. Vielleicht liegt darin aber auch eine Gefahr? Durch meine Fragen kann nämlich auch schnell mal eine seelische Verletzung spürbar werden, was dann vielleicht nur schwer auszuhalten ist. Obwohl ich mich natürlich immer darum bemühe, die Belastungsgrenze meiner Gesprächspartner im Blick zu haben und ein Gespür dafür zu bekommen, wie weit ich mit meinen Fragen gehen darf, kann ich nur schwerlich einschätzen, was aus den Gedanken und Gefühlen wird, die im Laufe eines Seminars auftauchen? Im schlimmsten Fall könnten sie zu einer zusätzlichen Belastung werden. Dass diese Befürchtung nicht ganz unberechtigt ist, wurde mir vor Kurzem aufgezeigt.

Nach einem zweitägigen Seminar zum Thema „Umgang mit Stress und psychischen Belastungen“ gab mir eine Teilnehmerin unter der Rubrik „Sonstiges/Ideen/Anmerkungen“ folgendes Feedback:

„Der erste Tag hat Erinnerungen wieder hochgebracht, bei denen ich dachte, ich hätte sie bereits verarbeitet. Das hat dann dazu geführt, dass es mir schlecht ging. Es war schwierig für mich, mit dieser Situation vor Arbeitskollegen umzugehen. Der zweite Tag hat allerdings Lösungen dafür geboten. Ich habe erkannt, dass ich mit meinem Therapeuten noch etwas erarbeiten möchte. Herr Müller hat schneller den Punkt getroffen als die Leute in der Reha.“

Mich hat das nachdenklich gestimmt.

Manfred Evertz

„Du und ich – wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.“ Mahatma Gandhi

Wenn ich künftig also das Gefühl habe, ich müsste tiefer in eine Problematik einsteigen, um sie besser verstehen zu können, werde ich mir explizit eine Erlaubnis einholen, bevor ich damit anfange, Fragen zu stellen, mit denen ich vielleicht einen wunden Punkt treffen könnte. Bei jenen Themen, wo nicht so sehr in die Tiefe gegangen werden muss, halte ich das aber für überflüssig. Immerhin habe ich ja den Auftrag, die vorgetragenen Fälle zu bearbeiten. Darauf, dass gewisse Themen besser im Rahmen einer Psychotherapie besprochen werden sollten, musste ich bislang jedenfalls noch niemanden aufmerksam machen. Da ich also der Meinung bin, dass man hin und wieder auch als Trainer den Kern eines Problems erkunden sollte, um individuelle Lösungsstrategien zu entwickeln, die für die Betroffenen wirklich hilfreich sind, empfehle ich, besonders achtsam dabei zu sein.

Doch was kann man sich unter einer “achtsamen Gesprächsführung” vorstellen? In Anlehnung an das Zwei-Komponenten-Modell von Prof. Dr. Scott R. Bishop et al. (2004) verstehe ich unter einer achtsamen Gesprächsführung, dass man die eigene Aufmerksamkeit reguliert und sie auf das richtet, was man im Hier und Jetzt erlebt. Das können Gedanken, Gefühle oder Wahrnehmungen sein. Dabei achtsam zu sein, bedeutet zudem, jedes Abschweifen der Aufmerksamkeit zu registrieren und sie wieder auf das zurückzuführen, was gerade ist. Von zentraler Bedeutung ist auch die Haltung, die man dabei einnehmen sollte, d.h. neugierig darauf zu sein und es zu akzeptieren. Im Grunde genommen geht es also darum, offen zu sein und alles, was da ist, unvoreingenommen und ohne Wertung zuzulassen und zunächst einmal als „mentales Ereignis“ wahr- und anzunehmen. Begegnet man einem Menschen so und ist zugleich empathisch, wertschätzend und kongruent, dann öffnen sich Türen. Das beobachte ich jedenfalls recht häufig. Deshalb ist es unabdingbar, einen funktionalen Umgang mit dem hinzubekommen, was sich dann so zeigt.

Hier kommen jene Herangehensweisen und Techniken ins Spiel, die zum Teil aus dem psychotherapeutischen Kontext stammen. Das gilt insbesondere dann, wenn über Stresssymptomatiken gesprochen und gefragt wird, was man gegen diese tun könne. So wurde zum Beispiel die Tendenz zum Grübeln bereits von etlichen Seminarteilnehmern zum Thema gemacht. Die Strategien, mit denen man es stoppen kann, sind schnell und leicht zu vermitteln. Das gilt übrigens für sämtliche Methoden aus dem Bereich der Emotionsregulation. In Stressmanagement-Seminaren gehören sie zu den Standards. Im Grunde genommen ist die Grenze zur Psychotherapie also allein deshalb schon fließend. Auch aus diesem Grund sollte man sie m. E. immer gut im Blick haben. Das ist eine der großen Herausforderungen, die die Arbeit in Gruppen mit sich bringen kann.

Im Einzelcoaching ist das etwas klarer: So wird beim Entwicklungscoaching bspw. eine ganzheitliche Perspektive mit explizitem Bezug auf die Persönlichkeit sowie die jeweiligen Lebensthemen der Klienten/-innen eingenommen, wofür verschiedene Methoden aus dem Bereich der Psychotherapie eingesetzt werden können. Die Klienten/-innen sollten psychisch stabil bzw. gesund sein. Psychische Störungen werden durch das Auftreten von bestimmten Symptomen (Dauer, Anzahl, Schweregrad) definiert. Sofern „lediglich“ pathologische Veränderungen vorliegen, die nicht zu Symptomen führen, wird demnach nicht von einer psychischen Krankheit gesprochen, sondern allenfalls von einer Krankheitsdisposition. Ist hingegen der Leidensdruck auf der Ebene des Fühlens, Erlebens und/oder in Beziehungen stark ausgeprägt bzw. sind bereits psychische und/oder körperliche Beinträchtigungen bzw. Erkrankungen oder Symptome zu erkennen, die therapeutisch behandelt werden sollten, kommt das Coaching an seine Grenzen. Folglich wäre dann eine Psychotherapie zu empfehlen.

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Notfallpsychologie – Interview mit Prof. Dr. Bernd Gasch

Vom 11. bis zum 13. Oktober 2018 fand in Hamburg die 5. Fachtagung Notfallspsychologie statt. Im Anschluss daran hatte ich die Gelegenheit, ein persönliches Gespräch mit Prof. Dr. Bernd Gasch zu führen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit einem Gebiet zu beschäftigen, das sich mit Notfällen und den entsprechenden Aspekten und Aufgaben befasst, die für die Psychologie von Interesse sind?

B. G.: Es ist schon etliche Jahre her, da fuhr ich auf dem Heimweg nach Nordkirchen im Münsterland mit meinem Auto an einer Unfallstelle vorbei und sah dort einen verletzten Motorradfahrer liegen. Da der Krankenwagen bereits unterwegs war, konnte ich zwar weiterfahren, stellte mir daraufhin aber die Frage, was ich in einer solchen Situation eigentlich hätte tun können? Woran ich auch dachte, die gängigen Interventionsmöglichkeiten erschienen mir allesamt nicht zweckmäßig zu sein: Ein Tiefenpsychologe hätte vielleicht analysiert, in welchem Zusammenhang dieses Ereignis mit der Beziehung steht, die der Verunglückte zu seinen Eltern hat? Ein Verhaltenstherapeut wäre eventuell auf Idee gekommen, die ein oder andere Entspannungstechnik aus seinem Methodenkoffer hervorzuholen. Auch Viktor Frankls Frage nach dem „Sinn“ hätte hier wohl nicht geholfen. Also sprach ich mit meinem Kollegen Frank Lasogga darüber, der anmerkte, dass es so etwas wie eine Fünf-Minuten-Kurzzeittherapie wohl nicht gäbe. Daraufhin beschlossen wir, ein Buch über die psychologische Erste Hilfe bei Unfällen zu schreiben.

Womit haben Sie sich eigentlich (vorrangig) befasst, bevor Sie diese Idee hatten?

B. G.: Offiziell habe ich eine Professur für Psychologie mit dem Schwerpunkt Pädagogische und Unterrichtsspsychologie. Dafür wurde ich damals an der Pädagogischen Hochschule Ruhr eingestellt, die nach einem halben Jahr meiner dortigen Tätigkeit mit der Universität Dortmund zusammengeführt wurde. Das war ein recht streitvoller Prozess. Eine Folge davon war es, dass ich dort zunächst innerhalb der Lehrerausbildung keine konkreten Zuständigkeiten hatte. Man sagte mir: „Machen Sie halt mal was!“ Die acht Lehrstunden pro Woche, die ich laut meines Vertrags abhalten durfte, habe ich dann nach eigenem Gutdünken gefüllt.

Womit?

B. G.: Ich habe zunächst eine „Einführung in die Psychologie“ für alle angeboten, vor allem für Lehramtsstudenten und Diplom-Pädagogen. Das hat sich dann jahrzehntelang fortgesetzt. Diese Vorlesungen wurden jeweils von ca. 600 Studentinnen und Studenten besucht. Des Weiteren habe ich klassische Themen abgearbeitet, von denen ich vermutete, dass LehrerInnen davon einen Nutzen davon hätten, z. B. Lerntheorien und Intelligenzforschung, Ein bis zwei Themen waren jedoch immer etwas außergewöhnlicher. So habe ich einen Kompaktkurs „Gesprächsführung in Problemsituationen“ konzipiert, den ich auch jetzt noch in der Weiterbildung für Schulleiter anbiete. Weitere Sonderveranstaltungen waren „Kreativitätsförderung“ oder ein Seminar zum Thema „Meine eigenen Schulerfahrungen und die Konsequenzen für den Lehrerberuf“. Interessant für die Studierenden war auch das Seminar „Prüfungsvorbereitung und -technik“, im Verlauf dessen die Studenten/-innen auch mich zu einem Thema ihrer Wahl prüfen und dieses Szenario mit einer Videokamera aufnehmen sollten. Dabei habe ich aufzeigen können, dass es gewisse Strategien gibt, mit denen man sich selbst dann herausreden kann, wenn man mal in die Klemme kommt.

