Die Kraft der Intuition – Art & Poems

Art & Poems

Berührt uns ein Bild oder ein Gedicht, kann es leicht geschehen, dass sich etwas Unaussprechliches ganz plötzlich zu erkennen gibt und sich unser Blick auf bislang verborgene oder längst vergessene Facetten des eigenen Ichs richtet. Auf diese Weise ist es möglich, dass die Faszination, die so manches Kunstwerk auf uns ausübt, eine Heilung seelischer Verletzungen einleitet oder begünstigt. Zwar kann man Menschen auch schon allein durch gezielte Fragen dabei unterstützen, neue Perspektiven zu entwickeln und Selbsterkenntnis zu erlangen, manchmal bleibt ihnen der Zugang zu den tief verwurzelten emotionalen Kodierungen unbewusster Verhaltensmuster allerdings verwehrt. Zudem scheinen Worte nicht immer exakt beschreiben zu können, was uns im Innersten bewegt, da sie das Wahrgenommene und Gefühlte stets auf etwas Sprachliches reduzieren, dessen Konnotationen erlernten Mustern folgen. Bilder und Lyrik hingegen setzen assoziative Prozesse in Gang, die tief in das Unbewusste hineinwirken und somit Türen öffnen, die wir normalerweise geschlossen halten, um uns selbst zu schützen. Wir fühlen uns von ihnen berührt und verstehen sie auf eine Weise, die wir uns nicht immer genau erklären können. Durch den Einsatz von Kunst in der therapeutischen Arbeit kann es gelingen, die Barrieren des Rationalen zu umgehen und einen Zugang zu den verdrängten Teilen unseres Selbst zu finden. Ohne dabei alles klar benennen zu müssen, lassen sich dann für viele innere Konflikte, Ambivalenzen oder Blockaden überraschende Lösungen finden, die es ermöglichen, Akzeptanz und Zuversicht zu entwickeln und künftig mehr im Einklang mit sich selbst zu leben.

Menschen neigen dazu, über Probleme stets auf eine gewohnte Art und Weise nachzudenken. Drehen sich diese Gedanken im Kreis, fühlt man sich oftmals nur schlechter und den Geschehnissen ausgeliefert. Sucht man dann einen Coach oder Therapeuten auf, um sich helfen zu lassen, einen Ausweg zu finden, so ist es dessen Aufgabe, einen durch gezielte Fragen dabei zu unterstützen. Coaching und Therapie sind also eigentlich immer “nur” eine Hilfe zur Selbsthilfe. Der bekannte Psychotherapeut Milton Erickson stellte einst die Hypothese auf, dass Menschen im Laufe ihres Lebens bereits so viele Dinge gelernt haben, dass es ihnen möglich sei, jedes Problem selbst zu lösen. Voraussetzung dafür ist es allerdings, dass sie sich von ihren gewohnten Denkmustern frei machen und sie ihr kreatives Potenzial nutzen.

Lernt man schon als Kind, dass gewisse Gefühle oder Bedürfnisse scheinbar nicht wertvoll sind, kann das leicht dazu führen, dass Mechanismen entwickelt werden, mittels derer diese nicht mehr spürbar sind, um das eigene Selbstwertgefühl irgendwie aufrechtzuerhalten. Doch so einfach, wie sich das anhört, ist das leider nicht. Zu einer gelingenden Selbstwerdung gehört es auch, unangenehme Gefühle zuzulassen und die Verantwortung für jene Bedürfnisse zu übernehmen, die vielleicht gerade nicht so passend bzw. sozial erwünscht sind oder deren Integration in das eigene Selbstbild Schwierigkeiten bereitet. Durch fokussierende Fragestellungen und verschiedene Methoden zur Steigerung der Selbstwahrnehmung können Zugänge zu diesen Aspekten des Selbst erarbeitet werden, um mit ihnen (wieder) in Kontakt zu kommen. Die Bilder von Manfred Evertz und die Gedichte von Christine Matha erleichtern diesen Zugang in besonderer Weise, da sie das Unbewusste dazu anregen, einen Dialog mit uns aufzunehmen.

