“Der Weg von Vereinfachungs- zu Verschwörungsillusionen” von Prof. Dr. Julius Kuhl

Wie ließe sich eine Spaltung unserer Gesellschaft in die Lager der (1.) stetig Misstrauischen bzw. der sogenannten “Aluhut-Träger” und (2.) den scharfen Kritikern der Anhänger fragwürdiger “Verschwörungstheorien”, die im Namen einer (manchmal überdehnten) politischen Korrektheit bekämpft werden, verhindern bzw. eine konstruktive Diskussion zwischen ihnen ermöglichen?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich zunächst kurz auf einen Text von Klaus Eidenschink hinweisen, in dem er sich mit den Ursachen beschäftigt, warum Menschen überhaupt dazu neigen, an Verschwörungstheorien zu glauben. Anschließend erörtert Prof. Dr. Julius Kuhl (PSI-Impuls 4b), was die Kommunikation mit diesen Menschen – aber auch jene mit ihren Kritikern – so schwierig macht, und zeigt auf, wie sie trotzdem gelingen kann.

  • Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?

In dem Artikel Sagt die Wahrheit (www.metatheorie-der-veraenderung.info) analysiert der Organisationsberater, Coachingausbilder und Exekutive-Coach Klaus Eidenschink den psychologischen Hintergrund von Verschwörungstheorien. Dabei sucht er nach Antworten auf die Frage, woher der erstaunliche Wunsch von Menschen kommt, an (verborgene) böse Mächte in dieser Welt zu glauben und diese demaskieren zu wollen? Was geschieht in Menschen, die sich so gebärden? Seiner Ansicht nach sind es im Wesentlichen drei seelische Muster (identitätsstiftende Demaskierung, ohnmachtsgetriebene Rache und unbewusste Angstprojektionen), für die Verschwörungstheorien eine ganz wichtige Funktion haben. “Menschen mit solchen Mustern suchen geradezu solche Theorien – je gefährdeter, labiler, verunsicherter und gestresster sie sich fühlen, desto mehr! […] Allen drei Varianten ist […] jedoch gemeinsam, dass es vollkommen nutzlos ist, mit inhaltlichen Argumenten auf sie einzugehen. Die Problematik ist nämlich keine denkerische, sondern eine durch und durch emotionale. Wenn Einwirkung möglich ist, dann durch Begegnung bzw. emotionalen Kontakt, aber nicht durch Diskussionen.“

Manfred Evertz / www.manfred-evertz-art.com


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“Das Unbehagen in der Kultur” von Prof. Dr. Julius Kuhl

Im Vergleich zu dem vor gut hundert Jahren zunehmenden “Unbehagen in der Kultur”, das Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, in seiner gleichnamigen Schrift thematisierte, können wir heute z. T. ähnliche, teilweise aber auch andere Gründe für die viel diskutierten “Krankheitssymptome” der Gesellschaft ausmachen. Symptome und vermutete Ursachen bilden ein verwirrendes Geflecht von sich gegenseitig verstärkenden oder hemmenden Faktoren: Neoliberalismus, Radikalkapitalismus, postmoderne Beliebigkeit, Pseudo-Toleranz, Werteverlust, Fremdenhass, Machtaversion (auch bei integrativen Führungsstilen), Verschwörungstheorien, politische Korrektheit, Blut-und-Boden-Patriotismus, Informationsüberflutung, Informationsbulimie (“zu viel rein und zu viel raus”), Hassbotschaften, eine Neigung zum Spalten (der Gesellschaft, in Beziehungen und innerhalb der Person), Empathiemangel, Egomanie, Depersonalisierung, Kontrollwahn, Vereinfachungsillusionen, Urteilsschwäche, narzisstische, antisoziale und paranoide Persönlichkeitsstörungen und last not least: Verlust des Grundvertrauens “in Gott und die Welt”: Es mangelt wahrlich nicht an Beschreibungen der Symptome und ihren potenziellen Ursachen. Es scheint schier unmöglich, sich in diesem Dickicht von irgendwie zusammenhängenden Einflussfaktoren zurechtzufinden.