Was ja auch irgendwie „Notfallpsychologie“ ist, wenn auch in einem ganz anderen Sinne…

B. G.: Dann kam ein neuer Strang hinzu: Der ehemalige Rektor und der ehemalige Kanzler hatten die Idee, an der Universität Dortmund auch Diplom-Psychologen auszubilden. Bei der Beantragung gab es jedoch Probleme. Zudem witterte die Universität Bochum Konkurrenz, weshalb wir dann ersatzweise einen „Zusatzstudiengang Organisationspsychologie“ einrichteten. Ich hatte zwar immer wieder mal überlegt, ob ich mich vielleicht irgendwo anders bewerbe und die Universtität wechsle, blieb aber doch in Dortmund; denn in dieser Zeit war ich bereits Dekan und wurde in den 1990er Jahren auch einer der Pro-Rektoren.

Obwohl ich in diesen Positionen weniger lehren musste, ließ ich mir die Freude nicht nehmen, mir für die verbleibenden Stunden etwas Neues einfallen zu lassen. Aufregend fand ich insbesondere ein Seminar zum „Abbau unerwünschter Hemmungen“, da ich bis dato überhaupt keine Vorstellung davon hatte, wovor die Studenten/-innen Hemmungen hatten (beispielsweise sich zu melden oder in ein Mikrophon zu sprechen). Im Rahmen dieses Seminars führten wir dann auch verschiedenartige öffentliche Mutproben durch. In einer davon ging es darum, mit zwei unterschiedlichen Schuhen in der Stadt umherzulaufen. Dabei gab es dann einen herrlichen Vorfall, an den ich mich noch bestens erinnere: Ich stellte mich selbst mit zwei verschiedenen Schuhen vor ein Schuhgeschäft und erklärte den Passanten, welche Vorteile es hat, so herumzulaufen, bis der Geschäftsführer aus dem Laden kam und mich ärgerlich fragte, was ich denn da tue? Als ich es ihm erklärte und ihm anbot, ihm diese Geschäftsidee zu verkaufen, war er empört und rief die Polizei. Als diese daraufhin kann, erklärte ich auch dem Polizisten meinen Vorschlag. Ich sollte dann dem Geschäftsführer meine Adresse nennen, was ich auch ohne Bedenken tat. Der kündigte dann eine Reaktion seiner Zentrale an, auf die ich mich wirklich freute, die aber leider nicht erfolgte. Die zuschauenden Studenten sollten lernen, sich nicht vor Autoritäten zu fürchten, wenn sie sich im Recht fühlten. Jedenfalls amüsierten sie sich köstlich.

Was hat Sie damals dazu motiviert, Psychologie zu studieren?

B. G.: Oberflächliche Antwort: In der Abiturklasse wurden wir eines Tages alle gefragt, was wir studieren wollen? Ich hatte damals den Vorsatz, mir ein Fach auszuwählen, das sonst niemand studierte. Zwar habe ich es trotzdem zunächst mit einem Semester Jura probiert, bin dann allerdings rasch zur Psychologie gewechselt, obwohl meine Eltern etwas ängstlich waren, da die Psychologie damals nicht zu den Studienfächern zählte, mit denen man Geld verdienen könne.

Tiefergehende Antwort: Ich bin 1941 in der Tschechoslowakei geboren und damit „Heimatvertriebener“. 1946 wurden dort alle Deutschen „entfernt“ und landeten zunächst in einem Flüchtlingslager. Damals war ich vier Jahre alt. Daraus entstand wohl irgendwie der Wunsch, Dinge, die Menschen tun, zu ordnen, weil zu jener Zeit alles irgendwie durcheinander ging…

Warum haben Sie aus der Notfallpsychologie ein eigenständiges Fachgebiet innerhalb der Psychologie gemacht? Anders gefragt: Warum wurden diese Erkenntnisse nicht „einfach“ der Sozialpsychologie zugeordnet?

B. G.: Frank Lasogga und ich haben einen Antrag auf Förderung des Projekts Notfallpsychologie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gestellt. Der wurde abgelehnt. Die Begründung war vermutlich, dass man nicht genau wusste, welchem Gutachter man den Antrag zuschicken sollte: den Arbeitspsychologen, den Verkehrspsychologen, den Therapeuten oder wem sonst? Das Fach lag denen sozusagen zu sehr zwischen den konventionellen Fächern. Anders war es beim Bund Deutscher Psychologen (BDP): Hier hat sich die Notfallpsychologie inzwischen etabliert. Zu der heutigen Tagung, die der BDP organisiert hat, kamen immerhin ca. 80 Teilnehmer aus zahlreichen Ländern.

Die Notfallarten sowie die damit einhergehenden Interventionsmöglichkeiten weisen auf ein breites Forschungsfeld hin. Gibt es darunter Bereiche oder Themen, die Sie besonders interessieren?

B. G.: Ein Thema, das mich besonders interessiert, ist der öffentliche Suizid. Warum? Eigentlich hatte ich Angst, dass ich mal an einem solchen Notfall vorbeikomme und angesprochen werde, ich solle da helfen. Darauf wollte ich vorbereitet sein.

Das zweite Thema ist „Panik“. Grund dafür war ein persönliches Erlebnis. Es gab mal eine notfallmedizinische und notfallorganisatorische Übung im Westfalen-Stadion in Dortmund, zu der ich eingeladen wurde und bei der ein Großunfall simuliert wurde: Ein Feuer sei durch das Verhalten von Hooligans entstanden! Dann kam ein Polizist zur Lautsprecherkabine und machte die m. E. vollkommen unmögliche Durchsage, dass „durch das unvernünftige Verhalten einiger Chaoten“ ein Brand enstanden sei. Als ich ihn daraufhin auf diese für mich unangebrachte Formulierung ansprach, erhielt ich lapidar die Antwort: „Machen Sie’s doch besser“, was ich dann auch mit einer alternativen Durchsage versuchte“. Das war der Startpunkt, mich intensiver mit der Panik zu beschäftigen und entsprechende Kapitel zu schreiben.

Gab es im Laufe der jungen Geschichte der Notfallpsychologie Erkenntnisse, die Sie überrascht haben?

B. G.: Für mich war eine der überraschendsten Erkenntnisse, was ein Helfer zu einem Notfallopfer sagen sollte, bevor der Rettungswagen kommt. Die bislang vorherrschende Meinung war, dass man nach „Rogers und Tausch“ vorgehen solle, also „echte positive Wertschätzung, emotionale Wärme, und einfühlendes Verständnis“ zeigen sollte. „Oh, das ist ja wirklich schlimm. Ich kann das wirklich gut nachfühlen!“ Später haben wir Unfallopfer im Krankenhaus interviewt. Ein Patient sagte, dass er diese Formuierungen nicht positiv empfunden hatte und äußerte: „Der wollte mich ja nur trösten“. Was braucht ein Notfallopfer stattdessen? Ordnung im Chaos und Information! Das erreicht man, indem man sagt, wer man ist, konkret fragt, welche Hilfestellungen der- oder diejenige braucht und ihn informiert, dass und wann bspw. der Rettungswagen kommt. In aller Kürze geht es also darum, die kognitive Seite zu betonen, nicht die emotionale. Wir haben dann dieses Vorgehen in vier Regeln für Laien sowie in ca. zwölf für professionelle Helfer zusammengefasst.

Gibt es einen Menschen, der Sie besonders inspiriert hat? Wer war das und warum?

B. G.: Mein ehemaliger Lehrer, Walter Toman, Der ist zwar nicht sehr bekannt, hat aber alle seine Assistenten enorm beeinflusst. Er war ein hagerer, fast unsicherer wirkender Mensch und entsprach damit nicht dem Klischee eines Idols. Aber er hat sich im besonderen Maße um seine „Zöglinge“ gekümmert und sie umfassend und gut betreut. Jeder von uns musste zum Beispiel unter seiner Supervision einen anderen Menschen therapeutisch begleiten. Er war einerseits psychoanalytischer Therapeut, war aber auch viele Jahre in Amerika gewesen und hat dort behavioristisches Denken adaptiert und mit den analytischen Theorien verbunden. Eine Schlüsselveranstaltung von ihm ging um Gesprächsführung (Exploration). Dort hat er ein „Gespräch“ mit einem ihm fremden Menschen geführt und anschließend eine Zusammenfassung vorgetragen. Dabei habe ich einige Regeln gelernt, die er uns implizit vermittelt hat, zum Beispiel wie man einen anderen Menschen akzeptiert, aber auch „öffnet“. Seine Vorgehensweise bestand u. a. darin, keine neuen Themen in ein Gespräch einzuführen, sondern immer nur an dem anzuknüpfen, was der andere sagt.

Haben Sie sich durch die dauerhafte Auseinandersetzung mit der Notfallpsychologie in irgendeiner Weise verändert?

B. G.: Wenig. Und das liegt daran, dass ich nicht aus altruistischen Gründen darauf gekommen bin, mich damit zu beschäftigen, also nicht wegen eines Helfersyndroms. Mein Motiv war der Ärger über die eigene Wissenschaft, dass sie für diese Situationen nichts Wesentliches beizutragen hatte. Es war bei mir also eher ein wissenschaftliches Interesse.

Mit welchen Projekten beschäftigen Sie sich zurzeit? Oder lassen Sie Ihre Arbeit allmählich ausklingen, um Ihren Ruhestand einzuleiten?

B. G.: Letzteres. Die Tendenz geht in Richtung eines ausgedehnteren Ruhestands. Ich habe zunächst freiwillig ein Jahr länger gearbeitet, als ich es gemusst hätte. Was tue ich ab jetzt? Nun: Der Vorschlag meiner Frau, mehr im Garten zu helfen, missglückte total. Aktuell bilde ich noch leitende Notärzte dahingehend aus, wie sie sich in komplexen Situationen unter Stress verhalten sollten, also in dem, womit sich auch Dietrich Dörner lange Zeit beschäftigt hat. Das werde ich wahrscheinlich noch eine ganze Weile tun. Fortführen werde ich auch die Seminare „Schwierige Gesprächsführung“ für Schulleiter.

