Das Netzwerk “Betriebliche Gesundheit” des BSV Hamburg

Basierend auf der Ottawa-Charta der World Health Organisation (WHO) ist der Gedanke der betrieblichen Gesundheitsförderung seit 1989 fest in der deutschen Sozialgesetzgebung verankert. Das Präventionsgesetz bietet neue Möglichkeiten und Chancen für Unternehmen, die den Betriebssport unterstützen. Welche das sind, darüber spreche ich mit Bernd Meyer (Präsident vom Betriebssport Verband Hamburg).


Der Betriebssport Verband Hamburg (BSV) vertritt die sportlichen und gesundheitsorientierten Interessen der Betriebssportgemeinschaften von fast 500 Unternehmen, Behörden und Institutionen in der Metropolregion Hamburg. Damit repräsentiert er rund 60 000 Betriebsportlerinnen und Betriebssportler in und um Hamburg. Neben der Organisation betriebssportlicher Wettkämpfe verlagert er seine Tätigkeit als Partner der Hamburger Wirtschaft zunehmend auf Beratung und Implementierung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement in den Unternehmen.


Welche Bedeutung schreiben Sie dem Betriebssport im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zu?

Bernd Meyer: Die Bedeutung von aktiven Mitarbeitern und Führungskräften steigt auf einem enger werdenden Markt zunehmend (vgl. Fachkräftemangel). Wir haben uns in den letzten vier Jahren deutlich neu positioniert. Der klassische Betriebssport, wie z. B. Mannschaftssport kann sich mit unserem heutigen Netzwerk und unseren Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung in idealer Weise wechselseitig ergänzen.

Welche Gründe sehen Sie dafür, dass es viele Unternehmen zu geben scheint, die Vorbehalte gegenüber dem Betriebssport haben?

Bernd Meyer: Zum heutigen Zeitpunkt müssen wir davon ausgehen, dass viele Unternehmen noch nicht genügend aufgeklärt sind und befürchten, dass die Kosten im Betrieb durch den Sport steigen. Im Vergleich zu dem Nutzen, den betriebsorganisierter Sport bietet, sind diese aber eher gering und nachhaltig eine gute Investition.


Am 18.06.2015 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz). Laut Prof. Dr. Peter Richter steckt das Präventionsgesetz „den rechtlichen Rahmen für die dritte wichtige Säule des Gesundheitswesens ab, neben der kurativen Medizin und Rehabilitationsmedizin nun endlich auch die Prävention von Gesundheitsrisiken zu stärken. Wenn auch die finanziellen Mittel dafür noch immer gering sind, so ist das doch als Fortschritt anzusehen. Für spezielle Settings (Handlungsfelder) werden Maßnahmen benannt und vor allem Kooperationen zwischen bisherigen Einzelakteuren der Krankenkassen und Unfallkassen ermöglicht. Die Arbeitsgeber haben damit einen viel verbindlicheren Handlungsauftrag, vorsorgend die physische und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz nicht nur zu schützen, sondern auch zu fördern!“


Was verändert sich für die Untenehmen dadurch? Und wie können Sie ihnen dabei behilfich sein, einen Vorteil daraus zu ziehen?

Bernd Meyer: Im Rahmen des Präventionsgesetzes wurde durch die gesetzlichen Krankenkassen auch in Hamburg mit einer Koordinierungsstelle für die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), die Möglichkeit geschaffen, Unternehmen noch stärker bei Ihren Aktivitäten zur Gesundheitsförderung zu unterstützen. Einzelheiten sind hierzu in einem Faktenblatt unter www.bgf-koordinierungsstelle.de/faq zusammengefasst.

Der wesentliche Vorteil der Unternehmen besteht darin, dass es künftig eine Verpflichtung aller Krankenkassen für eine umfassende kostenfreie Beratung gibt, die dass Unternehmen über die Koordinierungsstelle anfordern kann. Dabei bestimmt allerdings die Koordinierungsstelle, welche Krankenkasse die Beratung durchzuführen hat. Es verwundert dann natürlich nicht, dass diese Krankenkasse nicht verpflichtet ist, eine zusätzliche finanzielle Förderung von Präventionsmaßnahmen durchzuführen.

Zusätzlich ist zu beachten, dass die finanzielle Förderung durch eine Krankenkasse nur erfolgen darf, wenn die geförderten Maßnahmen nachhaltig fortgesetzt werden und dafür im Unternehmen eine entsprechende personelle Struktur vorhanden ist.