  • Die Spaltung der Wissenschaften

Groß sind die Erwartungen an die Wissenschaft — womit jedoch schon das nächste Problem angesprochen ist. Die Wissenschaft gibt es ja gar nicht. Wenn hier einigermaßen gesichertes Wissen helfen sollte, dann müssten Antworten aus verschiedenen Disziplinen zusammengebracht werden, die bereits in der Aufzählung einiger Bestandteile des erwähnten Symptomgeflechts anklingen: Wirtschaftswissenschaften, Philosophie, Soziologie, (Neuro-)Biologie, Genetik, Psychologie und — Theologie (wobei letztere den meisten Zeitgenossen heute allenfalls als “Letztes” einfällt, obwohl sie doch ursprünglich die Entstehung der ersten Universitäten vorangetrieben hatte). Die erwähnte Tendenz zum Spalten betrifft allerdings auch die Wissenschaften; sie zerfallen in immer kleinere Spezialthemen und Minitheorien, zwischen denen wenig oder gar kein Austausch stattfindet. Dabei verlaufen die Spaltungslinien sowohl zwischen als auch innerhalb der Fächer. Das bedeutet, dass die verschiedenen Disziplinen die Frage nach den inneren Zusammenhängen zwischen den vielen Symptomen und vermuteten Ursachen oft in die Spalten zwischen den einzelnen Forschungsthemen fallen lassen.

  • Die Abwehr negativer Affekte

Bei allen Schwierigkeiten, hoch komplexe Zusammenhänge in der existierenden Forschungslandschaft zu untersuchen, möchte ich einen kleinen Lichtblick für den psychologischen Beitrag zur Klärung des Verursachungsgeflechts aufzeigen, den wir aus den Systemwissenschaften ableiten können. Wenn man ein großes Netz aus undurchsichtigem Gewässer ziehen will, braucht man nicht jeden einzelnen Knoten anzufassen. Wichtiger ist es, an einem gut platzierten Knoten mit großer Kraft und Ausdauer zu ziehen, um das ganze Netz freizulegen. Beginnen wir mit den heute wieder hoch “virulenten” Verschwörungstheorien, speziell mit dem Satz, der von Anhängern dieser wie einiger anscheinend verwandter Bewegungen zu hören ist: “Das wird man doch wohl noch sagen dürfen”. Da das Folgende kein Witz ist, darf ich die Pointe bereits vorwegnehmen: Es liegt hier ein gefährliches Missverständnis vor, das nicht nur auf Seiten der Sender, sondern auch auf Seiten der Adressaten besteht. Beide Seiten haben eines gemeinsam: Sie greifen gern zu raschen Methoden der Abwehr von negativen Affekten wie Unsicherheit, Schwäche, Schmerz und Angst, die nicht selten auf mangelnde Komplexitätstoleranz zurückgeht. Zudem verwechseln die sich Beklagenden das “Sagen dürfen” häufig mit “Zustimmung erhalten” und so manche ihrer Kritiker verwechseln politische Korrektheit mit Urteilsstärke und moralischer Verantwortung, nämlich dann, wenn sie die Grenzen dessen, was man nicht sagen darf oder mit wem man nicht diskutieren darf, überdehnen. Dies ist ein guter Ausgangspunkt für die persönlichkeitspsychologische Mikroanalyse, nicht nur zur Identifikation gestörter Prozesse, sondern auch zur Auffindung von Lösungen zur Überwindung der Störungsursachen. Die Pointe positiv gefasst: Alle Akteure verschiedener Lager können wieder zu einem konstruktiven Miteinander zusammenfinden, wenn sie Angstabwehr durch selbstkonfrontative Dialektik ersetzen.