Gibt es etwas, das Sie der nachfolgenden Generation von Psychologen mit auf dem Weg geben wollen?

B. G.: Ja. Kümmert euch um das Verhalten der Menschen und nicht um Worte! Gebt euch bspw. nicht mit einer Floskel wie „Kooperation“ zufrieden, sondern geht eine Stufe tiefer und schaut, wie sich diese auf der konkreten Verhaltensebene zeigt. Im Grunde genommen bin ich also ein Behaviorist. Aber nicht wie im manipulativen Sinne, wie Watson oder Skinner diesen wohl verstanden haben. Ich meine damit, dass ich mir das Verhalten angucke, das mir die Menschen anbieten, ohne sie in irgendeine Richtung beeinflussen zu wollen. Mein Leitspruch lautet also: Schaut, was die Leute tun, nehmt es zur Kenntnis und zieht dann Schlüsse! Eine Übungsaufgabe für Studenten war: Geht mal unvoreingenommen für eine Stunde auf einen öffentlichen Kinderspielplatz und schreibt alles auf, was dort geschieht. Dadurch bekommt ihr Einblicke, die wirklich interessant sind!

Gerade fand in Hamburg die 5. Fachtagung Notfallpsychologie statt. Gibt es in diesem Zusammenhang etwas Interessantes zu berichten?

B. G.: Auf der Tagung wurde deutlich, dass sich die Notfallpsychologie in eine neue Richtung entwickelt. So entdecken die jungen Notfallpsychologen insbesondere größere Unternehmen und Organisationen als Kundenkreis. Dabei geht es zum Beispiel um die Prävention von Suiziden unter den Mitarbeitern etc. Wahrscheinlich sind derartige Zielgruppen auch deshalb so interessant, weil sich damit Geld verdienen lässt. Es wurden inzwischen Beratungsunternehmen gegründet, die sich mit solchen Problematiken beschäftigen, und entsprechende Lösungen anbieten. Dies wurde jedoch in der Tagung kontrovers diskutiert („Kapitalismus!“). Ein weiterer Trend, der auf der Tagung festzustellen war, erfreut mich allerdings sehr: Die Internationalität nimmt offensichtlich zu!

Betrachten Sie und Prof. Dr. Frank Lasogga sich als die „Urväter der Notfallpsychologie“?

B. G.: Nein, obwohl wir schon manchmal so bezeichnet worden sind. Vielleicht liegt der Grund darin, dass wir das Thema schon sehr früh aufgegriffen haben und mit Beharrlichkeit versucht haben, nahezu alle Aspekte der Thematik einzubeziehen. Dies hat dazu geführt, dass unser letztes Buch „Notfallpsychologie“ offenbar ein „Standardwerk“ geworden ist. Frank und ich hatten aber bestimmt nie die Absicht, „Urväter“ zu werden.

Prof. Dr. (em.) Bernd Gasch, geb. 1941, Dipl-Psych. Promotion an der Universität Erlangen. Tätig in Augsburg, Mannheim. Seit 1979 Professur an der Universität Dortmund, Forschungsaufenthalte in Mailand, Australien, USA. Forschungsgebiete: Pädagogische Psychologie, Organisationspsychologie, Notfallpsychologie.

Literaturhinweis:

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Mobbing verändert Menschen!

Wenn wir nicht mehr so sein können, wie wir einmal waren… Wer von Mobbing betroffen ist oder war, muss ein furchtbarer oder labiler Mensch sein, zumindest aber „schwierig“ im Umgang. Zum Streiten gehören nämlich immer zwei! Außerdem sei es ja lediglich ein mögliches Resultat mangelnder Selbstwertschätzung, wenn man sich zur Zielscheibe der Feindseligkeiten anderer mache. Wenn ich solche Aussagen höre, erkenne ich darin vor allem Ignoranz oder Überheblichkeit. Jeder Konflikt, der sich nicht ohne Weiteres auflösen lässt, bringt für die Betroffenen eine erhebliche psychosoziale Belastung mit sich, die sich selbstverständlich auf die Psyche auswirkt und die Persönlichkeit nachhaltig verändern kann. Wie das genau geschieht, wurde bereits hinlänglich untersucht und beschrieben.

www.manfred-evertz-art.com

Der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Argeo Bämayr schlägt in diesem Zusammenhang bspw. vor, zum Zwecke einer angemessenen Behandlung eine eigenständige Diagnose ins ICD (International Classification of Diseases) aufzunehmen. Seiner Meinung nach ist vor allem die sehr häufig verwendete Diagnose „Anpassungsstörung“ äußerst unangebracht für die Betroffenen einer „Mobbing-Katastrophe“. So ist das „Bedrängnis“ bei Mobbing keineswegs „subjektiv“ (was eine Voraussetzung dafür wäre), sondern „objektiv“. Niemand könne sich einem Psychoterror mit dem Zweck einer psychosozialen Destabilisierung „anpassen“. Zudem führt eine solche Diagnose leicht zu einer klassischen Opferbeschuldigung und ist somit diskriminierend. Dr. Bämayr weist in diesem Zusammenhang eindringlich auf das Problem einer Verkehrung von Ursache und Wirkung hin, d. h. dass vielen Betroffenen unterstellt werde, ihre Erkrankung sei die Ursache und nicht eine Folge von Mobbing.

Bei der Primärdiagnose „Mobbingsyndrom“, die in „NeuroTransmitter“ (Heft 11/2006) erstmals benannt wurde, lassen sich vier Stadien erkennen: Nach der akuten Belastungsreaktion folgt eine „kumulative“ traumatische Belastungsstörung (mit Depressionen, Selbstzweifeln, Schuldgefühlen, Vermeidungsverhalten, Schlafstörungen, Grübelzwängen, eingeengtem Denken u.v.m.). Diese wiederum mündet in einer Posttraumatischen Belastungsstörung, welche im schlimmsten Fall andauernde Persönlichkeitsveränderungen nach Extrembelastungen nach sich zieht.

Dr. Argeo Bämayr

Die posttraumatische Verbitterungsstörung, wie sie Prof. Dr. Michael Linden (Leiter der “Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation” an der Charité Universitätsmedizin Berlin) vorschlägt, weist hierzu einige Parallelen auf. So können auch gesunde bzw. stabile Persönlichkeiten unter den Belastungen einer anhaltenden Mobbingsituation psychisch und körperlich erkranken. Sie ließe sich als ein den Beginn der Krankheit herbeiführendes „außergewöhnliches Lebensereignis“ betrachten, vor allem dann, wenn die Betroffenen zuvor keine psychischen Auffälligkeiten zeigten. Der Zusammenhang zwischen der psychischen Befindlichkeit und diesen Ereignissen ist offenkundig. In Gesprächen berichten die Menschen immer wieder von empfundenen Ungerechtigkeiten und wirken emotional erregt, wenn sie an ihre Erlebnisse erinnert werden. Viele Betroffene betrachten sich selbst als Opfer und sind hilflos, mit dem Ereignis oder mit dessen Folgen umzugehen. Nicht selten geben sie sich selbst die Schuld bzw. werfen sie sich vor, sich nicht wirkungsvoll zur Wehr gesetzt zu haben bzw. nicht adäquat damit umgehen zu können. Des Weiteren berichten sie oftmals über intrusive Erinnerungen an das kritische Ereignis. Manche Patienten äußern Suizidgedanken. Begleitende Gefühle können sein: Dysphorie (Missstimmung), Aggressivität und Niedergeschlagenheit, die einer melancholischen, depressiven Verfassung (mit psychosomatischen Syndromen) ähnelt. Weitere unspezifischere Symptome sind Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Schmerzen oder Ängste, die sich auf die Orte oder Personen beziehen, die mit dem besagten Ereignis in Verbindung stehen. Der Antrieb dieser Menschen ist nicht selten reduziert oder sogar blockiert.

Zur Behandlung einer Verbitterungsstörung schlägt er übrigens eine spezielle – eigens von ihm entwickelte – Therapie vor, mit der er im Rahmen seiner Tätigkeit als Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin sowie als Psychotherapeut sehr gute Erfahrungen gemacht hat: die Weisheitstherapie.

Prof. Dr. Michael Linden

Doch ist eine Psychopathologisierung der Betroffenen tatsächlich hilfreich? Zum Zwecke einer zielgerichteten Therapie ist sie es mit Sicherheit. Allerdings scheint mir dabei leicht vergessen zu werden, wie normal derartige Wesensveränderungen eigentlich sind, wenn man sich in einer ständigen psychosozialen Belastungssituation (wie bspw. Mobbing) befindet.

Sind Menschen längere Zeit in einem Konflikt verstrickt, dann neigen sie stärker als sonst dazu, Ereignisse in ihrer Wahrnehmung zu selektieren, zu filtern oder zu verzerren. Sie hören ihrem Gegenüber nicht mehr genau zu und sehen nur noch das, was sie zu sehen glauben. Schnell entwickelt sich dabei eine Art Tunnelblick. Die Wahrnehmung wird von Denkmustern gesteuert, was dazu führen kann, dass man nur noch sieht, was man denkt. Dies wiederum erleichtert die Entstehung sogenannter Denkfehler, die Aaron T. Beck bereits bei seinen Patienten entdeckte, die er aufgrund einer Depression behandelte. Übergeneralisierungen, willkürliche Schlussfolgerungen und dichotomes Denken nehmen zu. Schnell werden andere Menschen kategorisch in „gut“ und „böse“ unterteilt. Es kommt zu Verdächtigungen, Missverständnissen und Fehlinterpretationen, wenn es um das Verhalten des Kontrahenten geht. Das Tragische dabei ist, dass sich beide Parteien im Recht fühlen, weil sie der Überzeugung sind, dass die Dinge genauso sind, wie sie darüber denken.