Hierzu und zu weiteren Fragen, die in der Beratung nicht angesprochen werden, bietet der BSV Hamburg für Unternehmen nach Vereinbarung mit dem Unternehmen und einer Krankenkasse eine kostenfreie Beratung und ggf. Durchführung eines Projektes an. Themen sind hierbei die Schaffung einer ehrenamtlichen Struktur, der Versicherungsschutz von Präventionsmaßnahmen vor oder nach der Arbeitszeit und die steuerliche Behandlung von Präventionsmaßnahmen.

In einer solchen Beratung soll den Unternehmen also aufgezeigt werden, wie sie durch den Betriebssport vom Präventionsgesetz profitieren können? Wie genau funktioniert das?

Bernd Meyer: Sobald ein Unternehmen mit einer Krankenkasse eine Vereinbarung darüber getroffen hat, dass zusätzlich zur erfolgten Beratungsleistung eine finanzielle Unterstützung von Präventionsmaßnahmen erfolgt, die im Unternehmen durchgeführt werden, muss das Unternehmen sicherstellen, dass es sich bei diesen nicht lediglich um einmalige Maßnahmen handelt.

Konkret bedeutet dies, dass sich im Unternehmen jemand darum kümmern muss bzw. über eine entsprechende (personelle) Struktur nachweislich gewährleistet wird, dass die Mitarbeiter jene Angebote, die der Erhaltung ihrer Gesundheit dienen, regelmäßig vor oder nach Arbeitsbeginn nutzen können. Da nach meiner Erfahrung hierfür in den kleinen und mitteständischen Unternehmen kein Personal zur Verfügung steht oder nicht bereitgestellt werden kann, bietet sich die Schaffung einer ehrenamtlichen Struktur einer Betriebssportorganisation als kostengünstige Lösung an.

Wer sich als Unternehmen also an den BSV Hamburg wendet, mit dem führen wir nach einer Erstberatung, in der wir allgemein informieren, ein Projekt zur Gründung einer Betriebssportgemeinschaft durch und gehen zusätzlich auf die bereits von mir erwähnten Themen BG-Schutz und die steuerliche Behandlung von Präventionsmaßnahmen ein.

Wie unterstützt Ihr Verband Unternehmen dabei, die passenden Angebote für sich bzw. für die eigenen Mitarbeiter zu finden?

Bernd Meyer: Hier haben wir eine Vielzahl an Modulen im Portfolio. Das kommt auch auf das entsprechende Unternehmen und dessen Zielsetzung an. Wir fragen den Bedarf systematisch und analytisch ab, damit von Anfang an die richtigen Entscheidungen getroffen werden. In diesem Zusammenhang haben wir ein Netzwerk mit Partner-Unternehmen (siehe unten) aufgebaut, die sich mit den verschiedenen Facetten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements befassen und die unseren Mitgliedern gern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Außerdem stehen wir den Mitgliedern natürlich mit Rat und Erfahrung aus 60 Jahren Betriebssport zur Seite.

Wer kann sich überhaupt an Sie wenden bzw. Ihre Unterstützung in Anspruch nehmen? Ihre Geschäftsstelle ist ja in Hamburg. Betreuen Sie auch Unternehmen aus anderen Regionen?

Bernd Meyer: Der BSV Hamburg ist in der Metropolregion Hamburg zuständig und arbeitet dabei eng mit den anderen norddeutschen Landes-Betriebssportverbänden zusammen. Interessenten können sich deshalb an den BSV Hamburg wenden und werden ggf. weitervermittelt. Bei Anfragen aus anderen Regionen übernimmt der BSV Hamburg ebenfalls gerne die Aufgabe, den Kontakt zum zuständigen Landes-Betriebssportverband herzustellen.

Das Netzwerk “Betriebliche Gesundheit” des BSV Hamburg

Obwohl es bereits seit 2013 gesetzlich geregelt ist, dass psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung enthalten sein müssen (§ 5 ArbSchG), sind viele – insbesondere kleine und mittelständische – Unternehmen oder Betriebe bis heute unsicher, wie sie mit diesem Thema umgehen sollen. Was ist damit genau gemeint? Wie kann man sie objektiv erfassen? Und wie geht es dann weiter?

