Kunst als Spiegel der Seele

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Gnōthi seautón – Erkenne Dich selbst! Blicken Sie mit lyrischer Begleitung und psychologischen Fragen durch die Masken des Seins oder lassen Sie sich Ihr Innerstes von Engeln offenbaren… Wenn Sie sich gerade mit einem Konflikt oder mit einem Problem beschäftigen und nach einer Lösung suchen bzw. Sie sich über Ihre eigenen Gefühle klarer werden möchten, dann kann Ihnen die hier aufgezeigte Methode zur Selbstreflexion dabei helfen. Ein malerischer Pfad, der die Kunst zum Schlüssel zur Seele werden lässt, liegt vor Ihnen. Vertrauen Sie Ihrer Intuition und lassen Sie sich von den Antworten Ihres Herzens überraschen!

Wir Menschen neigen manchmal dazu, über unsere Probleme auf eine Weise nachzudenken, die uns zwar vertraut ist, die aber nicht immer weiterhilft. Nicht selten drehen sich unsere Gedanken also im Kreis. Dem bekannten Psychotherapeuten Milton Erickson zufolge haben Menschen im Laufe ihres Lebens aber bereits so viele Erfahrungen damit gemacht, wie sie Probleme lösen können, dass es ihnen prinzipiell möglich sei, auch jedes noch kommende Problem selbst zu lösen. Voraussetzung dafür ist es allerdings, dass sie sich von ihren gewohnten Denkmustern frei machen und sie ihr kreatives Potenzial nutzen.

Durch den Einsatz von Bild- bzw. Fotokarten kombiniert mit zielgerichteten Fragen lassen sich unbewusste Motive und Wahrnehmungsmuster mit einer gewissen Leichtigkeit ergründen und entsprechend hierzu (oftmals ungeahnte) Ressourcen aufdecken. Derlei Visualisierungen ermöglichen eine direkte Kontaktaufnahme zu unbewussten Anteilen unseres Selbst, da sie durch ihre assoziative Wirkung etliche Schranken umgehen, die charakteristisch für unser bewusstes Denken und Wahrnehmen sind.

Mit welchen Bildern man arbeitet, ist grundsätzlich beliebig. Es gibt zahlreiche Kartensets, die man für diese Zwecke kaufen kann. Natürlich können Sie sich ein solches aber auch individuell zusammenstellen, bspw. indem Sie (Kunst-)Postkarten dafür verwenden. Wichtig hierbei ist es m. E. lediglich, dass Sie eine möglichst breit gefächerte Auswahl an Motiven haben. Selbst arbeite ich am liebsten mit den Bildern des Künstlers Manfred Evertz (http://manfred-evertz-art.com/das-kartenset/), bei denen ein jeweils passendes Gedicht von Christine Matha eine zusätzliche Brücke zu der in ihnen liegenden Lyrik offenbart.

Vor dem Einsatz der Karten ist es sinnvoll, die Möglichkeit zu geben, über das belastende Problem zu berichten bzw. den (inneren oder äußeren) Konflikt in angemessener Ausführlichkeit zu beschreiben, da allein das oftmals schon entlastend wirkt. Zudem ist es für den therapeutischen Prozess hilfreich, möglichst viel über die individuelle Sichtweise auf das Thema zu erfahren bzw. in die Erlebniswelt des Gegenübers „einzutauchen“, um entsprechend intervenieren zu können. Dabei geht es vor allem zunächst darum, empathisch und wertschätzend zuzuhören, Interesse zu signalisieren, also auch Verständnisfragen zu stellen, und dabei auf alles zu achten, was für den weiteren Verlauf bzw. für eine Auflösung von Bedeutung sein könnte.

Beispiel: Die Erkundung der eigenen Bestimmung

Die folgende Methode, die auf dem Modell von James Hillman fußt, eignet sich bspw. dafür, das eigene Leben bzw. immer wiederkehrende Problem mal auf eine neue bzw. ungewöhnliche Weise zu betrachten. Hierbei werden die Besonderheiten eines Lebenslaufes wertschätzend hinterfragt und somit einsichtiger. Nicht selten bewirkt bereits allein die Einnahme dieser Perspektive bei den Klienten eine spürbare Erleichterung. Zudem kann man auf diesem Wege neue Ideen bzw. konkrete Handlungsoptionen entwickeln, mit deren Hilfe sie ihrem eigenen Leben mit mehr Akzeptanz begegnen und es achtsamer gestalten können.

Der Tiefenpsychologe James Hillman hat die Theorie entwickelt, dass Menschen bei ihrer Geburt von einem Geist (also einem Teil der Weltseele) ausgewählt werden, der durch sie versucht, sich selbst auf der Weltbühne neu zu inszenieren. Im Sinne dieser Annahme ist das Leben eine Art Theaterstück, das die Weltseele aufführt, um sich selbst zu unterhalten und weiterzuentwickeln. Dadurch bekommen gewisse Lebensverläufe eine grundsätzlich andere Bedeutung bzw. werden bestimmte Dramen ohne eine Psychopathologisierung erklärbar. Stellt sich ein Mensch gegen seine eigene Natur, versucht er also, seinen Geist zu unterdrücken, wird dieser zum Dämon und wirkt aus den Tiefen der Seele weiter, um sich Ausdruck zu verschaffen. Dadurch kommt es zu Verstrickungen, die manchmal unauflösbar erscheinen. Schwindet die Kraft, sich gegen den Geist zu wehren, kann er plötzlich mit aller Gewalt die Macht über das Leben des Betroffenen an sich reißen und dieses unversehens zu einem tragischen Ende führen. Er wird dann zu einem Dämon mit zerstörerischen Kräften. Die Grundidee von Hillman ist es, den eigenen Geist zu erkennen und sich mit ihm zu arrangieren, d. h. sich nicht gegen dessen Eigenarten zu wehren, sondern nach Wegen zu suchen, sie mit dem Leben in dieser Welt zu vereinbaren. Dieses therapeutische Modell müssen Sie selbstverständlich nicht wörtlich nehmen. Es ist vor allem eine nützliche Metapher, die Ihren Klienten dabei helfen kann, die eigenen Wesenszügen besser zu akzeptieren, auch wenn sie manchmal befremdlich erscheinen.