  • Mögliche Ursachen des Unbehagens

Wie lässt sich diese kurze Skizzierung des Gesamtsystems der Verbindungen zwischen den vermuteten Symptomen und Ursachen des “Unbehagens in der Kultur” genauer fassen? Antworten sind von den Systemwissenschaften zu erwarten. Sie haben inzwischen nicht nur die psychologische Praxis (1, 2), sondern auch die psychologische Grundlagenforschung erreicht (3). Beginnen wir die systemische Funktionsanalyse an einem der Hotspots: Bei den Anhängern massiver Verschwörungsillusionen wurden z. B. “externalisierende” Persönlichkeitsstörungen vermutet und z. T. auch nachgewiesen (Sündenbock-Zuschreibungen): Größenfantasien und Besserwissergehabe (Narzissmus), Gewissen- und Rücksichtslosigkeit (antisoziale Störungen) und paranoider Intentionalisierungszwang (negative Ereignisse werden den Intentionen fremder Mächte zugeschrieben). Die Funktionsanalyse macht auf einen Wirkmechanismus aufmerksam, den diese Persönlichkeitsstörungen auch mit den Akteuren gemeinsam haben, auf die solche pathologisierenden Kategorien gar nicht passen: Die sich Beklagenden (“Das wird man wohl noch sagen dürfen”) – aber auch deren Kritiker – neigen nicht selten zur Abwehr negativen Affekts, die sich allerdings in beiden Gruppen unterschiedlicher Methoden bedient.

  • Die Neigung zur Externalisierung

Verschwörungsaffine Menschen scheinen zu einer externalisierenden Haltung zu neigen, um negativen Affekt wie Unsicherheit, Schwäche, Schmerz, Angst und Komplexität durch eine fluchtartige Aktivierung des für den gelassenen Weitblick zuständigen psychischen Systems zu suchen. Dieses System nennen wir das integrierte Selbst, das alle persönlich relevanten Lebenserfahrungen in einem ausgedehnten Netzwerk zusammenführt. Wenn der Selbstzugang allerdings derartig “fluchtartig” gesucht wird, verflacht die Selbstentwicklung, weil zu wenig neue, oft auch schmerzhafte Erfahrungen angeschaut werden.

  • Varianten überaktivierter mentaler Systeme

Funktionsanalytisch lassen sich übrigens auch die Unterschiede zwischen den drei genannten Externalisierungsvarianten begründen. Jede dieser drei Varianten lässt sich auf ein zusätzlich zum panoramischen Blick des Selbst überaktiviertes mentales System zurückführen:

  1. Bei übertrieben Misstrauischen können wir das ungerechtfertigte Zuschreiben von bösen Absichten auf die zusätzliche Aktivierung des Intentionsgedächtnisses zurückführen (bzw. der damit verbundenen Dämpfung positiven Affekts),
  2. bei den narzisstischen Besserwissern auf die Zusatzaktivierung der Intuitiven Verhaltenssteuerung und der damit verbundenen Sensibilität für positive Stimmungslagen und
  3. den rücksichtslosen Soziopathen stehen zusätzlich zu ihrem ständig verfügbaren und deshalb unterentwickelten Selbst (umfassendes Selbstwachstum braucht ja die Dialektik zwischen Zulassen von negativem Affekt und Selbstkontakt) eine hoch effiziente Handlungskompetenz zur Verfügung, die behände zwischen Intentionsbildung und intuitiver Ausführung wechselt.
  • Übertriebene politische Korrektheit

Bei den Kritikern der Verschwörungsgeneigten können andere Abwehrformen im Vordergrund stehen. Dazu gehört vor allem der kontrollierende Stil. Der lässt eine allzu eifrige politische Korrektheit leicht in eine Überdehnung von (Sprech-)Tabus münden. Überdehnung der politischen Korrektheit kann passieren, wenn man die soziale Missbilligung oder Ächtung bestimmter Wörter übertreibt und meint, die befürchteten Phänomene wie Diskriminierung, männlichen Chauvinismus oder andere Grenzüberschreitungen durch Verbote potenziell abwertender Begriffe wie auf magische Weise verbannen zu können. Vor diesem Hintergrund sollte Protesten gegen das beklagte Sprechverbot nicht voreilig jede Berechtigung abgesprochen werden, etwa durch den Hinweis auf die (Rede-)Freiheit, die wir doch in der demokratischen Gesellschaft genießen: Könnte es nicht sein, dass das Unbehagen an den Sprechverboten z. T. auch in einer intakten Demokratie berechtigt sein kann, wenn wir es mit der politischen Korrektheit übertreiben? Die psychologische Funktionsanalyse macht aber auch das erwähnte Missverständnis der “Sprechverbots-Opfer” deutlich: Deren Verwechslung des “Sagen dürfen” mit “Zustimmung erhalten” beruht auf demselben Entwicklungsproblem, das auch bei den anderen Abwehrformen zur erwarten ist: Wer auf Zustimmung fixiert ist und sich in mediale oder sonstige Blasen Gleichgesinnter einrichtet, ist — vielleicht sogar ähnlich wie diejengen ihrer Kritiker, die andere Formen der Angstabwehr bevorzugen — nicht willens oder nicht in der Lage, sich auf die Dialektik zwischen Zulassen von Angst und Schwäche und seiner kreativen Bewältigung durch ein differenzierungs- und urteilsstarkes Selbst einzulassen.