Engel und Masken

Manfred Evertz

Mit Engeln lassen sich verschiedene Aspekte unseres Seins in Verbindung bringen. Für die einen symbolisieren sie Reinheit und Unschuld im Sinne von etwas Heiligem. Für die anderen haben Sie etwas sehr Kraftvolles, zumal sie über einen eigenen Willen verfügen, der sogar dazu führen kann, dass sie der Sünde verfallen. Dieses Spannungsverhältnis macht wohl die Faszination an ihnen aus. Von vielen Menschen werden sie als schützende Wesen gesehen, die in Krisensituationen Kraft und Hoffnung spenden. Dem zufolge beobachten sie uns aus einer anderen Dimension heraus und begleiten uns durch schwierige Lebensphasen, sozusagen als mystische Helfer. Sie sind empfänglich für jene Schwingungen, die unserem Alltagsbewusstsein entgehen, und sie sind in der Lage, das uns entstehende Leid zu kanalisieren, wenn man an sie glaubt. Ihre Anmut und Schönheit betören uns und sie geben Hoffnung! Sie dürfen zeigen, was wir meinen, verdrängen zu müssen, sie dürfen sein, was wir abspalten! Sie sind ein Sinnbild dessen, was wir sein könnten. Sie bieten sich als Projektionsflächen für unsere intimsten Wünsche und Bedürfnisse an und lassen unsere Verbundenheit zu jener kosmischen Liebe spüren, der wir einst entsprungen sind. Jedenfalls können sie einem Menschen Trost spenden, wenn die Welt es nicht mehr tut.

Manfred Evertz

Die Maskenbilder von Manfred Evertz veranschaulichen all jene Aspekte unseres Seins, die wir vor uns selbst verstecken, anpassen und deformieren, um in dieser Welt zu funktionieren und zu überleben. Hinter ihnen liegen die abgespaltenen und unterdrückten Anteile unserer Persönlichkeit, von denen wir „gelernt“ haben, sie nicht zeigen zu dürfen. Sie verbergen den „Schatten“ (C. G. Jung) und reduzieren uns auf ein vorzeigbares „Ich“, mit dem eine positive Identifikation gelingt. Dadurch sind wir zwar „gut“ aber nicht „ganz“. Sie formen sich schon in der frühen Kindheit, in der wir spürten, dass wir die unbedingte Verbundenheit zu den bzw. dem anderen Menschen verloren haben und uns auf eine bestimmte Weise zeigen mussten, um Liebe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu erfahren. Das, was von unseren ersten Bezugspersonen nicht mit Liebe empfangen wurde, begannen wir, an uns selbst zu verachten und abzuspalten, um uns vor jenem Liebesentzug zu schützen, von dem wir (vielleicht) glaubten, er sei gerechtfertigt. Hervorgerufen durch frühkindliche Traumata oder Restriktionen, denen wir uns ausgesetzt fühlten, entwarfen wir unsere eigene Maske, mit der wir fortan durchs Leben schritten. Doch die Masken werfen dunkle Schatten. Sie berauben uns unserer eigentlichen Individualität und führen zu neuen Problemen, da wir uns selbst und anderen Menschen nicht mehr in unserer ganzen Wahrhaftigkeit begegnen.

Die Bilder des Künstlers sind sehr kraftvoll und facettenreich. Durch ihre zum Teil nur schemenhaft bewusst werdende Wirkung bieten sie einen Zugang zu jenen Aspekten unseres Selbst, die wir in den Tiefen unseres Unterbewusstseins vergraben haben und von denen wir es gewohnt sind, ihnen im Alltag auszuweichen. Sie bieten sich dazu an, unser Unbewusstes zu erschließen, um das Verlorene wiederzuentdecken. Geht es also um Erlebnisse, an die eine bewusste Erinnerung nicht möglich ist, oder um Ahnungen, von denen wir nicht wissen, woher sie kommen oder was sie bedeuten, lassen sie es zu, mit ihnen in Kontakt zu kommen, ohne sie konkret benennen zu müssen. Auf diese Weise kann es gelingen, unsere ursprüngliche Ganzheit wiederherzustellen.

Lyrisches Nachspüren

Jedem der Bilder ist ein Gedicht von Christine Matha zugeordnet, durch das eine lyrische Annäherung versucht und zugleich eine weitere Ebene der Betrachtung eröffnet wird. Die darin zum Ausdruck kommenden Empfindungen sind selbstverständlich im hohen Maße subjektiv und geben keinesfalls eine bestimmte Richtung der Interpretation vor. Indem sie Resonanz oder Abwehr erzeugen, können sie aber tiefere Schichten sprachlich kodierter Deutungsmuster erreichen und einen Zugang zu verborgenen oder abgespaltenen Persönlichkeitsanteilen sowie zu verdrängten Gefühlen erleichtern.

