Rezension: „Lösungsorientierte Supervisions-Tools“ von Heidi Neumann-Wirsig

Da ich nun schon seit vielen Jahren auch lösungsorientiert arbeite und immer wieder Unterrichtsreihen zu diesem Thema anbiete, war ich gespannt auf die Umsetzung dieses Titels.

Lösungsorientierte Supervisions-ToolsAufgrund der Erkenntnis, dass ich mich ohnehin nicht an alles erinnere, wenn ich ein solches Buch von A bis Z durchlese, habe ich mich dieses Mal entschieden, mir zunächst nur die Überschriften, dann einige Abschnitte genauer anzusehen und den Rest zunächst lediglich zu überfliegen. Erleichtert wurde mir dieses Vorgehen durch die hervorragend durchdachte Struktur des Buches, das die Tools nicht nur den fünf möglichen Phasen einer Supervision, sondern jene des Hauptteils („Schritte auf dem Weg zum Ziel/zur Lösung“) auch bestimmten Themen zuordnet. Hierbei geht es um Entscheidungsfindungsprozesse, die Stärkung der Zusammenarbeit, die Initiierung von Aktivitäten bzw. das „auf den Weg bringen“ eines Anliegens, kontroverse Themen, die Veränderung von Mustern sowie die Generierung von Ressourcen aus dem Vergangenen. Eine Übersichtstabelle gibt zudem Auskunft darüber, in welchem Setting sich diese am besten anwenden lassen (Einzel-, Gruppen- oder Teamsupervision).

Aufgrund der wunderbaren Einleitung, in der die zentralen Konzepte erläutert werden, eignet sich das Werk auch für diejenigen, die bislang nur wenig Berührung mit der Lösungsorientierung hatten. Die vielen Fragetypen, die in der Praxis von großem Nutzen sind, findet man in den verschiedenen Abschnitten wieder. Sollte man noch keine oder nur wenig Erfahrung mit ihnen haben, empfiehlt es sich, diese einmal abzuschreiben, um sie dann im Rahmen der einzelnen Übungen an passender Stelle einsetzen zu können. Da die Beschreibungen der Methoden recht kompakt gehalten wurden, sind hier und da gewisse Vorkenntnisse erforderlich, um die Tools professionell anzuwenden. Mir hat aber gerade diese Reduzierung auf das Wesentliche sehr gut gefallen.

Der didaktische Aufbau des Buches ist ausgezeichnet gelungen. Jedes Tool wird kurz beschrieben, anschließend werden die Anwendungsbereiche aufgezeigt, die Zielsetzung bzw. mögliche Effekte dargestellt, woraufhin die Leser Schritt für Schritt durch die jeweilige Übung geführt werden. Am Ende findet man noch ein paar besondere Hinweise der Autoren sowie passende Literaturangaben zur Vertiefung.

Obwohl sich bereits zahlreiche Bücher in meinem Regal stapeln, in denen es um Tools geht, freue ich mich über jede neue Idee, die mir dabei hilft, künftig noch individueller auf bestimmte Fragestellungen reagieren zu können. Davon ließen sich hierin einige finden. Sofort zum Ausprobieren angeregt haben mich „Ob’s stürmt oder schneit“, die „Motivationsstrukturaufstellung“ sowie „Wen von mir möchte ich antworten lassen“. Heidi Neumann-Wirsig (die Herausgeberin) lässt in Ihrem Werk zahlreiche erfahrene Supervisoren zu Wort kommen, die jene (insgesamt 50) Methoden vorstellen, mit denen sie wohl besonders gute Erfahrungen in ihrer Arbeit gesammelt haben. Das macht es zu einer wahren Fundgrube. Einziger Schwachpunkt sind die m. E. wenig hilfreichen Online-Materialien, die zum Download auf der Seite des Verlags bereitliegen. Abgesehen davon ist diese Neuerscheinung aber rundum gelungen!

Heidi Neumann-Wirsig (2016). Lösungsorientierte Supervisions-Tools. managerSeminare Verlags GmbH.