Auch die Gefühle werden selbstverständlich in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund der akuten Bedrohung werden Ängste zur handlungsleitenden Emotion. Man fühlt sich der Situation ausgeliefert, empfindet Ohnmacht, wird unsicher, misstrauisch und empfindlich. Um sich selbst zu schützen bildet man einen Schutzpanzer oder spaltet einzelne Gefühlsbereiche aus dem Erleben ab. Allmählich geht die Empathiefähigkeit verloren. So wirkt man auf den Konfliktpartner kühl und berechnend, zumindest solange, bis sich die aufgestauten Emotionen in einem Ausbruch entladen. Diese Explosionen führen dann schnell dazu, dass Außenstehende einen als unberechenbar oder psychisch instabil wahrnehmen.

www.manfred-evertz-art.com

In einer derartigen Stresssituation werden Überlebensinstinkte wach, die archaische Reaktionsmuster auslösen: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Das Ego zentriert sich immer mehr auf die unerfüllten sozialen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Verbundenheit, Anerkennung, Wertschätzung etc. Es wird starr und zwanghaft. Dass sich dann auch das Verhalten verändert, scheint auf der Hand zu liegen. Man reagiert oftmals nur noch instinktgesteuert bzw. ohne Besinnungspausen einzulegen auf das Verhalten des Konfliktpartners. In Verstrickungen eines solchen Ausmaßes neigen Menschen (oftmals ohne es kontrollieren zu können) immer mehr dazu, frühkindliche Bewältigungsstrategien zu nutzen: Sie schreien sich an, erkranken, ziehen sich zurück oder bemühen sich verkrampft darum, immer alles richtig zu machen.

Das aber sind vollkommen menschliche Reaktionen, die man gelegentlich (zumindest im Ansatz) auch bei „gesunden“ Menschen beobachten kann, wenn diese in einer emotional belastenden Auseinandersetzung verstrickt sind oder sie vor einem Zerwürfnis stehen. Mobbing ist allerdings mehr als nur ein einfacher Konflikt, da eine fundamentale Unterlegenheit damit einhergeht, die oftmals zu Ohnmacht, Hilflosigkeit und Verzweiflung führt. Es ist für mich zwar verständlich, dass man sich im Rahmen einer Therapie darum bemüht, die Betroffenen wieder zu stärken und zu schauen, was bei ihnen vielleicht zu einer erhöhten Empfindlichkeit bzw. Vulnerabilität beigetragen haben könnte, grundsätzlich halte ich die entsprechenden Reaktionsmuster allerdings für normal. Jedenfalls sind sie für mich absolut nachvollziehbar.

Sollten Sie sich durch diesen Artikel angesprochen fühlen, sind Sie herzlich willkommen, sich dem Fachforum bei XING anzuschließen. Weitere Informationen und Unterstützungsangebote finden Sie auf der Webseite www.fachforum-mobbing.de.

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Literatur:

  • Bämayr, Argeo (2012). Das Mobbingsyndrom. Diagnostik, Therapie und Begutachtung im Kontext zur in Deutschland ubiquitär praktizierten psychischen Gewalt. Munich University Press.
  • Linden, Michael. Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung. In: Fuchs, Thomas & Berger, Mathias. Affektive Störungen. Klinik – Therapie – Perspektiven (Kapitel 8). Schattauer (2013).

Weitere Quelle:

  • Ballreich, Rudi & Hüther, Gerald (2010). Du gehst mir auf die Nerven! Neurobiologische Aspekte der Konfliktberatung. Ein Workshop, Zürich 2010. DVD: Audiotorium Netzwerk.

Psychotherapie, Coaching & Organisationsberatung – Interview mit Dr. Bernd Schmid

Im März hatte ich die Gelegenheit, Dr. Bernd Schmid in Wiesloch zu besuchen und mit ihm über seine Arbeit zu sprechen. Da ich mich auf dieses Gespräch allerdings nicht richtig vorbereiten konnte, habe ich ihn darum gebeten, mir im Nachklang – also im Rahmen eines Interviews – ein paar Fragen zu beantworten. Sollte es Sie also auch interessieren, was sich hinter der „Systemischen Transaktionsanalyse“ verbirgt, welche Erfahrungen ihr Begründer mit den verschiedenen Verfahren oder Lehren machen durfte, die im Coaching sowie im psychotherapeutischen Kontext einen gewissen Ruhm erlangt haben, oder was ihn überhaupt dazu angetrieben hat, sich mit derartigen Fragestellungen zu befassen, dann finden Sie hier einige Antworten!

Wer ist Dr. Bernd Schmid?

Wer ich bin? Eine gelungene Promenadenmischung vielleicht?! Irgendwie bin ich jedenfalls ein bunter Hund, der nirgends richtig hineingepasst hat und deswegen immer seinen eigenen Weg suchen musste. Die Evolutionsleute nennen solche Kreaturen – wenn ich mir schmeichle – „hopefull monsters“. Sie sehen aus wie Missgeburten, sind aber vielleicht der Anfang einer neuen Spezies. Die Evolution macht viele Experimente und das Schicksal eines Einzelnen interessiert nicht, so dass viele Unangepasste Schiffbruch erleiden und untergehen. Irgendwie haben mich aber glückliche Umstände, einige Talente und Ambitionen sowie viel Fleiß davor bewahrt. Zudem hatte ich immer ein Gespür dafür, wohin sich meine Umwelt entwickeln wird, und lag damit eigentlich nie wirklich falsch. Im Laufe der Zeit konnte ich das immer besser formulieren und entsprechend agieren.

So habe ich auf meinem beruflichen Werdegang viele Bereiche kennengelernt, wollte mich jederzeit frei dorthin bewegen, wo ich es wirklich interessant fand, habe immer neue Aufbrüche gewagt, wenn Möglichkeiten zu Vorschriften, wenn Lehren zu Dogmen verkamen. Daneben bin ich wohl als Entwickler und Unternehmer begabt, so dass aus Ideen, die viele haben, eine Schatzkiste stimmiger Konzepte und Vorgehensweisen geworden ist und ein erfolgreiches Unternehmen. Die isb-Konzepte gehören mittlerweile in vielen Feldern zum Hand- und Denk-Werkzeug von Professionellen.

Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, sich beruflich vorrangig mit psychologischen Themen zu befassen und im therapeutischen Bereich tätig zu werden?

Der Psychologie Jung’scher Prägung bin ich zunächst in meiner Schwiegerfamilie begegnet, der Pädagogischen Psychologie und der Sozialpsychologie im Studium. Die Gruppendynamik und die humanistischen Verfahren habe ich mir dann selbst gesucht. Psychotherapie faszinierte mich viele Jahre mit wechselnden Schwerpunkten. Die 68er-Zeit des Aufbruchs erlaubte da viel Wildwuchs, so dass ich ab 1976 fast 20 Jahre als Psychotherapeut praktizierend und später auch lehrend tätig war.

Aber fangen wir mal ganz von vorn an: Ursprünglich wollte ich Lehrer werden, war aber kein besonders guter Schüler. Da habe ich gehört, dass man auch in der Wirtschaft als Lehrer tätig sein könne. So habe ich in Mannheim Wirtschaft studiert mit dem Ziel Handelslehrer. Im Studium begann ich dann, mich mit Hochschuldidaktik zu beschäftigen. Denn mir war schnell klar geworden, dass die herkömmlichen Lernformen wenig taugen. Die Leute müssen statt dessen miteinander reden und arbeiten, um wirklich zu lernen. Deshalb habe ich mich dann in meiner Diplom- und Doktorarbeit unter anderem mit der Gruppendynamik beschäftigt. Das war die einzige Methode, die man damals kannte, die hierzu etwas beisteuern konnte. Und so begann ich, zunächst an der Universität, später dann überregional Seminare in Gruppendynamik anzubieten. Allmählich bin ich ins freiberufliche Seminargeschäft reingewachsen, ohne dass mir damals bewusst war, was sich daraus entwickeln würde.

Anfang der 70er Jahren sind die Wellen der Humanistische Psychologie in den Heidelberger Raum geschwappt: Klientenzentrierte Gesprächstherapie, Psychodrama, Körpertherapie, Gestalttherapie und so weiter. Das habe ich dann alles mitgemacht. 1976 kam ich mit der Transaktionsanalyse in Kontakt. Ich fing sofort Feuer und begann eine systematische Ausbildung. Meine internationalen Examina machte ich 1979 als klinischer Transaktionsanalytiker in Aix-en-Provence und 1986 als Lehrtrainer und -supervisor in Barcelona. In den 80er-Jahren habe ich dann die systemische Transaktionsanalyse formuliert und über viele Jahre später mit Schwerpunkt Coaching ausgebaut. Ich war von der klassischen TA doch schon recht weit weggedriftet, als ich 2007 als europäischer Vertreter auf die internationale TA-Konferenz in San Francisco eingeladen wurde, 31 Jahre nachdem ich TA dort auf einer internationalen Konferenz kennengelernt hatte. Dort hat man mir als erstem Deutschen und weltweit erstem Vertreter des Organisationsbereichs die wohl bedeutsamste internationale Auszeichnung den „Eric Berne Memorial Award“ verliehen. Das war heilsam.

Zwischendrin hatte ich bei Milton Erickson und NLP-Vertretern studiert. Mit der Jungianischen Psychologie hatte ich mich ohnehin schon seit Jahren beschäftigt. Und über die Gruppe um Helm Stierlin in Heidelberg war ich mit dem systemischen Gedankengut in Kontakt gekommen und habe schließlich zusammen mit Gunthard Weber das Institut für systemische Therapie und Transaktionsanalyse, wie es damals hieß, gegründet. Mir erschien manches der Orientierung der TA an der Psychotherapie des letzten Jahrhunderts mit der Zeit antiquiert. Man hat ja nicht nur Defizite, Störungen und pathologische Beziehungen, sondern auch Begabungen, Kompetenzen und kreative Beziehungen! Statt den Blick dafür zu schärfen, mit wem ich mich in tragisch endende sexuelle Spiele verstricken könnte, wäre es sinnvoll zu erkennen, mit wem ich ein gutes Lern- und Arbeitsbündnis entwickeln könnte? Ressourcenorientierung macht den Unterschied und die Entwicklung professioneller Rollen.