Christine Matha

Beim Lesen der Gedichte von Christine Matha wird also schnell deutlich, dass diese zunächst vor allem eine emotionale Wirkung entfalten. Da die verwendeten Worte bei jedem Leser andere Assoziationen auslösen, ist das, was ihnen an Bedeutung entnommen wird, also äußerst individuell. Folgt man den Aussagen des chilenischen Philosophen Humberto Romesín Maturana, dann sind menschliche Erfahrungen immer subjektgebunden und somit unübertragbar. Obwohl Sprache eigentlich dazu dient, eine über soziale Vermittlungsprozesse herbeigeführte Einigkeit und Klarheit zu vermitteln, und sie eine Verständigung zwischen den Menschen überhaupt erst ermöglicht, sind die in ihr enthaltenen Worte im Gehirn des Einzelnen auf eine jeweils spezifische Weise emotional kodiert. Dies wiederum gibt ihnen ihre ganz persönliche Wertigkeit. Abhängig von den persönlichen Erfahrungen, die jemand in seinem Leben gemacht hat, werden sie folglich automatisch mit Konnotationen versehen und mit individuellen Wirklichkeitskonstruktionen in Einklang gebracht. Da Christine Matha im hohen Maße mit Andeutungen und Auslassungen arbeitet, bietet sie ihren Lesern die Möglichkeit, die Texte durch Eigenes zu ergänzen, und gewährt der Fantasie somit den erforderlichen Spielraum, sich als das andere Ich in dem Geschriebenen wiederzufinden. Das ermöglicht eine Art Identifikation, bei der das rationale Denken quasi umgangen wird, und damit einen Zugang zu den oftmals unbewussteren Strukturen, die dem eigenen Erleben und Fühlen zugrunde liegen. Die Verwendung ausdrucksstarker Sprachbilder unterstützt diesen Prozess, dessen Wirkung man sich nur schwerlich entziehen kann. Auf diese Weise wird man beim Lesen von der Autorin so sehr in ihre Erlebniswelt mit einbezogen, dass eine unmittelbare Betroffenheit entsteht, die kaum zu erklären ist. Man fühlt sich von einer Fremden verstanden und im eigenen Schmerz gesehen. Allein das ist oftmals schon heilsam.

Die Gedichte lassen sich zur Fokussierung von Emotionen bzw. zur Erweiterung des Suchraums nutzen. Das lyrische Nachspüren eignet sich insbesondere zur Erhellung von belastenden Erlebnissen, inneren (und äußeren) Konflikten, Projektionen etc., und es kann dabei helfen, sich aus der Trübe schmerzlicher Empfindungen zu befreien.

Fazit

Durch den Einsatz von Bildern und Gedichten lassen sich therapeutische Prozesse auf wunderbare Weise unterstützen. Obwohl es lediglich Hilfsmittel sind, erleichtern sie es durch die Kraft der Intuition, das Unbewusste anzusprechen bzw. Bewusstwerdungsprozesse zu initiieren. Mittels bewährter Gesprächstechniken, also bspw. eines sokratischen Dialogs in Verbindung mit lösungsorientierten und emotionsfokussierenden Fragen, können diese „Entdeckungen“ so aufbereitet werden, dass sie eine Wirkung entfalten, die psychisches Wachstum ermöglicht.

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Die Seele eines Künstlers

Im Gespräch mit Manfred Evertz

Seelenbilder, Engel und Masken… Die Werke des norwegischen Künstlers wirken auf viele Betrachter zunächst irritierend oder verstörend. Mich aber haben sie von Beginn an in ihren Bann gezogen. So entwickelte sich im Laufe der Zeit aus einem freundschaftlichen Kontakt eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die sehr bereichernd ist. Seither zieren seine Bilder immer wieder die Inhalte dieses Blogs sowie die Webseite vom Fachforum Mobbing. Insbesondere aber das gemeinsam erdachte Kartenset (Art & Poems), welches mit lyrisch untermalten (die Gedichte stammen aus der Feder von Christine Matha) Bildern von Engeln und Masken zur Selbstreflexion bzw. zur therapeutischen Arbeit einlädt, erfüllt mich mit großem Stolz. Vor allem die starke Suggestivwirkung der Werke von Manfred Evertz kommt hierbei zum Tragen. Durch ihr tiefes Hineinwirken in das Unbewusste, fühlt man sich von ihnen berührt und versteht sie auf eine Weise, die sich rational nur schwer erklären lässt. Es scheint so, als würden sie es der Intuition erlauben, dem Unaussprechlichen eine Gestalt zu geben.

