Das Innere Team der Psychohygiene

Haben Sie manchmal den Eindruck, Ihre Gedanken würden sich im Kreis drehen? Je länger Sie über eine Sache nachdenken, um so weniger wissen Sie, was Sie tun sollen oder wie Sie über eine bestimmte Sache denken sollen? Pathologisches Grübeln beginnt nicht selten ohne äußeren Anlass, scheint kaum kontrollierbar zu sein und führt in der Regel zu unangenehmen Gefühlen.

“Das Denken ist das Selbstgespräch der Seele.” Platon

Eigentlich spielen in (fast) jeder Situation unterschiedliche Bedürfnisse eine Rolle, die mehr oder weniger vordergründig werden können. Je nachdem, worauf sich unser Blick aber richtet, werden verschiedene Facetten deutlicher und andere verblassen. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass wir uns “innerlich zerrissen” fühlen und allmählich resignieren.

Was können Sie dagegen tun?

  • Nehmen Sie sich in solchen Fällen einmal etwas Zeit und spüren Sie in sich hinein. Notieren Sie sich alles, was Ihnen dabei in den Sinn kommt, und seien Sie dabei möglichst achtsam.
  • Dann fragen Sie sich, welche Bedürfnisse zu Ihren Gefühlen oder Gedanken führen, und beginnen Sie einen Dialog mit Ihrem Inneren Team (s. u.).
  • Dabei kann es hilfreich sein, sich bestimmte Fragen zu stellen und dabei verschiedene Perspektiven einzunehmen.

In dem Modell des Inneren Teams von Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun wird davon ausgegangen, dass die Persönlichkeit eines Menschen aus verschiedenen, teilweise widersprüchlichen Anteilen besteht, denen wiederum unterschiedliche Bedürfnisse zugrunde liegen. Sinnvoll ist es, trotz dieser inneren Pluralität einen gemeinsamen Nenner zu finden, der sich stimmig anfühlt.

Das Resilienz-Konzept geht davon aus, dass Menschen mit Belastungen unterschiedlich gut umgehen können bzw. in verschiedenem Maße auf Ressourcen zugreifen können, um potenziellen Stressoren so zu begegnen, dass sie ihre Leistungsfähigkeit sowie ihre gesundheitliche Stabilität aufrechterhalten können. Im Grunde genommen ist es aber jedem Menschen möglich, im Falle eines Falles für eine wohltuende Psychohygiene zu sorgen:

So kann es in jenen Situationen, in denen wir zum Grübeln neigen, hilfreich sein, sich vorzustellen, dass verschiedene Persönlichkeitsanteile das Problem, um das sich unsere Gedanken kreisen, aus einer jeweils ganz spezifischen Perspektive betrachten (“Aufgaben”) und entsprechende “Fragen” stellen. Um nun einen inneren Dialog mit ihnen zu führen, ist es dienlich, diesen Anteilen einen Namen zu geben und sie in der eigenen Vorstellung zu visualisieren.

Persönlich hat es mir damals zum Beispiel sehr geholfen, einen Anwalt in mein Inneres Team einzuberufen, den ich Ben Matlock genannt habe. Er hatte die Aufgabe, mich vor mir selbst (d. h. vor meinen inneren Richter und Ankläger) zu verteidigen und mich von meinen zum Teil recht irrationalen Schuldgefühlen (zumindest ein Stück weit) freizusprechen, d.h. mich aus dem „Gefängnis“ jener Gedanken herauszuholen, in die ich leidvoll verstrickt war.

Literatur:

  • Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 3 – Das „Innere Team“ und situationsgerechte Kommunikation. Sonderausgabe, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2011 (Die Originalausgabe erschien erstmals 1981).

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