Wenn der Tod uns zwingt, Abschied zu nehmen …

Trauer ist ein schwieriger Prozess. Der Verlust eines geliebten Menschen macht uns oftmals sprachlos und kann quälende Selbstzweifel oder Schuldgefühle auslösen. Dauert die Traurigkeit längere Zeit an, ist sie zu leidvoll oder mündet sie sogar in einer Depression, kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch dieser Weg ist für viele Menschen beschwerlich und mit zusätzlichen Ängsten (bspw. vor einer Stigmatisierung) verbunden. Zudem stellt sich die Frage, welchen Sinn es überhaupt machen sollte, über einen solchen Schmerz zu sprechen? Die Antwort ist einfach: Jedes Leben ist wertvoll, auch das eines oder einer Trauernden! Ein gebrochenes Herz sucht Trost und es sollte diesen finden, bevor der ganze Mensch zerbricht.

„Trennung ist unser Los, Wiedersehen ist unsere Hoffnung.“ Augustinus

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Es ist wohl selbstverständlich, dass jeder Abschied auf individuelle Art erfahren wird. Wie Verena Kast in ihrem Modell aufzeigt, ist es allerdings vollkommen normal, nach dem Verlust eines geliebten Menschen (vier) verschiedene Phasen der Trauerbewältigung zu durchleben. Nach der durchaus menschlichen Reaktion des Leugnens bzw. Nicht-wahrhaben-Wollens, mit der ein solcher Prozess i. d. R. beginnt, folgen zumeist intensive Gefühle, die einen mit voller Wucht überkommen können. Anschließend beginnt vielleicht ein innerer Dialog mit dem Verstorbenen, der im optimalen Falle dazu führt, dass dieser zu einem inneren Begleiter wird, den man loslassen und gleichzeitig weiterhin in sich tragen darf. Erst dann scheint sich die Bereitschaft entwickeln zu können, das Geschehnis zu akzeptieren und wieder nach vorn zu schauen. All diese Phasen benötigen aber ihre Zeit, die man sich auch nehmen sollte! Rituale und vor allem Gespräche können einem dabei helfen, solch leidvolle Erfahrungen zu verarbeiten und sich wieder aufzurichten.

Wem aber nützt ein solches Modell, wenn das Herz schwer und voller Trauer um einen anderen Menschen ist? Es erscheint befremdlich, dass man heutzutage möglichst schnell aus der Phase des Trauerns herausgekommen sein sollte, möchte man sich nicht dem zunehmenden Unverständnis seines Umfeldes aussetzen.

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ Bertolt Brecht

Im Rahmen meiner Tätigkeit durfte ich bereits einige Male durch die schwierige Zeit des Abschiednehmens begleiten und an den vielen schönen Erinnerungen teilhaben, die so wertvoll für die Hinterbliebenen sind. Die Herzenswärme, die bei der Betrachtung alter Fotos und in den Erzählungen spürbar wird, ergreift mich immer wieder und sie zeigt mir auf, welchen tieferen Sinn ein verlorenes Leben hatte: Eine Bedeutsamkeit, die kaum in Worte zu fassen ist. Als wesentliche Erkenntnis konnte ich für mich mitnehmen, wie hilfreich es für die Betroffenen schon ist, offen über ihre Gefühle sprechen zu dürfen.

Lassen Sie sich also nicht davon abbringen, um einen geliebten Menschen zu trauern, und gehen Sie dabei möglichst verständnisvoll mit sich selbst um. Mir persönlich zeigt es jedenfalls, wie wichtig und besonders eine Beziehung war. Trauer bzw. Traurigkeit gehört zur menschlichen Natur, auch wenn sie länger anhält. Finden Sie ggf. jemanden, dem Sie Ihre Gefühle und Erinnerungen ohne Vorbehalte mitteilen können. Es ist ein Unding, von sich selbst zu fordern, die Vergangenheit einfach ad acta legen zu müssen, nur damit es irgendwie weitergeht. Aber lassen Sie sich deshalb nicht den Mut nehmen, Ihr eigenes Leben trotzdem fortzusetzen. Hermann Hesse bringt es m. E. in seinem Gedicht „Stufen“ sehr schön auf den Punkt: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Engel der Verlassenheit