Manfred Evertz

Doch wer ist dieser Künstler eigentlich? Was inspiriert einen Menschen zu einer Kunstform, die sich den Namen „Psychosymbolismus“ gibt? Der folgende Text gestattet einen bescheidenen Einblick in das Leben und Wirken von Manfred Evertz. Hier spricht er über seine Kindheit, seinen Weg zur Kunst, seine Ausbildung, die Stufen seiner Entwicklung, seine Botschaft und seine Inspiration sowie über sein Lebenswerk. Mit einer ganz persönlichen Bilanz schließt dieser Text dann ab, der eine faszinierende Sicht auf einen beeindruckenden Künstler ermöglicht…

Meine Kindheit

Geboren am 9. Mai 1948, Einzelkind und überbeschützt von meiner Mutter, die ich bis heute als den einzigen Menschen betrachte, der mir uneingeschränkt Liebe, Zuwendung und Hingabe schenkte, empfinde ich meine Kindheit dementsprechend als glücklich. Aber als Angehöriger der ersten deutschen Nachkriegsgeneration fühlte und erlebte ich auch die Schrecken des Krieges fast hautnah mit, die meine Eltern täglich – bis weit in meine jugendlichen Jahre hinein – reflektierten und aufarbeiteten. Obwohl ich drei Jahre nach dem Kriegsende geboren wurde, fühle ich mich, als hätte ich selbst daran teilgenommen. Auch der erste bewusste visuelle Haupteindruck war von den Folgen des Krieges geprägt: Zerstörung und Ruinen in einer der Industriestädte am Rhein – Duisburg. Luftschutzbunker und befestigte Stellungen üben ebenfalls noch immer eine eigenartige Faszination auf mich aus. In der Kindheit verspürte ich kaum eigene Furcht, aber die von meinen Eltern überführte Angst hinterließ eine bleibende Wirkung.

Mein Weg zur Kunst

SeelenbildSchon als Kleinkind wurde mir eine besondere künstlerische Begabung nachgesagt. Als ich zur Volksschule und später in die Lehre ging, verstärkte sich dieses Bewusstsein um die eigene Veranlagung bedeutend, da ich nun von allen Seiten viel Lob und Anerkennung bekam. Mein Vater betrachtete dies fast als eine Art Schande und so konnte ich nur auf die volle Unterstützung meiner Mutter hoffen. Allerdings räume ich ein, dass auch mein Vater im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten und auf Drängen meiner Mutter alles tat, um mich auf meinem Wege in eine künstlerische Laufbahn zu unterstützen. Mein erster Förderer war dann auch ein früherer Schulkamerad von ihm, der als freischaffender Künstler tätig war: Walter vom End. Während meiner Ausbildung zum Musterzeichner traf ich dann auf die Eheleute Sigrid und Klaus Mundt, die beide ein Kunststudium an der Folkwangschule in Essen absolviert hatten, mich aufmunterten und mir dabei halfen, selbst ein solches Studium anzustreben und aufzunehmen.

Meine Ausbildung

Manfred Evertz - Abstraktes Bild 2Meine Ausbildung besteht im Wesentlichen aus der Lehre als Musterzeichner (drei Jahre) in Krefeld sowie dem Studium an der Folkwangschule in Essen (vier Jahre). Das Kunststudium wurde mir ermöglicht durch das Bestehen einer Begabten-Sonderprüfung, mittels derer ich ein Jahr jünger und ohne Abitur dafür zugelassen wurde. So war ich im Alter von 17 der jüngsten Student dieser Schule. Die auf diesem Wege erlangte Fachlichkeit, die mir zudem ein Pädagogik-Studium in Norwegen möglicht machte, brachte mir den Beruf als Lehrer bzw. Studienrat an einem Gymnasium ein. Im Jahre 1979 wanderte ich dann nach Norwegen aus, wo ich fortan mehr als 20 Jahre als Studienrat und Kunstpädagoge tätig war. Mit einigen Unterbrechungen betätigte ich mich seither als freischaffender Künstler, was ich mir im Grunde auch immer wünschte. Obwohl ich also den größten Teil meines Lebens in Norwegen verbracht habe, ist mir meine deutsche Staatsangehörigkeit geblieben.