Die damalige Psychotherapie war mir zu überwertig von einer Ideologie des ›Befreiens von etwas‹ getragen: Wenn ich, so die Annahme, Eierschalen biografischer Art, die mich noch an einer völlig freien Bewegung hindern, abstreifen würde, dann würde ich flügge werden. Das stimmt aber nicht, denn man muss auch fliegen lernen. Vielleicht schafft man es ohne die Schalen, das Nest zu verlassen und zu lernen. Ob man ein guter Flieger wird, hat aber sehr viel mit Kompetenz zu tun. Wenn man passend zum eigenen Wesen lernt, in der Welt etwas zu tun, ist das die beste psychotherapeutische Versorgung. Von daher bin ich immer eher auf der Seite der Lernkultur mit therapeutischen Effekten als auf der Seite der Psychotherapiekultur.

Dennoch hatte ich mich zwar nicht den dogmatischen Strebungen in der TA-Szene, aber doch der Professions, -Weiterbidlungs- und Prüfungskultur immer dankbar verbunden gefühlt.

Warum haben Sie sich später dazu entschieden, in die Organisationsberatung zu wechseln?

Da gab es weltanschauliche Gründe. Ich fand, dass der „Reparaturbetrieb Psychotherapie“ zwar einzelnen hilft, aber die gesellschaftlichen Probleme nicht wirksam angeht, und suchte nach weiteren Hebeln. Auch war mir selbst die systemische Orientierung dieser Zeit zu dogmatisch geworden. So war bspw. auch das systemische Therapieverständnis in sich dann einseitig oder unzureichend, wenn es die inneren Steuerungsprozesse der Menschen vernachlässigte und sich nur auf Beziehungs- Systeme fokussierte. Zudem fand ich es unpassend, Psychotherapie in gesellschaftliche Felder zu übertragen, die nach anderen Spielregeln funktionieren. Dort mussten andere Rollen, andere Kontexte, andere Beziehungslogiken und andere Verantwortlichkeiten im Vordergrund stehen. Im Organisationsbereich müssen die Selbststeuerungen und Beiträge zum System auch unter ökonomischen, rechtlichen, markt- oder branchenorientierten Gesichtspunkten Sinn machen bzw. anschlussfähig sein. Ganzheitlichkeit kann eben auch heißen, unternehmerische und andere gesellschaftliche Belange nicht nur im Prinzip mit zu berücksichtigen, sondern durch konkrete Entwicklungen von anschlussfähigen Konzepten und Vorgehensweisen.

Und dann störte mich auch die Trägheit vieler meiner Weggefährten. Sie waren auf dem Standpunkt stehen geblieben: Wir haben so tolle Dinge anzubieten, da kann jeder etwas Interessantes lernen und das Gelernte selbst in seine Welten übertragen. Mir hat das nie gereicht. Ich habe mich gefragt, was fehlt noch, was schließen wir aus, welche Berufsverständnisse exportieren wir unbemerkt? Welche Kulturinfektion ziehen sich Organisationen zu, wenn sie mit Dienstleistungen die gewohnheitsmäßigen Wirklichkeitsverständnisse und Handlungsmaxime der Anbieter ins Haus und in die Köpfe holen. Deshalb habe ich mich aufgemacht, die Konzepte der Transaktionsanalyse vom Berufsverständnis der Therapeuten zu reinigen.

Ganz praktisch bekam ich immer mehr interessante und gut honorierte Aufträge für Beratung und Workshops aus dem Organisationsbereich. So konnte ich die Welt der Unternehmen besser verstehen lernen und ausprobieren, wie ich mein Können dort nutzen konnte. Aus der konkreten Arbeit heraus entwickelte ich Konzepte, Modelle und Methoden. Sie fanden bei Kollegen Anklang und ich wurde immer mehr als Lehrer und Supervisor angefragt. So entstanden immer mehr Curricula für Professionelle im Organisationsbereich. Schließlich gab ich die psychotherapeutische Arbeit ganz auf.

Seit etlichen Jahren habe ich mit dem isb-Wiesloch nun sozusagen „meine eigene Hochschule“ aufgebaut und mittlerweile an die nächste Generation übergeben. Die Chancen, die eine Kultur ohne eine leistungsfähige Wirtschaft hat, sind nur gering. Diese Kombination aus humanistischem Bildungsideal und marktwirtschaftlichem Verantwortungsprinzip hat uns immer gezwungen, gute Kompromisse zwischen gesellschaftstauglichen Anforderungen und eigenen Wertevorstellungen zu finden.

Warum haben Sie die Schmid-Stiftung gegründet?

Ein Unternehmen, das so stark kulturgeprägt ist wie das isb, kann man nicht einfach verkaufen und jemandem übergeben, der diese Kulturtradition nicht auch pflegen kann oder möchte. Deshalb stellte ich mir die Frage, wie eine unternehmerische Nachfolge aussehen könnte? Wie meist, unter der Dusche, hatte ich plötzlich die Idee: Ich gründe eine Stiftung! Zunächst habe ich ganz naiv und einfach nur großzügig gedacht, dass ich die erheblichen wirtschaftlichen Überschüsse des Unternehmens nicht mehr brauchen werde und sie für den guten Zweck, für den das isb steht, nämlich Wirtschafts- und Gesellschaftskulturentwicklung, zur Verfügung stehen sollten. Der Zweck der Stiftung ist es, gemeinwohlorientierten Initiativen und Organisationen unser Coaching- und OE-Knowhow für ihre Entwicklung zugänglich zu machen. Aber nicht, indem wir einfach Dienstleistungen verschenken, die normalerweise gekauft werden müssten, sondern indem wir Organisationen helfen zu verstehen, wofür man Coaching- und OE-Knowhow zur eigenen Entwicklung nutzen kann und sie darin begleiten, zu lernen, wie man dieses Wissen eigenverantwortlich anwendet. Auch glaube ich, dass Individuen und Organisationen künftig einen Mix von Erwerbs- und Gemeinwohl-Orientierung entwickeln müssen und wir von Anbieterseite für solche kombinierten Entwicklungen Beispiele liefern sollten.

Inwiefern beeinflusst Ihre Persönlichkeit Ihren Coachingstil?

Von meinem Wesen her bin ich eher introvertiert. Ich habe zwar gelernt, in der Welt auch extravertiert zu sein, aber das geht bei mir nur ›auf Akku‹. Das heißt, ich brauche anschließend immer etwas Rückzug und die Erneuerung in der Introversion. Ich bin auch nicht so der wöchentliche Begleiter, eher jemand, der hilft Schlüsselsituationen für Neu-Orientierung zu kreieren und dann loslässt, bis sich die Impulse ausgewachsen haben oder neue Aspekte auftauchen. Als Ideenfinder und -entwickler kann ich am besten mit Menschen arbeiten, die ich nicht tragen muss, sondern anregen kann, so dass sie dann selbstständig weiterarbeiten können. Da muss ich dann auch nicht mehr dabei sein.

Mir fällt es eher schwer, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die viele „Wiederholungs-Runden“ drehen müssen. Da wird dann mein Drang nach Fortschritt zu sehr gebremst. Das hatte schon nach vielen Jahren Einzeltherapie dazu geführt, dass ich vor allem Arbeit in der Gruppe gemacht habe. Denn da konnte ich immer mit denen arbeiten, bei denen Entwicklung gerade möglich war. Später habe ich feste Rhythmen ganz aufgelöst und nur noch dann neue Termine vergeben, wenn ich den Eindruck hatte, dass die Klienten wirklich etwas bewegen möchten oder dass sie das in vorigen Sitzungen Erarbeitete auch verwerten. Auch deswegen gab es immer Tonaufnahmen von Sitzungen. So können Anregungen, falls sie im Moment der Sitzung nicht integriert werden, durch das wiederholte Hören Schicht für Schicht aufgenommen werden.

Dieses Prinzip des Auf-Augenhöhe-Seins mit dem Gegenüber ist mir wichtig. Deswegen ist es für mich in der Beratungsarbeit immer entscheidend, dass man erst einmal eine gemeinsame Lern- und Arbeitsbeziehung auf Augenhöhe errichtet. Natürlich muss man mit dem Klienten darüber sprechen, wo er oder sie eigentlich hin will, damit man nicht einfach irgendwas macht. Ich selbst spreche aber nicht gern von einem Ziel, sondern eher von einer Richtung. Was Richtung dabei meint, ist nicht immer leicht zu operationalisieren. Intuitiv haben wir die Fähigkeit, bei der Beschreibung von sinnvollen Richtungen bedeutsame, aber ganz verschiedene Dimensionen zusammenzubringen und zu integrieren Wir versuchen dies in unseren Gruppen durch verschiedene Spiegelungsübungen zu trainieren.

Dafür ist es wohl erforderlich, eine gewisse Offenheit für neue Erfahrungen mitzubringen, oder?

In Sachen Offenheit hat uns Milton Erickson den Weg gewiesen: Zum Beispiel soll er früher seine Ausbildungskandidaten vors Haus geführt und sie aufgefordert haben, sich den gegenüberliegenden Hügel anzuschauen. Auf diesem Hügel waren aufgrund des Windes, der von Nord nach Süd wehte, alle Bäume außer einem etwas nach rechts geneigt. Und da sagte Erickson, dass dieser eine Baum den Klienten repräsentieren könnte. Dies ist eine wunderbare Metapher dafür, dass es im Einzelfall immer wieder anders sein kann und wir uns trotz aller Erfahrungen und Empirie ein neues Urteil bilden müssen. Erickson hat Schemata ganz klar abgelehnt, er wollte vielmehr, dass die Menschen metaphorisch und an Beispielen solche Schöpfungsakte miterleben und eine entsprechende Haltung einnehmen können. Das Überraschende, das das Leben an mich herangetragen hat, war oftmals sehr lehrreich – und zwar sowohl in positiven Aspekten als auch in situativ manchmal sehr unangenehmen Geschehnissen oder Enttäuschungen.