  • Die “intuitive Intelligenz” des Selbst

Die genauere Analyse der Dialektik zwischen Zulassen von negativem Affekt und seiner kreativen Bewältigung durch ein zunehmend urteilsstarkes Selbst zeigt eine wichtige Besonderheit auf: Die gleichzeitige Separierbarkeit (unvermischt) und Verbundenheit (ungetrennt) von neuen und alten Erfahrungen, Wahrnehmungen oder Denkschritten (4). Sie ermöglicht komplexe Urteile und Entscheidungen, die viele, zunächst einzeln beachtete “Objekte” integrieren, z. B. Argumente, Denkschritte, Wahrnehmungen. Und wenn alle diese einzelnen Objekte trotz ihrer Verbindungen mit dem Netzwerk der relevanten Lebenserfahrungen (d. h. mit dem Selbst) ihre Eigenständigkeit behalten, ist es möglich, auch intuitive Entscheidungen bei Bedarf später authentisch zu begründen, ohne in ein nachträglich rechtfertigendes “Narrativ” zu verfallen: Man kann viele der Einzelheiten, die im Laufe der Selbstentwicklung intuitiv in einer komplexen Entscheidung berücksichtigt sind, wieder bewusst machen, weil sie ja einmal einzeln angeschaute Argumente, Denkschritte oder Wahrnehmungen waren. Ein Beispiel für dieses Zusammengehen von Verbundenheit und Autonomie, für die bleibende Eigenständigkeit der integrierten Elemente ist eine bestimmte Form von Zweierbeziehung: Zwei Menschen können ein Paar werden (ungetrennt), ohne dass jeder seine Eigenständigkeit und Autonomie verliert. Sie sind dann “unvermischt” und trotzdem “ungetrennt”. Zwei Menschen können sehr verschiedene Meinungen haben und sie gegenseitig würdigen, ja sogar an ihnen wachsen, ohne befürchten zu müssen, dass der eigene Standpunkt verloren geht. Dabei verdient der Dialog zwischen dem bewussten, unterschiedssensiblen System (“Objekterkennung”) und dem ganzheitlichen, mehr intuitiv fühlbaren, als verbalisierbaren persönlichen Erfahrungsnetzwerk (dem “Selbst”) durchaus die Bezeichnung “rational”. C. G. Jung zählte das intuitive, ganzheitliche Fühlen zu den rationalen Funktionen: Warum sollte man einem intuitiven (unbewussten) System, das viele rationale Argumente, Gedanken mit der Gefühlswelt eines Menschen zusammenführt, die Bezeichnung rational absprechen?

  • Die Irrationalität der “einfachen Intuition”