Die Stufen meiner Entwicklung

Das Kunststudium an der Folkwangschule in Essen ist natürlich das zentrale Ereignis meiner Ausbildung, weil es mir auch in Norwegen alle Türen öffnete, so dass ich als Folge daraus ein praktisch-pädagogisches Studium absolvieren konnte, was mir wiederum eine gesicherte Existenz als Lehrer mit Pensionsberechtigung ermöglichte. Besonders jetzt – im Alter von 67 – weiß ich das sehr zu schätzen. Obwohl das eigentlich nur wenig mit meiner künstlerischen Entwicklung zu tun hat, wirkt ja letztendlich alles Erlernte und Erfahrene irgendwie darauf ein.

Panzer & BlumenDirekt – auf meine künstlerische Tätigkeit – übte der Surrealismus den größten Einfluss auf mich aus. Ich glaube, dass das Surreale einer gewissen „Wahrheit“ am nächsten kommt. Mit dieser „Wahrheit“ (im allgemeinen Sinne), befasste ich mich über viele Jahre in Form autodidaktischer Philosophiestudien, um zu dem Schluss zu gelangen, dass es eine solche nicht gibt, da sich die Dinge und das Sein in ständiger Bewegung und Veränderung befinden. Die „Prozesshaftigkeit des Seins“ wurde so zu einem Leitbild, das mich sehr prägte. Im Zusammenhang mit meiner praktischen künstlerischen Aktivität hatte ich mehre internationale Vorbilder, bspw. den Engländer Francis Bacon und den Deutschen Anselm Kiefer.

Aufgrund bitterer Erfahrungen im Familien- und Freundeskreis erkannte ich auch den psychologischen Aspekt des Seins, wodurch ich jetzt nicht mehr nur die Prozesshaftigkeit, sondern ebenso die psychologische Dimension im Leben eines einzelnen Menschen, aber auch der sozialen Zusammenhänge der Menschheit als Ganzes, zu erkennen glaube. Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis, habe ich maßgeblich an der Gründung, Manifestierung und dem Aufbau der internationalen Kunstbewegung PSI-ART (Psychosymbolismus International) mitgearbeitet.

Meine Botschaft

PSI-Arts 1Trotz aller bewussten oder automatischen Expressivität – also Ausdrucksstärke -, versuche ich in meinen Bildern möglichst viele handwerkliche und theoretische Kriterien durchblicken zu lassen. Wohl wissend, dass dies keine aktuellen Kriterien mehr sind, sehe ich sie für mich weiterhin als Basis an. Darüber hinaus interessiere ich mich sehr für die Postmoderne und bemühe mich darum (soweit es geht), „als Mensch in seiner Zeit“, meinen persönlichen Beitrag dazu zu leisten.

Meine Inspiration

Die Freude an meiner Arbeit ist mit der Zeit einer gewissen Besessenheit gewichen bzw. hat sich zu einer Art „Selbsttherapie“ entwickelt. Der therapeutische Aspekt rückte also immer mehr in den Vordergrund. Auch meinen Schülern versuche ich zu vermitteln und klarzumachen, dass sich ihnen allein schon durch das Befassen mit Kunst eine weitere Dimension ihres Daseins eröffnet. Da mir der größere künstlerische Durchbruch bislang nicht gelungen ist, bin ich zwar nicht besonders stolz auf meine Leistung, angesichts der Reaktionen einiger Menschen auf meine Arbeiten verspüre ich allerdings immer wieder eine gewisse (freudige) Verwunderung.

PSI-Arts 2Die Motive und Themen meiner Bilder ergeben sich aus inneren Prozessen, d. h. sie sind Problemstellungen und Reflexionen des täglichen Geschehens. Die Suggestivkraft entsteht aus der Auseinandersetzung mit der authentischen Situation während des Schaffensprozesses sowie aus der expressiven Kraft der Farben und Formen. „Schwierige Themen“ sind ja im Grunde alltäglich bzw. allgemein und fallen damit automatisch in den Bereich jener Herausforderungen, welche bearbeitet werden sollten. Nur die Abkopplung und Flucht davor treibt den Kunstschaffenden zuweilen in die Welt des „Glanzbildes“, die natürlich nicht echt ist. Dem gegenüber ist das Surreale – das aus der Seele kommende – wahrhaftig, wenn es auch nicht unbedingt immer mit einem allgemeinen Realbild übereinstimmt und sehr unbehaglich sein kann.