Wie gehen Sie mit beruflichen Misserfolgen um?

Bei meiner Arbeit läuft die Selbstreflexion eigentlich immer mit. Im Laufe der Zeit entwickelt man ein Gefühl für Stimmigkeit und Richtigkeit. Ich glaube, dass Reflexion immer etwas mit dem Denkstil und der eigenen Nachdenkkultur zu tun hat. Da bin ich sehr eigen. Wenn ich etwa bemerke, dass etwas irgendwie danebengegangen ist, dann nehme ich mir Zeit, um herauszufinden, was ›das‹ war und was richtig sein könnte. Oder ich merke mir zumindest die Situation. Dann sage ich mir, dass es in Ordnung ist, jetzt nichts ungeschehen machen zu wollen. In den meisten Fällen habe ich nicht das Bedürfnis, mit Leuten darüber zu sprechen, und kann das Problem dann auch ruhen lassen!. Dann arbeitet ›es‹ in mir und irgendwann morgens unter der Dusche macht es klick – ich bin mit dem Thema auf einem neuen Niveau angelangt und es ist erst einmal abgeschlossen. Wenn ich also merke, dass etwas nicht passt, initiiere ich automatisch Suchprozesse, um herauszufinden, was da genau schiefgelaufen ist. Ich bin eher der Typ, der das sehr fein beobachtet, für sich verarbeitet und nicht alle möglichen Leute fragt. In der Regel komme ich dann auch zu Einsichten, selbst wenn ich diese nicht immer gleich gut umsetzen kann.

Was zeichnet einen guten Coach aus?

Ein guter Coach versteht sowohl Menschen als auch Organisationen – und er überträgt nicht einfach Psycho-Beratung. Er hat eine solide Ausbildung sowie Erfahrung im Organisationsbereich. Wichtig ist auch die Lebenserfahrung: Ein guter Coach hat Augenmaß und springt nicht auf jede Mode auf. Er gehört keiner Sekte an und hat kein sektenähnliches Denken. Wenn ein charismatischer Coach sektenähnlich auftritt, kann er Verantwortliche auf seltsame Trips bringen. Das kann zu pseudokompetenten Haltungen führen, die an der eigentlichen Problematik vorbeigehen. Zudem tauscht ein guter Coach Erfahrungen und Informationen mit Berufskollegen aus. Das wäre es in etwa.

Was macht Ihrer Ansicht nach einen gelungenen Coachingprozess aus?

Um das zu beantworten, würde ich gern einen Schritt zurückgehen. Coaching ist für mich nicht in erster Linie das Arbeiten mit bestimmten Methoden oder einem bestimmten Ablaufschema. Für mich ist (Professions- und Organisations-)Coaching vor allem die Entwicklung einer integrierenden Perspektive in der Beziehung von Mensch zur Berufswelt und von Mensch zur Organisationswelt. Wenn man diese beiden Pole aufmacht, heißt das, dass man die Berufswelt und ihre Auswirkungen genügend studieren und am Puls der Evolution arbeiten muss, um die Menschen und Organisationen zukunftsfähig zu machen. Ich muss quasi irgendwelche Bilder von der Entwicklung von Organisationen und der Gesellschaft schaffen, um im Umkehrschluss daraus ableiten zu können, was das für den einzelnen Menschen heißt. Die meisten Menschen fragen ja gern, ob die Organisation und der Beruf, in dem sie arbeiten, Sinn stiften. Aber es ist ja auch immer die zweite Frage relevant: Mache ich Sinn für dieses Berufsfeld und für diese Organisation? Und, weiter gedacht, wie passe ich in die Gesellschaft und ihre Entwicklung? Wenn man Coaching als Expertise versteht, heißt das, dass ich für Anschlussfähigkeit verantwortlich bin, weil menschliche und gesellschaftliche Prozesse immer ganzheitlicher Natur sind. In diesem Kontext haben wir im Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC) auch die dialogische Qualitätssicherung eingeführt, die darauf abzielt, sich im Dialog immer wieder mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und sich gemeinsam – ungeachtet irgendwelcher Normen – weiterzuentwickeln.

Woran kann man denn erkennen, ob ein Coaching tatsächlich hilfreich war? Wie kann man also messen, ob und mit welchem Erfolg es zu den erhofften Entwicklungen geführt hat?

Hierzu fällt mir der Begriff „zirkuläre Evaluation“ ein: Wenn jemand bspw. ein Coaching macht, das er nicht selbst finanziert, gibt es ja irgendwelche Stakeholder, die wollen, dass irgendetwas anders wird, weshalb sie das finanzieren und Zeit dafür bereitstellen. Und wenn man einen Kontrakt macht, macht man den dann ja nicht nur mit dem Coachee, sondern zugleich auch mit der Organisation oder anderen Stakeholdern. Man muss demzufolge klären, wer das ist und was sie für Vorstellungen haben, was in ihren Augen also Fortschritte wären. Dazu muss man m. E. vor allem miteinander sprechen. Coaching soll ja etwas bringen, das für andere Menschen spürbar ist. Allerdings warne ich davor, das völlig zu operationalisieren. Ich halte also nichts von irgendwelchen Fragebögen, da sich komplexe Entwicklungsprozesse durch diese (wenn überhaupt) nur oberflächlich erfassen lassen. Wir Menschen sind intuitive, sinnbegabte Wesen, die ein Gespür dafür haben, wenn sich etwas Gutes entwickelt.

Obwohl ich selbst eine Ausbildung zum „Systemischen Business Coach“ absolviert habe, stehe ich keinem Verband nahe. Sie hingegen sind Ehrenvorsitzender im Präsidium des DBVC. Welche Vorteile sehen Sie für Menschen wie mich, sich einem solchen Verband anzuschließen?

Solchen Formulierung begegnet der DBVC immer wieder. Als Gegengewicht habe ich immer formuliert: Der DBVC ist eine Investorengemeinschaft! Wer zur Kulturbildung im Coaching aus weltanschaulichen Gründen beitragen will, findet dort dafür einen guten Rahmen und Gleichgesinnte. Ob es sich für die, die nur Renommee und Vorteile suchen, lohnt, weiß ich nicht zu sagen. Ich wäre dafür nicht beigetreten und wir Gründer haben ihn nicht dafür gegründet. Am wichtigsten ist die eigene Passion, ein guter Coach zu sein und mit sich und anderen dabei wahrhaftig, wesentlich und verantwortlich sein zu wollen. Dafür braucht man keinen Verband. Lebendiger Austausch in Communities reicht. Verbände und eine rechtlich geschützte Profession Coaching bringen alle Probleme einer Institutionalisierung mit sich. Verkirchlichung kann Verkrustung, Vereinsmeierei und Funktionärsherrschaft auf der einen Seite und stabile Rahmen, Nachhaltigkeit und Schutz gegen Tagesmoden auf der anderen Seite bedeuten. In jeder gesellschaftlichen Institution ist diese Spannung angelegt. Jeder muss herausfinden, wie er sich dazu stellen kann. Mein Engagement im DBVC war dadurch getragen, dass ich Mitstreiter/-innen gefunden habe, die einen lebendigen und kompromissfähigen Verband auf den Weg gebracht haben, der lebendige Qualität und offenen Diskurs mit Meinungsführerschaft und einer gewissen Expertenmacht kombiniert. Es scheint uns nachhaltig recht gut gelungen zu sein, hier einen Leuchtturm gegen manche Irrlichter zu etablieren. Ob dies über die Zeit erhalten werden kann, weiß ich nicht.

Haben Sie eine Art „Lebensmotto“?

»Wenn Du etwas in unserer Welt vermisst, sorge mit dafür, dass es in die Welt kommt.« Ich habe für Jammern und das Beklagen von Mangel nie viel übrig gehabt. Mich berührt, wenn jemand auch mit Beeinträchtigungen seinen Lebensweg eigenverantwortlich und mutig zu gehen versucht, sich nicht unnötig mit Defiziten beschäftigt, sondern aus dem Holz, aus dem er nun mal gewachsen ist, etwas Taugliches macht. Unangepasstheiten sind für mich noch nicht ins Gleichgewicht und ins richtige Zusammenspiel gebrachte Kompetenzen. Ich machte mich immer für das Ergänzende, was meiner Ansicht nach fehlte, stark. Schon als Therapeut war ich dafür, Unangepasstheiten nicht wegzutherapieren, sondern zu helfen, dass sie sich im richtigen Zusammenspiel und Zusammenhang zum Guten entwickeln. Mein Bonmot war: aus Neurose Charakter machen.

Gibt es etwas, das Sie jenen Menschen ans Herz legen bzw. mit auf den Weg geben möchten, die sich dafür interessieren, selbst Coach zu werden? Was wäre Ihre Botschaft an den Nachwuchs der Coaching-Szene?

Was sollte ich auswählen aus den vielen Erfahrungen und Einsichten, die mir das Leben beschert hat? Und wer weiß, was davon für jemand anderen bedeutsam werden kann? Mir kommt allenfalls ein Spruch aus meiner christlichen Vergangenheit in den Sinn: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

Was meine ich bloß mit Seele? „Ich stelle mir meine Seele wie ein unsichtbares Fischernetz vor. Es hängt an Bojen, die an der Oberfläche sichtbar sind, doch das Netz reicht in Tiefen, die ich letztlich nicht ausloten kann. Das Netz selbst kann ich auch nicht wahrnehmen. Ich bekomme aber eine Vorstellung davon, durch das, was darin hängen bleibt. Allein, dass etwas geblieben ist, zeigt, dass es mit mir zu tun hat. Was geblieben ist, sagt etwas über das Netz. Wichtig ist, was bei jedem hängenbleibt. Es erzählt von Ihm.“

Vielen Dank für das Interview!

