Persönliche Stellungnahme zu den Reaktionen auf das Interview mit Prof. Dr. Ruppert

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie gefährlich dieses Covid-19-Virus wirklich ist. Von daher habe ich von Anfang an die Hygnienetipps befolgt, Abstand zu anderen Menschen gehalten und eine Maske getragen, wo es erforderlich war oder wo es mir sinnvoll zu sein schien. Das tue ich bis heute. Auch mit den nicht unerheblichen wirtschaftlichen Einbußen, die ich aufgrund des sogenannten „Lockdowns“ hatte, habe ich mich mich abgefunden.

Ändern konnte ich an den Geschehnissen ohnehin nichts. Als Psychologe sah ich mich deshalb von Beginn an in der Rolle eines Beobachters, der darauf achtet, was das, was da gerade geschieht, mit uns Menschen macht. Dabei erschienen mir einige Entwicklungen äußerst bedenklich, andere machten mir regelrecht Angst. Ja, sogar Psychologen haben manchmal Angst. Das halte ich nicht für ungewöhnlich. Schließlich sind auch wir nur Menschen.

In meinem sozialen Umfeld habe ich seither viele Gespräche über die Pandemie und ihre Folgen geführt. Dabei stellte ich wiederholt fest, wie weit die Meinungen auseinandergehen, bspw. bei der Frage nach der Angemessenheit der Schutzmaßnahmen.

Prof. Ruppert kenne ich nicht persönlich. Bislang haben wir lediglich einmal miteinander telefoniert und ein paar E-Mails ausgetauscht. Durch Facebook bin ich auf ein Video bei YouTube aufmerksam geworden, in dem er über die Auswirkungen der Schutzmaßnahmen auf die psychische Gesundheit sprach. Obwohl ich ihm auch damals schon in etlichen Punkten nicht zustimmen konnte, fand ich Vieles von dem, was er aus psychologischer oder psychotraumatologischer Sicht darstellte, sehr gut. So habe ich ihn also angeschrieben und gefragt, ob er Lust hätte, mal darüber mit mir zu sprechen, worauf er sehr positiv reagierte.

Also telefonierten wir miteinander. In diesem Gespräch machte er mich auf ein pdf-Dokument aufmerksam, das er auf seiner Webseite hinterlegt hat. Das habe ich mir angeschaut und dabei bemerkt, wie weit unsere Ansichten tatsächlich auseinandergehen. Dennoch gab es auch hier einige Passagen, die mir durchaus gefielen. Diese habe ich herauskopiert, mir passende Fragen dazu überlegt und einen Entwurf für einen Artikel daraus angefertigt. Diesen habe ich ihm dann geschickt und darum gebeten, sich den Text anzuschauen und ggf. so zu modifizieren, dass er mit einer Veröffentlichung einverstanden ist. Seine Änderungen waren allerdings nicht unerheblich. Nun stand ich vor einer Entscheidung: Soll ich das „Interview“ veröffentlichen, oder sollte ich es besser nicht tun?

Dafür sprach, dass die wesentlichen Aussagen, denen ich durchaus zustimmen kann, noch immer in dem Text enthalten waren. Seine fachliche Expertise wird ja nicht dadurch geschmälert, dass er einem Narrativ folgt, das mir Unbehagen bereitet. Dagegen sprach, dass mir ein Kollege, dem ich das überarbeitete Interview zeigte, sagte, ich werde instrumentalisiert und mache folglich Werbung für etwas, hinter dem ich nicht stehe.

Da ich es mir aber nicht erlaube, einem Menschen das Recht auf eine eigene Wirklichkeitskonstruktion abzusprechen, und es für einen schlechten Stil halte, die Kommunikation mit ihm aus diesem Grund zu beenden, hielt ich es für richtig, den Beitrag zu veröffentlichen. Mir war allerdings bewusst, dass ich mit emotionalen Reaktionen rechnen musste und vielleicht sogar meine berufliche Zukunft auf’s Spiel setze.

Deshalb habe ich den Entwurf um zwei Passagen ergänzt, womit ich deutlich machen wollte, dass ich eine eigene Meinung habe, die nicht mit der von Prof. Ruppert übereinstimmt. Einleitend habe ich Folgendes geschrieben: „Dass es hier um ein Thema geht, das polarisiert und äußerst brisant ist, ist mir bewusst. Einige seiner Aussagen sehe ich sehr kritisch. Dennoch denke ich, dass es richtig ist, diesen Diskurs zu führen.“ Und am Ende des Interviews diese Passage eingefügt: „Eigentlich war es nicht meine Absicht, in diesem Interview die (vermeintlichen) politischen Hintergründe zu beleuchten. Mir ging es in erster Linie um die Auswirkungen der Pandemie sowie der entsprechenden Schutzmaßnahmen auf die Menschen, die ihnen ausgesetzt sind oder waren. Wie dem aber auch sei, man sollte m. E. auch dann miteinander sprechen, wenn man hier und da nicht einer Meinung ist. Das habe ich jedenfalls getan.“

Sie können mir jetzt vorwerfen, einem „Aluhutträger“ eine Plattform verschafft zu haben, auf der er seine krüden Theorien verbreitet. Sie könnten aber auch einfach über das, was Ihnen nicht gefällt, hinwegsehen und sich auf jene Passagen konzentrieren, die Ihnen dabei helfen, Ihren Blick auf die aktuellen Geschehnisse zu schärfen. So mache ich es in kontroversen Diskussionen jedenfalls.

Das Interview werde ich so stehen lassen, wie es jetzt ist. Ich teile die Auffassungen von Prof. Ruppert größtenteils nicht, aber ich respektiere ihn als Mensch sowie als Kollegen, und ich gestehe es ihm zu, dass er die Dinge so sieht und bewertet, wie er es tut.

Herzliche Grüße, Rainer Müller