Generell glaube ich, dass jede künstlerische Tätigkeit aus der Seele des Schaffenden kommt und mit dieser untrennbar verbunden ist. So ist die Kunst immer auch von der Psyche des Künstlers geprägt. Für mich ist sie zur Selbsttherapie geworden, die jedoch nicht unbedingt immer erfolgreich ist. Sie geht in eine Art „Abhängigkeit“ über, die sich aus meinem inneren Drang zur Selbsterkenntnis ergibt. Es überrascht mich, dass der direkte Zusammenhang zwischen Kunst und Psychologie scheinbar nicht grundsätzlich gesehen wird. Der Mensch ist m. E. ein psychologisches Wesen – also ist auch jede künstlerische Tätigkeit eine Ausdrucksform der Psyche des Menschen.

Mein Lebenswerk

Ausstellung mit Werken von Manfred EvertzDazu muss ich zunächst sagen, dass ich über ein umfangreiches Werk verfüge, das sowohl Bilder in verschiedenen Formaten, auch Großformate (bis zu 350cm lange Malereien und Materialbilder) sowie dreidimensionale Objekte (Installationen und Skulpturen) umfasst, insgesamt also mehrere hundert Exponate. Der Verkauf oder die intensive Ausstellungstätigkeit bzw. eine besondere Exponierung in der Öffentlichkeit gehörten nie zu meinen Stärken. Das Lebenswerk meiner praktischen bzw. handwerklichen Arbeit liegt also zum größten Teil noch auf Lager, abgesehen von einigen öffentlich ausgestellten oder sich im privaten Besitz befindlichen Kunstobjekten in Deutschland, Norwegen und den USA.

Seit dem Jahre 2010 habe ich mich verstärkt um die Gründung und Lancierung einer neuen Kunstrichtung und globalen Künstlergruppe, der PSI-ART (Psychosymbolismus International), bemüht. Die Tätigkeit in diesem Zusammenhang liegt mir besonders am Herzen und schwebte mir schon seit Jahrzehnten vor. Erst seit Beginn der Kooperation mit der Lyrikerin und Kunstgeschichtlerin Christine Matha (Italien) im Jahre 2011 begann sich das Projekt zu realisieren und wird jetzt in Form von internationalen Gruppen-Ausstellungen, Büchern und Katalogen sowie im Internet publiziert.

Mein Schicksal

Bild im RahmenAufgrund eines früheren, allzu großen Ambitions-Niveaus, waren meine Wünsche und Erwartungen immer so hoch gesteckt, dass eine Realisierung vollkommen außerhalb der realistischen Möglichkeiten lag. Dies hat mich im Alter sehr ernüchtert und in einen depressiven Zirkel hineingetrieben, so dass ich heute weder wesentliche Hoffnungen noch größere Wünsche hege. Viele Menschen sagen mir, dass ich mit dem Erreichten durchaus zufrieden sein könne. Bisweilen gelingt es mir auch, das so zu sehen. Aber der Abstand zwischen dem Erreichten und dem Gewünschten bzw. dem damals Erhofften ist so groß, dass ich in mir eine Kluft spüre, für die ich keine stimmige Überbrückung finde.

Im privaten Bereich habe ich eine liebenswerte Familie, zwei Töchter (aus erster Ehe) und drei Enkelkinder, die mir sehr viel Freude bereiten. Meine Ehepartnerin Liv besitzt eine kleine Galerie im Ort und wir arbeiten auch im künstlerischen Bereich zusammen. Obwohl mir dies für kurze Perioden immer wieder eine gewisse innere Zufriedenheit ermöglicht, werde ich stetig von meinem Gewissen (dem eigenen Schicksal gegenüber) geplagt.

