Rezension: „Mobbing erfolgreich bewältigen“ von Dr. Josef Schwickerath

„Nicht wie der Wind weht, sondern wie wir die Segel setzen, darauf kommt es an.“

Mit diesem Zitat beginnt dieser wertvolle Ratgeber von Dr. Josef Schwickerath, Leitender Psychologe der AHG Klinik Berus, der sich mit vielen praktischen Hilfestellungen vor allem an Betroffene wendet, aber auch für jene interessant ist, die sich beruflich mit dem Thema befassen. Bereits im Vorwort von Prof. Dr. Dieter Zapf (Goethe-Universität Frankfurt) wird die herausragende Rolle erwähnt, die der Autor in diesem Arbeitsfeld einnimmt. Er gilt als einer „der ersten, der deutlich gemacht hat, wie bedeutsam es für Mobbingbetroffene ist, Abstand von der Mobbingsituation zu bekommen.“ Die Inhalte des Buches beruhen auf seiner mehr als 15-jährigen Beschäftigung mit über 2500 Mobbingpatienten im Rahmen der stationären Therapie bzw. medizinischen Rehabilitation. Um ein Verstehen und Bewältigen des Phänomens „Mobbing“ zu ermöglichen, nimmt er Bezug auf das Erleben und die möglichen Symptome der Betroffenen sowie auf die Eigenarten der Mobber und die Zustände der Arbeitsstelle. Äußerst feinfühlig und auf leicht verständliche Weise beschreibt Dr. Schwickerath, welche Schritte ihm bei der Aufarbeitung einer Mobbingerfahrung wichtig erscheinen. Hierbei geht er zunächst auf die Veränderungen der Arbeitswelt und ihre möglichen Auswirkungen auf die (psychische) Gesundheit ein und beantwortet in den sich anschließenden Kapiteln folgende Fragen:

  • Was ist Mobbing, wo kommt es her und wo kommt es vor?
  • Macht Mobbing krank?
  • Wie kann ich Mobbing im Vorfeld vermeiden?
  • Wie kann ich Mobbing bewältigen? Wie kriege ich Abstand? Wo will ich hin und was kann ich tun?
  • Wo finde ich Hilfe?

Sehr gelungen ist die kompakte Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse, die vor allem jenen, die sich noch nicht mit dem Thema befassen mussten, dabei hilft, einen fundierten Überblick zu bekommen. Sorgfältig wird in den entsprechenden Kapiteln alles Wissenswerte zusammengetragen und mit vielen Fallbeispielen so aufbereitet, dass es Betroffene dabei unterstützt, die eigene Situation besser verstehen zu können. Besonders gut gefällt mir die einfühlsame Erläuterung dessen, woran jemand an sich selbst arbeiten kann, sollte er oder sie Schikanierungen bzw. Ausgrenzungen ausgesetzt sein. So werden viele wirkungsvolle therapeutische Konzepte und Interventionen beschrieben und mit jeweils einer praktischen Übung zur Selbstreflexion abgerundet. Hervorzuheben ist auch die Darstellung der Stufen eines angeratenen Problemlösungsprozesses anhand entsprechender Fragen (1. Problemorientierung, 2. Situationsanalyse, 3. Zielfindung, 4. Entwicklung und Bewertung verschiedener Lösungsmöglichkeiten und Treffen einer Entscheidung, 5. Erstellung eines Handlungsplans, 6. Ausführung, 7. Überprüfung). Auch wenn dieses Buch eine eventuell erforderliche Therapie nicht ersetzt, können die in ihm enthaltenen Hilfestellungen den ein oder anderen vielleicht davor bewahren, sich in der Opferrolle zu verlieren und/oder ernsthaft zu erkranken. Angenehm beim Lesen ist zudem, dass von unsachgemäßen Überbetreibungen abgesehen wird und der Autor in keiner Weise dazu neigt, einem Schubladendenken anheim zu fallen. Die relevanten Aspekte werden allesamt differenziert und mit hinreichender wissenschaftlicher Exaktheit dargestellt, bleiben aber jederzeit verständlich.

Hilfreich sind zudem die Hinweise auf entsprechende Unterstützungsangebote und rechtliche Bestimmungen. Ergänzt wird das Werk durch Arbeitsmaterialien, die auf der Webseite des Verlags zum Download bereitstehen. Dadurch ist die Lektüre auch empfehlenswert für Menschen, die sich beruflich mit dem Thema befassen.

Fazit: Unter den unzählig vielen Ratgebern zum Thema „Mobbing“ gehört dieser zweifelsohne zu den besten. Es ist spürbar, dass Dr. Schwickerath weiß, wie wichtig es ist, die eigenen Bedürfnisse und Interessen ernst zu nehmen!

Josef Schwickerath (2014). Mobbing erfolgreich bewältigen. In vier Schritten aus der Mobbingfalle. Beltz Verlag.