Augen zu und durch?

Persönliche Stellungnahme zur aktuellen Situation:

Die aktuellen Geschehnisse betreffen uns alle. Immer wieder hört man, es komme jetzt auf jeden Einzelnen an, einen Betrag zu leisten, sich an die Regeln zu halten und dafür zu sorgen, dass sich das Virus nicht ungehindert verbreitet. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass es – fast überall auf der Welt – so etwas wie eine Maskenpflicht, Ausgangssperren oder Kontaktverbote geben würde?

Das führt natürlich zu Diskussionen. Dabei haben wir – wie eigentlich bei allen anderen Themen auch – recht unterschiedliche Auffassungen davon, welche Maßnahmen wir für angemessen bzw. verhältnismäßig halten. Das Besondere scheint mir aber zu sein, dass einige „Meinungen“ als so absurd oder gefährlich betrachtet werden, dass sie eigentlich verboten sein müssten. Das spiegelt sich m. E. bspw. in dem Begriff „Covidioten“. Inzwischen werde ich immer häufiger gefragt, wie ich denn persönlich zu dem stehe, was gerade passiert? Dazu möchte ich mich nun einmal äußern:

Zu den sogenannten „Covidioten“ gehören inzwischen auch einige meiner Kollegen/-innen, die sich kritisch über die Auswirkungen der Zwangs- oder Schutzmaßnahmen (je nachdem, wie man diese nennen möchte) geäußert haben. Der wohl zurzeit prominenteste unter ihnen ist Prof. Dr. Franz Ruppert, der sich als Psychotraumatologe einen Namen gemacht hat. Vor Kurzem habe ich verschiedene Videos bei YouTube von ihm gesehen, in denen er seine Meinung darlegt und aus psychologischer Perspektive Stellung zu den aktuellen Geschehnissen bezieht, z. B. Auswirkungen der Corona-Pandemie. Vieles von dem, was er sagt, findet aus fachlicher Sicht meine Zustimmung. Einige dieser Punkte möchte ich hier beispielhaft anführen:

  • Elementare menschliche Grundbedürfnisse nach Nähe, Körperkontakt, Liebe, sozialer Verbundenheit werden durch „social distancing“ frustriert, behindert oder gänzlich unterbunden. Rein virtuelle Kontakte können unmittelbar erlebte Nähe nicht ersetzen.
  • Alte und kranke Menschen vereinsamen noch mehr in den Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen.
  • Ausgangs-, Kontakt-, Reise- und Berufsausübungsverbote frustrieren grundlegende Bedürfnisse nach Selbstverantwortlichkeit und Autonomie. Sie erzeugen Gefühle von Gängelung, Bevormundung und damit Angst, Verunsicherung und Wut. Sie behindern die Planbarkeit des eigenen Privat- und Berufslebens. Erwachsene Menschen werden in eine abhängige Position zurückversetzt, zu Almosenempfängern degradiert und wie unselbständige Kinder behandelt.
  • Den Kindern wird Angst gemacht und gesagt, sie seien potenzielle Virenschleudern, könnten ihre eigenen Großeltern anstecken und dadurch ihren Tod verursachen. Anmerkung: Vielleicht haben wir deshalb in einigen Jahren tatsächlich Menschen, die eine „coronaide Persönlichkeitsstörung“ aufweisen?
  • Die Zwangsmaßnahmen führen zu extremen gesellschaftlichen Lagerbildungen. Feindbilder werden erzeugt und Menschen werden pathologisiert bzw. psychiatriesiert (esoterische Spinner, Psychopathen, Verrückte). Vom Mainstream derart Ausgegrenzte verachten umgekehrt die „Mitmacher“.

Als Psychologe beobachte ich die momentane Situation also ebenfalls mit großer Sorge! Nicht überzeugt haben mich hingegen Prof. Rupperts Annahmen über eine weltweite Verschwörung, die das Ziel hat, der Menschheit einen Impfstoff aufzudrängen (gemeint ist das Bill-Gates-Narrativ). War die Pandemie – mit all ihren Folgen – von langer Hand geplant, um eine neue Weltordnung zu etablieren? Oder wurden unsere politischen Entscheidungsträger/-innen von den Ereignissen genauso überrollt wie wir alle? Wurden unsere Medien von der Politik gekauft, um eine einseitige Berichterstattung zu gewährleisten? Werden Ärzte, die eine abweichende Meinung haben, jetzt mit dem Entzug ihrer Approbation erpresst, damit sie den Mund halten? Schaue ich mir die Diskussionen an, die bei Facebook über dieses Thema geführt werden, denke ich manchmal, dass wir uns in eine Zeit hineinbewegen, in der es immer gefährlicher wird, eine Meinung zu haben, die vom Mainstream abweicht, bzw. diese öffentlich zu äußern. Wer also an eine Verschwörung glaubt, kann ja eigentlich nicht über einen klaren Verstand verfügen, oder? Vielleicht sind die Betroffenen sogar psychisch krank? Auf keinen Fall aber sollte man sie ernstnehmen oder ihnen weiter zuhören, also am besten scheint es zu sein, wenn man sich gleich von ihnen verabschiedet und „entfreundet“. Was sagt das dann aber über uns aus?

Die ständigen Nachrichten über die Folgen der Pandemie können auch psychisch stabile Menschen massiv verunsichern. Jene unter uns, die eine gewisse Veranlagung z. B. zu Angst- oder Zwangsstörungen haben, sind vermutlich dennoch stärker betroffen. Die Frustration verschiedener Grundbedürfnisse während des „Lockdowns“ betraf uns zwar alle, jedoch moderieren die sozialen Verhältnisse, in denen jemand lebt, den Härtegrad der Betroffenheit. Kontaktverbote und Quarantänemaßnahmen lassen sich wohl leichter aushalten, wenn man bspw. ein eigenes Haus mit Garten hat, als wenn man im Vergleich dazu in einer kleinen Wohnung ohne Balkon lebt.

Dass mir als Trainer etliche Aufträge weggebrochen sind, was zu ganz erheblichen Verdienstausfällen geführt hat, habe ich ertragen. Von einem „Rettungsschirm“ habe ich persönlich nichts gemerkt. Aber auch das ist kein Drama, denn immerhin ging und geht es ja um das Große und Ganze! Jammern oder Meckern bringt da ohnehin nicht allzu viel. Ändern kann ich an der Situation auch nichts. Also, Augen zu und durch?

Herzliche Grüße, Rainer Müller

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