Kontakt:

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Die Masken eines Traumas

Die Maskenbilder von Manfred Evertz veranschaulichen all jene Aspekte unseres Seins, die wir vor uns selbst verstecken, anpassen und deformieren, um in dieser Welt zu funktionieren und zu überleben. Hinter ihnen liegen die abgespaltenen und unterdrückten Anteile unserer Persönlichkeit, von denen wir „gelernt“ haben, sie nicht zeigen zu dürfen. Sie verbergen den „Schatten“ (C. G. Jung) und reduzieren uns auf ein vorzeigbares „Ich“, mit dem eine positive Identifikation gelingt. Dadurch sind wir zwar „gut“ aber nicht „ganz“. Sie formen sich schon in der frühen Kindheit, in der wir spürten, dass wir die unbedingte Verbundenheit zu den bzw. dem anderen Menschen verloren haben und uns auf eine bestimmte Weise zeigen müssen, um Liebe, Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu erfahren. Das, was von unseren ersten Bezugspersonen nicht mit Liebe empfangen wurde, begannen wir, an uns selbst zu verachten und abzuspalten, um uns vor dem Liebesentzug zu schützen, da wir (vielleicht) glaubten, er sei gerechtfertigt. Hervorgerufen durch frühkindliche Traumata oder Restriktionen, denen wir uns ausgesetzt fühlten, entwarfen wir unsere eigene Maske, mit der wir fortan durchs Leben schritten. Doch die Masken werfen dunkle Schatten. Sie berauben uns unserer eigentlichen Individualität und führen zu neuen Problemen, da wir uns selbst und anderen Menschen nicht mehr mit unserer ganzen Wahrhaftigkeit begegnen.

Die Bilder des Künstlers sind sehr kraftvoll und facettenreich. Durch ihre zum Teil nur schemenhaft bewusst werdende Wirkung bieten sie einen Zugang zu jenen Aspekten unseres Selbst, die wir in den Tiefen unseres Unterbewusstseins vergraben haben und von denen wir es gewohnt sind, ihnen im Alltag auszuweichen. Sie bieten sich also dazu an, einen Zugang zum Unbewussten zu erschließen, um das Verlorene wiederzuentdecken. Geht es also um Erlebnisse, an die eine bewusste Erinnerung nicht möglich ist, oder um Ahnungen, von denen wir nicht wissen, woher sie kommen oder was sie bedeuten, lassen sie es zu, mit ihnen in Kontakt zu kommen, ohne sie konkret benennen zu müssen. Auf diese Weise kann es gelingen, einen Zugang zu unserem Innersten herzustellen, der zu einer Ganzheit führt, die wir ursprünglich waren.

Im Folgenden sei nun der Versuch unternommen, die Maskierung eines Traumas aus psychologischer Perspektive zu betrachten und einen Weg der Befreiung anzudeuten.

Manfred Evertz

Jegliches Gefühl verliert sich schnell, wenn man zum Opfer der Machtgelüste eines anderen Menschen wird und die abstoßendste Art von Nähe im Intimsten ertragen muss. Zum körperlichen Objekt der Begierde auserkoren entsteht aus einer der Freiheit beraubten Weiblichkeit jene emotionale Dumpfheit, die erfüllt von Scham und Zweifel versucht, ihre Blöße zu verbergen. Ohne Hoffnung müht sich die Seele vergeblich, die Demütigung zu leugnen, und verliert sich in Einsamkeit und Selbstverachtung. Jede Berührung wird zum Schmerz, der sich verfängt in einem Gemisch von Schuld und Ekel. Durch mittellose Distanzierung, verführt von der inneren Leere, scheint das Wachstum zu versiegen und der Moment erstarrt zur Ewigkeit.

Manfred Evertz

Sich einem solchen Blick zu entziehen, fällt schwer. Mit Vorwürfen beladen erhebt sich das mütterliche Ich zu einer Autorität, die dem Betrachter ernst und durchdringend betrachtet, als wisse es um ein dunkles Geheimnis. Der Tadel erfolgt wortlos. Und auch das jüngere Ich scheint bereits eingeweiht und sich trotz einer ersten Maskierung bereits die Nase am unausgesprochenen Zerwürfnis blutig gestoßen zu haben. Trotz all der Schuld, die hier spürbar wird, ist keine Klage zu hören. Die Wunden der Seele vermischen sich mit der Kühle des Alltags zu einer dumpfen Resignation, die unausgesprochen den Moment bestimmt. Trotz der Verbitterung bleibt ein forderndes Hoffen, jene Unschuld, die zusammengekauert aufgebahrt liegt, nicht weiter zu verletzen. Hilflos ist sie dem Geschehen ausgeliefert, nur geschützt durch die starren Blicke. Beladen mit einem unbestimmten Gefühl von Schuld, wird der Betrachter dazu bewogen, sich mit gesenktem Kopf abzuwenden und dem Bann zu entziehen…