Sich diese Trauer verbieten zu wollen, sie zu unterdrücken oder sich „zusammenzureißen“, ist also m. E. keine gute Lösung. Der Wert einer Beziehung entsteht durch Gefühle, die man füreinander empfindet. Eine schöne Idee ist es deshalb, Verstorbene zu inneren Begleitern werden zu lassen und sich das Gefühl der Verbundenheit dauerhaft zu bewahren. Doch wie kann das gelingen?

1. Reflektieren Sie Ihre Begegnung.

  • Was verbindet Sie mit diesem Menschen?
  • Was haben Sie an ihm oder ihr besonders gemocht und wertgeschätzt?
  • Was war das Besondere an Ihrer Beziehung?
  • Auf welche gemeinsamen Erlebnisse blicken Sie gern zurück?

2. Konzentrieren Sie sich auf das Gefühl der Dankbarkeit.

  • Gibt es etwas, das Sie diesem Menschen verdanken?
  • Haben Sie etwas von ihm oder ihr lernen dürfen?
  • Wie hat dieser Mensch Ihr Leben beeinflusst oder verändert?
  • Woran haben Sie gemeinsam Freude gehabt?

3. Entwickeln Sie ein inneres Bild

  • Was glauben Sie, wie dieser Mensch Ihnen gern in Erinnerung bleiben würde?
  • Welche Äußerungen oder Gesten verbinden Sie mit ihm oder ihr?
  • Wie möchten Sie diesen Menschen künftig in Ihrem Herzen tragen?

Stellen Sie sich vor, Sie könnten auch weiterhin mit ihm oder ihr kommunizieren. Sprechen Sie über die schönen Zeiten, die Sie gemeinsam erleben durften, und über das, was Sie besonders mochten. Suchen Sie in Ihrem Herzen weiterhin jene Nähe, die Sie miteinander erleben durften. Tun Sie dies vor allem dann, wenn Sie allein sind, und entwickeln Sie dazu vielleicht eine Art Ritual.

  • Worüber könnten Sie mit ihm oder ihr sprechen?
  • Und was würde er oder sie sich für Sie nun wünschen?

Vor allem aber seien Sie nachsichtig mit sich selbst und nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um sich auf Ihre Weise zu verabschieden… Und dann richten Sie sich wieder auf!

Buchtipp: „Blicke hinter den Horizont“ von Jörgen Bruhn

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Welche Gemeinsamkeiten lassen sich in den Erinnerungen jener Menschen finden, die für eine kurze Zeit klinisch tot waren? Gibt es tatsächlich eine Art „Schleuse“, die uns in eine andere Dimension führt? Was hat es mit dem berühmten „Licht am Ende des Tunnels“ auf sich? Welche Schlüsse lassen sich aus den unzähligen Berichten über Nahtoderlebnisse ziehen? Was sagen Gelehrte und Geistliche dazu? Ist das alles nur eine Illusion oder ist doch etwas Wahres daran.

Müssen wir uns also vor dem Tod fürchten? Gibt es eine Seele, die unseren physischen Körper überlebt? Was sagen bspw. Carl Gustav Jung, Sokrates oder Arthur Schopenhauer dazu? Wenn Sie sich für diese Fragen interessieren, sollten Sie dieses Buch lesen, unabhängig davon, woran Sie glauben.

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Literatur:

  • Kast, Verena (2001). Trauer. Kreuz-Verlag.
  • Bruhn, Jörgen (2013). Blicke hinter den Horizont (3. überarbeitete Auflage). Alsterverlag Hamburg.