Zwar gibt es zahlreiche bewährte Maßnahmen, mit denen sich potenziellen Stressoren im Rahmen einer Verhältnisprävention entgegenwirken lässt, welche Belastungen allerdings tatsächlich zu einer Beanspruchung führen und dadurch das Risiko einer körperlichen oder psychischen Erkrankung erhöhen, ist dennoch eine sehr individuelle Angelegenheit. Das macht es erforderlich, die Mitarbeiter dazu zu motivieren, sich im Rahmen einer Verhaltensprävention auch eigenverantwortlich um ihre Gesundheit zu kümmern. Dafür gibt es nun die verschiedensten Möglichkeiten:

Informationsveranstaltungen (z.B. über gesunde Ernähung), Schulungen (z.B. zum Stressmanagement) oder die Implementierung gesundheitsförderlicher Angebote (z.B. den Betriebssport) etc. Offen bleibt jedoch oftmals die Frage, wie wirksam bzw. wie nachhaltig derlei Maßnahmen sind? Hinzu kommt, dass es eine scheinbar unüberschaubare Anzahl von Dienstleistern gibt, die sich mit den unterschiedlichsten Angeboten auf dem Markt tummeln bzw. die sich den Unternehmen anbieten… Wer kann das noch überblicken? Und was ist im konkreten Einzelfall wirklich hilfreich?

Um bei der Beantwortung dieser Fragen zu helfen, engagiert sich der Betriebssport Verband Hamburg (BSV) seit geraumer Zeit für seine Mitglieder im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Anlässlich der neuen Möglichkeiten, die sich durch das Präventionsgesetz ergeben, wurde ein Netzwerk von Partnern aufgebaut, die den BSV in fachlichen Fragen dabei unterstützen, eine entsprechend sachkundige Beratung anbieten zu können.

Im Folgenden möchte ich die Angebote einiger Partner dieses Netzwerks vorstellen bzw. sie mit einem kurzen Text präsentieren. Wenn Sie einen der Namen (blaue Schriftfarbe) anklicken, gelangen Sie auf eine Seite, auf der Ihnen das jeweilige Firmenprofil angezeigt wird. Dort finden Sie detailliertere Informationen und Kontaktdaten.

Gesundheitspartner des BSV Hamburg

BGF aktiv Neben der ganzheitlichen Beratung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement und Programmen direkt am Arbeitsplatz, bieten wir vor allem nachhaltige Workshops und aktivierende Impulsvorträge an.

Fitness First Fitness First Germany betreibt in Hamburg 7 umfangreich ausgestattete Fitnessanlagen. Fitness First hat das Ziel, ihre Mitglieder zu unterstützen, Fitness in den Alltag zu integrieren. FitForWork ist das spezielle Firmenfitnessprogramm. Fragen zu FitForWork beantwortet gerne das Firmenfitness Team.

G&S Gesundheit und Sicherheit für Betriebe GmbH → Wir leiten Ihre BGF aus den Fakten der Arbeitsmedizin, dem betrieblichen Eingliederungsmanagement und der Arbeitssicherheit ab, planen die Maßnahmen, führen sie durch und evaluieren sie, zum Wohle Ihrer Beschäftigten und Ihrem Unternehmen.

Heike Niemeier, Dipl. Ökotrophologin → Dr. Heike Niemeier bietet Ernährungsberatung und -therapie von gesunden und erkrankten Menschen an. In Vorträgen, Trainings und Workshops werden die Theorie und (Küchen-)Praxis der individuell sinnvollen Ernährung leicht verständlich und appetitanregend vermittelt.

Psyche und Arbeit Der Diplom-Psychologe Rainer Müller unterstützt Sie als Trainer und Coach bei Fragen zur Stressbewältigung, zum Konfliktmanagement sowie zur Burnout-Prävention: Seminare, Einzelberatungen (Sprechstunde für MitarbeiterInnen) und Moderation von Konfliktgesprächen.

RehaCentrum Hamburg → Wir unterstützen Unternehmen mit Hilfe des kostenfreien Präventionskurses „Gestufte Ambulante Prävention“, die Mitarbeiter-Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Gesundheitliche Probleme werden aktiv angegangen, um den Alltag in Zukunft gesünder zu gestalten.

Stolle Sanitätshaus GmbH & Co. KG → Wir unterstützen Unternehmen und Organisationen bei der Umsetzung verschiedener Maßnahmen umso zur Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter beizutragen. Mögliche Maßnahmen sind: Venen- oder Fußdruckmessung, Lauf- und Bewegungsanalysen, Beratung zu sportorthopädischen Hilfsmitteln etc.

Ihre Gesundheit ist uns wichtig!

Sollten Sie Fragen zu einem der Themen oder ein konkretes Anliegen haben, nehmen Sie bitte direkt Kontakt zum Betriebssport Verband Hamburg oder zu dem entsprechenden Unternehmen auf.