Dr. Bernd Schmid ist Leitfigur des isb-Wiesloch www.isb-w.eu, der Schmid-Stiftung http://schmid-stiftung.org/ und des International Network for Organization Development and Coaching www.inoc-network.org. Er ist u.a. Ehrenvorsitzender Präsidium DBVC, Ehrenmitglied der Systemischen Gesellschaft, Preisträger des EATA-Wissenschaftspreises 1986 und des Eric Berne Memorial Award 2007 der Internationalen TA-Gesellschaft, Life Achievement Award 2014 der deutschen Weiterbildungsbranche. Life Achievement Award der deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse 2017.

Literaturhinweise:

  • Bernd Schmid & Thorsten Veith (2014). Systemische Organisationsentwicklung: Change und Organisationskultur gemeinsam gestalten. Schäffer Poeschel.
  • Bernd Schmid & Andrea Günter (2012). Systemische Traumarbeit. Der schöpferische Dialog anhand von Träumen. Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Bernd Schmid & Christiane Gérard (2012). Systemische Beratung jenseits von Tools und Methoden. Mein Beruf, meine Organisation und ich (EHP-Handbuch Systemische Professionalität und Beratung). EHP Edition Humanistische Psychologie.

Kostenlose Downloads:

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Die Inseln der Glückseligkeit

Kennen Sie das Gefühl, das entsteht, wenn man – obwohl man sich wahrhaftig um ein Vorankommen bemüht – irgendwie nur noch auf der Stelle zu treten scheint? Beschreiben ließe sich ein solcher Zustand m. E. gut mit der folgenden Metapher: „Man fühlt sich, als wäre man in der Mitte eines Meeres, umgeben von verschiedenen Inseln der Glückseligkeit, auf die man gern zusteuern würde. Doch so sehr man sich auch anstrengt bzw. egal, in welche Richtung man sich zu bewegen versucht, man kommt auf keiner dieser Inseln an.“ Die Inseln stehen hier stellvertretend für erstrebenswerte Ziele. Ist man also mit einigen (vielleicht ganz wesentlichen) Aspekten des eigenen Lebens unzufrieden, sieht aber fast nur noch „Baustellen“ um sich herum, kann das dazu führen, dass man allmählich handlungsunfähig wird. Das in diesem Artikel vorgestellte Coaching-Tool kann in solchen Situationen hilfreich sein.

  • Anlass bzw. Thema: „Ich habe das Gefühl, nirgendwo wirklich anzukommen.“
  • Material: Großes Blatt Papier (DIN A3), Ressourcen-Karten (z. B. die ZRM-Bildkartei von Maja Storch)

www.manfred-evertz-art.com

In dieser Übung geht es also darum, Klarheit darüber zu erlangen, wohin die Reise eigentlich gehen soll und was einen bislang daran gehindert hat, das gewünschte Ziel zu erreichen.

Schritt 1: Lebensbereiche und Zukunftsvisionen

Zunächst sollte das Problem („Unzufriedenheit mit der aktuellen Lebenssituation“) in seine einzelnen Bestandteile bzw. Problemfelder zergliedert werden, um es überschaubarer zu machen. Für die verschiedenen Aspekte des Problemkonglomerats werden daraufhin Zukunftsvisionen („Wie stelle ich mir eine optimale Lösung vor?“) entwickelt, die sich anschließend mit Ressourcen-Karten visualisieren lassen. Das wiederum hat den Zweck, die entsprechenden Ziele emotional aufzuladen.

  • Nehmen Sie sich ein größeres Blatt Papier (DIN-A3) und zeichnen Sie sich in die Mitte.
  • Schreiben Sie jene Lebensbereiche drumherum, die Ihnen wichtig sind und bei denen Sie den Wunsch haben, endlich „anzukommen“.
  • Überlegen Sie sich jetzt für jeden dieser Lebensbereiche, wie eine ideale Zukunft aussehen könnte. Was genau wünschen Sie sich? Was sollte sich verändern?
  • Wählen Sie daraufhin für jeden dieser Lebensbereiche eine Karte aus, die mit Ihrer Zukunftsvision in Resonanz geht und legen Sie diese auf die entsprechende Stelle des Blattes.

Tipp: Lassen Sie die Auswahl der Karten kommentieren und hören Sie dabei aufmerksam zu. Auf diese Weise erhalten Sie in der Regel interessante Einblicke in die Wirklichkeitskonstruktionen Ihrer Klienten/-innen, die Sie im weiteren Verlauf des Gesprächs aufgreifen und hinterfragen können. Es ist übrigens zu empfehlen, ein Foto von dem entstandenen Bild zu machen.

Schritt 2: Hinterfragung der Konfliktfelder

Wenn wir etwas erreichen wollen, es aber nicht gelingt, steckt nicht selten ein innerer Konflikt dahinter, der zunächst aufgelöst werden will. Bitten Sie Ihre Klienten/-innen nun also, sich zu jeder der Karten (bzw. zu jeder Zukunftsvision) folgende Fragen zu stellen:

  • Was will ich? Was ist mir wichtig, um glücklich oder wenigstens zufrieden zu sein? Wie stelle ich mir meine erwünschte Zukunft konkret vor? Formulieren Sie für jeden Lebensbereich fünf zentrale Aspekte!
  • Was fehlt? Was brauche ich noch, um das Gefühl zu haben, angekommen zu sein? Welchen Mangel spüre ich? Finden Sie ein passendes Wort dafür!
  • Was trennt mich? Was hält mich davon ab? Welches Gefühl steht dazwischen? Spüren Sie in dieses Gefühl hinein! Lassen Sie es einmal bewusst zu und schauen Sie, was es Ihnen sagen möchte!
  • Darf ich? Angenommen, Sie könnten sofort dorthin gelangen, würden Sie sich das erlauben? Oder gibt es ein Gebot, gegen Sie verstoßen müssten?
  • Was erlaube ich mir nicht? Was verbietet es Ihnen, Ihr Glück zu finden? Was müssten Sie möglicherweise dafür aufgeben bzw. was könnten Sie auf dem Weg dorthin verlieren? Wozu wären Sie auf keinen Fall bereit? Formulieren Sie entsprechende Gebote und Verbote.

Tipp: Natürlich ist nicht immer jede der Fragen gleichermaßen zweckmäßig. Die Grundregel, dass jedes Gespräch einen individuellen Verlauf hat, an den ein Tool angepasst werden muss, damit es nützlich und hilfreich ist, gilt folglich auch hier. Vertrauen Sie also Ihrer Intiution und wählen Sie jeweils nur jene Fragen aus, die Ihnen hinsichtlich des entsprechenden Problemfelds zielführend zu sein scheinen. Erfahrungsgemäß macht es zudem Sinn, sich vage oder unklare Antworten genauer erläutern zu lassen (z. B. mit Konkretisierungs- oder Verflüssigungsfragen). Achten Sie dabei auch auf bedeutsame Aussagen sowie auf die emotionalen Reaktionen und heben Sie diese ggf. besonders hervor, indem Sie sie paraphrasieren bzw. verbalisieren.


Exkurs: Paraphrasieren & Verbalisieren

Beim Paraphrasieren geht es darum, die Äußerungen des Klienten mit eigenen Worten zu wiederholen bzw. zusammenzufassen. Dadurch lässt sich überprüfen, ob das Gesagte richtig verstanden wurde. Zudem lässt sich das, was besonders bedeutsam zu sein scheint, deutlicher hervorheben, um es bewusster zu machen. Beim Verbalisieren geht es hingegen darum, auf emotionale Reaktionen zu achten, also jene Gefühle zu verstehen und zur Sprache zu bringen, die zwar gezeigt, aber nicht explizit benannt werden.


Schritt 3: Auflösung der Blockaden

In dieser Phase geht es darum, mit den Ergebnissen aus dem 2. Schritt weiterzuarbeiten, um Lösungen zu entwickeln. Vorab bietet es sich an, nach möglichen Gemeinsamkeiten oder Parallelen zu schauen, die den verschiedenen Problemfeldern zugrunde liegen.

  • Wie lassen sich Ihre Blockaden lösen? Stehen Sie überhaupt zur Disposition? Welche Sichtweise ist hilfreich, um sie auszuräumen oder um sie durchlässiger zu machen? Formulieren Sie ggf. Erlaubnisse, die sich stimmig für Sie anfühlen.
  • Welche Entwicklungsaufgaben sehen Sie? Was können Sie konkret dafür tun, um sich dem jeweiligen Ziel anzunähern?
  • Wie können Sie sich selbst „grünes Licht“ dafür geben? Formulieren Sie Ihr persönliches „Go!“-Signal (z. B. in der Form eines Mottosatzes).
  • Mit welchen Problemen ist bei der Umsetzung Ihres Vorhabens am ehesten zu rechnen? Welche Hindernisse könnten Ihnen dabei im Weg stehen? Entwickeln Sie schon im Vorfeld sogenannte „Wenn-dann“-Pläne, die ihnen dabei helfen, sie im Falle eines Falles aufzulösen oder zu überwinden

Tipp: Richten Sie den Fokus immer wieder auf die Gefühlsebene, da diese für die Aufdeckung und Klärung innerer Konflikte sowie für die Herausarbeitung und Stärkung der Motivation besonders bedeutsam ist.


Exkurs: Mottosatz

Dieser Begriff wird u. a. in dem Züricher Ressourcen Modell ® verwendet. Maja Storch sagte hierzu in etwa Folgendes: “Ein Motto-Satz ist dann gut, wenn der- oder diejenige, der oder die ihn für sich entwickelt hat, „glückselig grinst“, sobald er oder sie sich daran erinnert.”

Literatur: Maja Storch & Frank Krause (2007). Selbstmanagement-ressourcenorientiert. Grundlagen und Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Züricher Ressourcen Modell (ZRM). 4. vollständig überarbeite Auflage. Verlag Hans Huber.


Schritt 4: Zusammenfassung der Ergebnisse

Fassen Sie die wesentlichen Erkenntnisse abschließend nochmals zusammen:

  • Welche Einsichten haben Sie gewonnen?
  • Welche Ideen haben Sie entwickelt?
  • Welche Entwicklungsaufgaben sehen Sie?
  • Was sind Ihre nächsten Schritte?