Manfred Evertz

Furchterregende Gedankenblitze rufen jene Dämonen der Vergangenheit erneut ins Bewusstsein, von denen der Verstand sich so gern erlösen möchte. Immer wieder drängen sich die gleichen Bilder auf. Wie in einem sich stetig wiederholenden Theaterstück lassen sie die schmerzhafte Erfahrung abermals aufleben und spürbar werden. Der Schmerz der Seele wirkt unkontrollierbar und nur schwerlich zu verbergen. Je mehr sich diese darum bemüht, die Erinnerung zu unterdrücken, um so mächtiger wird sie. Überwältigt von der Intensität wirkt alles unnatürlich und mystisch. Des Vergangenen klare Konturen rufen ein Schaudern hervor. Jener Schlüsselmoment, der die Grenzen der Zeit durchbricht, erhebt die Betroffenheit zum Stigma.

Manfred Evertz

Schutz suchend vor dem Dämonischen versucht das Ich seine Blöße zu bedecken. Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung stellte einst die Frage: „Willst Du gut sein oder ganz?“ Damit forderte er dazu auf, den eigenen Schatten in das Selbst zu integrieren, also jene unliebsamen Anteile der Persönlichkeit, die abgespalten sind und die positive Identifikation des Ichs untergraben. Das, was wir an uns selbst nicht mögen, begegnet uns dann häufig im Außen. Das Schaudern und die Verstörung sind es, die den Weg zur Ganzheit aufzeigen und wahrhaftige Ich-Integrität bewirken können, wenn man sich ihnen stellt. Nur durch ein unbedingtes Annehmen dessen, was ungeliebt in uns verharrt, lassen sich die Dämonen vertreiben und daran hindern, uns der Lebenskraft zu berauben. Doch wer hat schon den Mut dazu?

Manfred Evertz

Wie eine Loslösung vom materiellen Diesseits funktionieren könnte, wird im Traum erfahrbar. In ihm verschwimmen die Erlebnisse aus Raum und Zeit zu einer Essenz, die uns erahnen lässt, wer wir im Innersten sind. Unsere Wahrnehmungen verlassen darin die im Diesseits erlernten Raster, deren Zensor – die Frage nach der Nützlichkeit – darüber bestimmt, was uns von der Welt bewusst wird. Das Eigentliche bleibt im Alltäglichen verborgen. So wie wir in allem das erkennen, was wir brauchen, so zeigen wir auch von uns nur das, von dem wir glauben, dass es gesehen werden will. Selbst in der innigsten Umklammerung des Schlafes tragen wir unsere Masken und erreichen uns nicht. Scheu verstecken wir unser wahres Selbst und berauben uns des Individuellen. Können wir nur so zu jener Nähe gelangen, der es bedarf, um einen Anschein von Verbundenheit zu erhaschen? Die Psyche vermag nur selten, sich von der „persona“ – ihrem angepassten Teil – zu lösen. Wenn ihr Verborgenes aber dem Körper entschwebt und der Schein sich offenbart, dann ist sie im warmen Licht der Empathie befähigt, sich selbst ohne Scham zu begreifen – und die eigene Maske – wie ein zweites Gesicht – mit Liebe zu beseelen.

Manfred Evertz

Mit sich verändernden Aufgaben forciert das Leben die Entwicklung des Individuums zur Selbstwerdung. Stufenweise führt es das Ich zur eigenen Entfaltung. Warme und weiche Farben lassen die Schönheit des Weges erahnen, wenn zuvor geformte Masken sich allmählich lösen. Der Blick zurück offenbart ein leises Erschrecken über die Starrheit, die einst mit ihnen verbunden war. Verwunderung und Ungläubigkeit begleiten das Verblassen des Vergangenen und machen den Weg frei und das Beschreiten des Kommenden nun möglich. Die Farbwahl erweckt Zuversicht und lässt die Entstehung eines neuen Mutes spüren. Wie aus einem langen Schlaf erwacht, beginnt die Seele ihre Reise zu einem neuen Horizont. Der Weg zur Wahrhaftigkeit ist vorgezeichnet und verheißt Befreiung und Glück: „Wo gelbe Blumen wachsen, dort ist Gold vergraben!“

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