Damit unterscheidet sich allerdings die intuitive Intelligenz eines kreativ wachsenden, urteilsstarken Selbst von der einfachen Intuition, die in der hier zitierten Systemanalyse der Persönlichkeit als Komponente der Intuitiven Verhaltenssteuerung (IVS) aufgefasst wird: Die elementare Intuition, die C. G. Jung als eine irrationale Funktion bezeichnete, ermöglicht nicht das Herauslösen einzelner Informationen. Das IVS kann sehr viele Kontextaspekte in die unmittelbare Handlungssteuerung einfließen lassen, z. B. beim Tanzen auf einer dicht besetzten Tanzfläche oder bei komplexen Sportarten wie Fußball oder Tennis. Die meisten Wahrnehmungen, die auf dieser elementaren (“irrationalen”) Ebene intuitives Verhalten beeinflussen, sind nicht ohne Weiteres einzeln dem Bewusstsein zugänglich: Viele Aktivitäten einzelner Muskelfasern, der Wahrnehmungen aus dem Sehen, Hören, Tasten und dem Gleichgewichtsorgan sind in dem intuitiven Netzwerk der Verhaltenssteuerung verschmolzen (fusioniert). Sie können und brauchen nicht als Einzelheiten bewusst gemacht werden. Wenn intuitive Entscheidungen aus diesem System kommen, sind sie kaum authentisch begründbar (allenfalls durch nachträgliche Konstruktionen: rationalisierende Narrative). Hier wird verständlich, warum es so schwierig ist, mit Menschen zu argumentieren, die ganz aus ihrer elementaren, assimilativen Intuition entscheiden und handeln (was durchaus für viele Hassbewegte und Verschwörungstheoretiker zutreffen mag). Solange sie einseitig in der intuitiven Verhaltenssteuerung verhaftet sind, steht ihnen nur die Form der Kommunikation zur Verfügung, die für die Intuitive Verhaltenssteuerung charakteristisch ist: Gemeinsame emotionale und kognitive Schwingungen auf dem Weg der gegenseitigen Ansteckung mit Gleichgesinnten zu suchen.

  • Filterblasen und Echokammern

Die Forschung zur Funktionsweise der Spiegelneuronen ermöglicht heute, diesen Prozess der elementaren Intuition mehr und mehr zu verstehen (5). Bei der Kommunikation auf der Ebene elementarer Intuition erreicht allenfalls das Ergebnis einer Entscheidung oder einer Handlung das bewusste Erleben. Die verschiedenen Emotionen, Randbedingungen, Bedürfnisse und kognitiven Erwägungen, die zu dem jeweiligen Verhalten geführt haben, bleiben im Dunkeln. Diskussionen über das Zustandekommen von Entscheidungen, Forderungen, Verhaltensweisen überfordern das System der elementaren Intuition, das nur assimilatives Wachstum kennt, d. h. das auf geringfügige, graduelle Veränderungen der eigenen Schemata festgelegte Wachstum. Diese mehr auf Bestätigung und Erhalt als auf kreative oder gar radikale Veränderungen der eigenen Schemata ausgelegte Haltung wird durch gemeinsames Schwingen innerhalb einer Blase von Gleichgesinnten gefestigt.

  • Die Auflösung emotionaler Verstrickungen

Die Funktionsanalyse hilft dabei, das sinnvolle Maß an Distanzierung zu finden, das diskussionsbereite Kritiker von Verschwörungsbewegten brauchen: Das Erkennen der zugrundeliegenden Prozesse schützt vor einer Verwicklung, die durch ein engagiertes Sicheinlassen auf Diskussion oder Empathie passieren kann und man versteht, warum noch so engagiertes Argumentieren in die Sackgasse führen kann. Anregungen für Methoden mit den Betroffenen im privaten oder beruflichen Miteinander umzugehen, können u. a. aus der Familientherapie und anderen systemischen Ansätzen abgeleitet werden. Hier wurden Methoden entwickelt, wie emotionale Verstrickungen von Familien- bzw. Teammitgliedern überwunden werden können (z. B. wenn eine Person die eigenen Gefühle mit den Gefühlen einer anderen Person verwechselt oder vermischt).

Fußnoten:

  1. Kriz, J. (2016). Systemtheorie für Coaches. Springer Fachmedien Wiesbaden.
  2. von Schlippe, A. (Ed.). (2004). Personzentrierung und Systemtheorie: Perspektiven für psychotherapeutisches Handeln. Vandenhoeck & Ruprecht.
  3. Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit: Interaktionen psychischer Systeme. Göttingen: Hogrefe.
  4. McClelland et al. 1995
  5. Heyes, C. (2010). Where do mirror neurons come from?. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 34(4), 575-583.

Prof. Dr. Julius Kuhl (geb. 27.07.1947) vertrat von 1986 bis 2015 den Lehrstuhl für Differentielle Psychologie und Persönlichkeits­forschung an der Universität Osnabrück und war 2008-2016 Leiter der psychologischen Abteilung der Forschungsstelle Begabungsförderung im Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe). Webseite: www.psi-theorie.com/.

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