Vielleicht mögen Sie diese Methode selbst einmal ausprobieren? Folgen Sie hierzu einfach den folgenden Instruktionen:

Schritt 1: Das Leben als Bühnenstück

  • „Wenn Sie jemandem die Rolle Ihres eigenen Lebens mit ein paar kurzen Sätzen erklären sollten, der es bspw. verfilmen möchte, wie würden Sie diese beschreiben? Versuchen Sie, ein Gleichnis dafür zu finden.“

Hillman selbst hat vor allem Figuren aus der griechischen Mythologie (wikipedia.de) für sein Modell genutzt. Man kann m. E. aber auch andere Gleichnisse (bspw. Heldengeschichten aus bekannten Filmen oder Büchern) dafür verwenden.

Beispiele:

  • Ein Leben, wie das von Sysyphos, der einen Felsblock den Hang hinaufrollen muss, wobei dieser dann immer wieder nach unten rollt, sobald er sein Ziel erreicht zu haben scheint
  • Der endlose Kampf gegen Windmühlen (Don Quichote)
  • Das Mädchen, das nicht erwachsen werden will (Pipi Langstrumpf)
  • Der Schalk, der die Welt an der Nase herumführt (Till Eulenspiegel)
  • Die zauberhafte Dame, die trotz allen Glanzes im Außen ihr wahres Glück im Inneren nicht findet (Marilyn Monroe)
  • Pinnocchio, der sein Leben lang die blaue Fee sucht, um endlich ein richtiger Junge zu werden
  • Das Mädchen, das andere durch die Frage nach dem „Warum?“ dazu veranlasst, ihr Handeln zu überdenken (Momo)
  • Das Leben als (Box-)Kampf (Rocky Balboa)
  • Siddhartha, der Weg zum inneren Frieden durch Loslösung vom Weltlichen
  • Die Jungfrau von Orleans, die der Versuchung der Liebe erliegt und dadurch ihre Reinheit verliert

Schritt 2: Schicksal und Entwicklungschance

  • Wenn Sie sich vorstellen, ein Dämon oder Geist würde Sie zwingen, seiner Bestimmung in diesem Leben gerecht zu werden, welches Bild würde diesen am ehesten repräsentieren?

Wählen Sie nun ein Bild aus, in dem dieser Geist mit all seinen Eigenarten sichtbar wird. Anschließend sprechen Sie mal über das ausgewählte Bild, dann wieder über den Geist bzw. über die besondere Problematik:

  • Warum haben Sie dieses Bild ausgewählt?
  • Welchen Namen würden Sie Ihrem Geist geben? Was will er? Warum tut er das?
  • Welche Personen aus Ihrem sozialen Umfeld helfen Ihrem Geist dabei, sich in Ihrem Leben zu verwirklichen? Mit welchen Personen steht Ihr Geist in Resonanz?
  • Was hat sich der Geist dabei gedacht, dass er Ihnen Ihre Eltern bzw. Familie ausgewählt hat? Welche Herausforderung durften Sie deshalb erleben?
  • Wie könnten Sie dem Geist gerecht werden, ohne dabei zu große Reibungsverluste zu erleiden? Wie könnten Sie sich mit Ihrem Geist arrangieren?
  • Welches Bild würde dieses Arrangement am ehesten erfassen?

Wählen Sie jetzt ein zweites Bild aus, welches das besagte Arrangement am ehesten zum Ausdruck bringt. Alternativ dazu können Sie sich auch die Frage stellen, was sich auf dem ersten Bild verändern müsste, und dann darüber nachdenken, was diese Veränderungen in Ihrem Leben bedeuten würden.

  • Warum haben Sie dieses (zweite) Bild ausgewählt? Alternativ: Was würden die Veränderungen auf dem Bild für Sie bedeuten?
  • Welche konkreten Schritte können und wollen Sie nun für sich daraus ableiten?
  • Was werden Sie tun, um Ihrem Geist das Leben zu ermöglichen, das er sich für Sie ausgesucht hat?

Schritt 3: Entwicklung von Handlungsoptionen

Stellen Sie sich nun vor, Sie könnten mit dem Geist sprechen (ggf. Anwendung der Stuhltechnik):

  • Welche Ratschläge würde er Ihnen geben und welche davon möchten Sie befolgen?
  • Wie könnten Sie das so tun, dass es Ihnen dabei gut geht?
  • Was möchten Sie in Ihrem Leben verändern, um sich besser mit Ihrem Geist zu arrangieren? Was können Sie schon heute konkret dafür tun?

PS: “Der Lösung ist es egal, wie das Problem entstanden ist.” Steve de Shazer

Literaturhinweis:

  • James Hillman & Michael Ventura (1999). Hundert Jahre Psychotherapie – und der Welt geht’s immer schlechter. The Grüne Kraft.

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