Tipp: Bitten Sie Ihre Klienten/-innen darum, die wichtigsten Erkenntnisse schriftlich festzuhalten, damit sie nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Bei der Formulierung der nächsten Schritte sollten Sie sich an dem Motto „Weniger ist mehr!“ orientieren, um die Wahrscheinlichkeit, dass sich Ihre Klienten/-innen eventuell überfordern, möglichst gering zu halten.

“In einem Meer voll Schwierigkeiten liegt immer eine Insel der Möglichkeiten.” Unbekannter Verfasser

Literaturempfehlung:

  • Frank Krause & Maja Storch (2017). Ressourcen aktivieren mit dem Unbewussten: Die ZRM-Bildkartei – Bildformat DIN A6 (2. überarbeitete Auflage). Verlag Hans Huber.

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

“Mein ganz persönliches Projekt”

Leben Sie auch, oder arbeiten Sie nur? Manche Menschen sind so sehr auf ihre beruflichen Ziele fokussiert, dass sie ihr Privatleben vernachlässigen oder es sogar gänzlich aus den Augen verlieren. Das kann die Lebensqualität auf Dauer enorm beeinträchtigen und birgt zudem das Risiko, dass sie sich vom beruflichen Erfolg so sehr abhängig machen, dass sich jeder Misserfolg so anfühlt, als würde ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen.


Exkurs: Persönliche Projekte

Das Wissen über die Arten von Zielen, die Individuen in sozialen Interaktionen verfolgen, ist hilfreich und bedeutsam für das Verständnis von Persönlichkeiten. Dabei lassen sich hierbei nomothetische Ansätze, die Motivdispositionen oder soziale Motive als andauernde, affektiv getönte kognitive Cluster betrachten, von idiographischen Ansätzen, wie z. B. den von Little (1983) unterscheiden. Die Differenzierung dieser beiden Forschungsrichtungen ist deshalb wichtig, da angenommen wird, dass Motive sich größtenteils in der Lebensphase vor dem Spracherwerb herausbilden und das Individuum fortan durch den Einfluss dieser in der Vergangenheit liegenden Erfahrungen angetrieben wird, während die in der Zukunft liegenden Ziele, nach deren Erreichen oder Vermeiden eine Person trachtet, im Unterschied dazu durch die Methode der direkten Befragung erfasst werden können. Es wird davon ausgegangen, dass es eine begrenzte Anzahl von Motiven gibt, die bei verschiedenen Individuen mehr oder weniger stark ausgeprägt sind und sich in Abhängigkeit von situationalen Bedingungen im Verhalten manifestieren. Little (1983) sieht in seinem Konstrukt der “persönlichen Projekte” – eine Sequenz von Handlungen, die zum Erreichen eines persönlichen Zieles vollführt werden – eine Möglichkeit, menschliches Verhalten zu beschreiben und vorherzusagen.

Literatur: Little, B.R. (1983). Personal projects. A rationale and method for investigation. Enviroment and Behavior, 15, 273-309.


Unser Berufsleben allein wäre kein sehr glücklicher Zustand, hätten wir nicht unser Privatleben daneben …

Bei dieser Übung, die sich z. B. mit ausgewählten Karten aus der „Personality Toolbox“ gut durchführen lässt, geht es darum, Klienten zu ermutigen, ihr Privatleben durch die Initiierung eines persönlichen Projekts aktiver zu gestalten bzw. es bewusst umzugestalten.

  • Anlass: Ressourcen im Privatleben aktivieren / Steigerung der Lebensqualität
  • Material: Karten der Kategorien Privat, Denken und Fühlen (Personality Toolbox)

Tipp: Ersetzen Sie die Karten „Kontrolle“ und „Unabhängigkeit“ aus der Kategorie Privat durch die Karten „Spiritualität“ und „Liebe“ aus der Kategorie Seele.

Schritt 1: Themenfindung

  • Geben Sie für die 15 Karten der Kategorie Privat (siehe oben) auf einer Skala von 1 bis 10 an, wie zufrieden Sie mit diesem Aspekt in Ihrem Privatleben bereits sind. Stellen Sie sich herfür bspw. vor, die obere Tischkante würde den Skalenwert 10 darstellen und die untere den Skalenwert 1. Verteilen Sie die Karten nun so auf dem Tisch, wie es sich für Sie stimmig anfühlt.
  • Schauen Sie sich jene drei bis vier Karten genauer an, bei denen Sie die niedrigsten Skalenwerte angegeben haben und entscheiden Sie, in welchem Bereich Sie in der nächsten Zeit gern auf einen (deutlich) höheren Skalenwert gelangen möchten.

Tipp: Lassen Sie sich die Skalenwerte erläutern, die für die einzelnen Aspekte vergeben werden. Auf diese Weise lernen Sie Facetten der Lebenswelt Ihrer Klienten/-innen kennen, über die im Beratungskontext ansonsten vielleicht eher selten gesprochen wird.

Schritt 2: Ortsbegehung & Zukunftsvision

  • Warum haben Sie sich für diese Karte entschieden?
  • Wo stehen Sie jetzt? Wie sieht es hinsichtlich dieses Aspektes zurzeit bei Ihnen aus? Was motiviert Sie dazu, in diesem Bereich etwas zu verändern?
  • Wo möchten Sie hin? Was genau wollen Sie verändern? Wie möchten Sie diesen Aspekt künftig gestalten? Entwickeln Sie eine Zukunftsvision und beschreiben Sie diese möglichst detailliert.
  • Was unterscheidet Ihren IST- von dem SOLL-Zustand?
  • Was würde mir an Ihnen auffallen, wenn Sie Ihren SOLL-Zustand bereits erreicht hätten?

Tipp: Versuchen Sie, Ihre Klienten/-innen zu ermutigen, ihre Zukunftsvision so konkret wie möglich zu formulieren. Hierfür bieten sich verschiedene Fragetechniken an (z. B. Verflüssigungs- bzw. Konkretisierungsfragen).


Exkurs: Verflüssigungs- bzw. Konkretisierungsfragen

  • Neigen Klienten zu generalisierenden bzw. kategorischen Aussagen oder bleiben Erklärungen bzw. Beschreibungen vage, kann eine Hinterfragung zu einem besseren Verständnis (für beide Seiten) beitragen und dazu dienen, Lösungsoptionen sichtbar zu machen.
  • Beispiele: „Was meinen Sie genau damit?“, „Wann genau?“ „Unter welchen Umständen?“

Literatur: Günter G. Bamberger (2015). Lösungsorientierte Beratung (5. Auflage). Beltz Verlag.


Schritt 3: Denken und Fühlen

  • In den Kategorien Denken und Fühlen sind verschiedene Eigenschaften aufgeführt, die für das Erreichen des SOLL-Zustands mehr oder weniger hilfreich sein könnten. Wählen Sie aus beiden Kategorien jeweils zwei Eigenschaftswörter aus, die Ihnen hinsichtlich der gewünschten Veränderung besonders bedeutsam erscheinen.
  • Beginnen Sie mit der Kategorie Denken und erörtern Sie, warum Sie diese beiden Karten ausgewählt haben, bevor Sie sich der Kategorie Fühlen widmen.

Tipp: Diese Instruktion wurde bewusst etwas mehrdeutig formuliert. Was unter „besonders bedeutsam“ zu verstehen ist, sollten Sie nicht näher erläutern, sondern es Ihren Klienten überlassen, wie sie das interpretieren. Wenn Sie anschließend über die ausgewählten Karten sprechen, erhalten Sie dadurch wichtige und manchmal überraschende Einblicke in die Wirklichkeitskonstruktionen Ihrer Klienten.

Schritt 4: Entwicklungsaufgaben und Handlungsoptionen

  • Erläutern Sie, warum Sie diese vier Begriffe ausgewählt haben.
  • Formulieren Sie zu jedem dieser Begriffe eine Entwicklungsaufgabe, die Sie bewältigen sollten, um sich Ihrer gewünschten Zukunft anzunähern.
  • Leiten Sie daraus konkrete Handlungspläne ab.

Tipp: Bemühen Sie sich darum, die Handlungspläne so konkret wie möglich formulieren zu lassen: Was? Wie? Wann? Auch sollten Sie sich nicht immer mit der erstbesten Antwort zufrieden geben, sondern die ein oder andere “Und-was-noch?”-Frage stellen.

Schritt 5: Risiken und Hindernisse

  • Welche Risiken sind mit der gewünschten Entwicklung bzw. mit Ihrem Vorhaben verbunden?
  • Wer könnte sich Ihnen in den Weg stellen? Warum würde er oder sie das vielleicht tun? Wie könnten Sie es schaffen, sich mit dieser Person zu verbünden oder sie wenigstens zu besänftigen?
  • Welche Hindernisse könnten auf Ihrem Weg liegen bzw. mit welchen Schwierigkeiten könnten Sie es zu tun bekommen? Wie können Sie diese überwinden, wenn sie auftauchen?

Tipp: Lassen Sie Ihre Klienten „Wenn-dann-Pläne“ entwickeln, damit es ihnen gelingen kann, ihr Vorhaben selbst bei auftretenden Schwierigkeiten aktiv weiterzuverfolgen, also am Ball zu bleiben.

Schritt 6: Fazit

  • Welche Erkenntnisse haben Sie aus diesem Gespräch gewonnen?
  • Was sind Ihre nächsten Schritte?

Tipp: Bitten Sie Ihre Klienten darum, sich die wichtigsten Erkenntnisse kurz zu notieren, und fragen Sie, ob sie sich vielleicht ein Foto von den bearbeiteten Karten machen möchten? Fragen Sie beim nächsten Termin danach, wie die Umsetzung bislang gelungen ist, und besprechen Sie dann die nächsten Schritte.

“Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus.” Demokrit

Kartenset: E. Rauschert & U. Schirrmacher (2018). Personality Toolbox. ManagerSeminare Verlag.

PS: Eine weitere Idee, wie Sie mit den Karten aus der Personality Toolbox arbeiten können, finden Sie hier: Das Leben ist eine Baustelle!

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.