Was soll’s?

Big Brother is watching me! Facebook weiß alles über mich, zumindest alles, was ich bislang von mir preisgegeben habe, eventuell sogar noch viel mehr. Vielleicht habe ich mich hier und da bereits auf dünnes Eis begeben, wenn ich meinen Impulsen gefolgt bin und irgendetwas angeklickt habe, ohne vorher darüber nachzudenken? Was sollen meine Freunde bloß von mir denken, wenn sie mitbekommen, was ich geliked oder geschrieben habe? Muss mir das Angst machen?

Obwohl auch mir das manchmal etwas unheimlich ist, sehe ich darin für mich keine Gefahr. Mir ist es egal, ob man meine Vorlieben und Präferenzen oder meine etwaige politische, religiöse und sexuelle Orientierung kennt oder zu kennen glaubt. Letztendlich habe ich mich ja – mehr oder weniger – bewusst dafür entschieden, meinem Leben eine bestimmte Richtung zu geben. Dazu stehe ich auch. Nicht über alles davon möchte ich aber in der Öffentlichkeit sprechen. Manche Themen sind schließlich Privatsache. Dennoch bleibt es wohl nicht aus, dass auch diese von Facebook oder anderen erkannt werden. Vielleicht bin ich leichter zu durchschauen, als es mir lieb ist? Aber wäre das wirklich so schlimm?

Sollte ich mir etwa Sorgen darüber machen, was meine Mitmenschen von mir halten? Was denken die über mich, wenn sie zum Beispiel sehen, was mir gefällt oder mit wem ich hier befreundet bin? Schon mehrfach wurde mir die Frage gestellt, warum ich mit Menschen befreundet bin, die ich überhaupt nicht persönlich kenne? Um das zu erklären, habe ich vor Kurzem einen Text über den „Zweck“ meiner Freundschaftsanfragen auf meinem privaten Profil veröffentlicht:

„Bei Facebook können Verbindungen zwischen Menschen entstehen, die sich im realen Leben wahrscheinlich nicht begegnen würden. Diese Beziehungen bleiben zwar in der Regel recht oberflächlich, dennoch entwickelt sich hier und da sogar eine echte Freundschaft daraus. Ich habe das jedenfalls schon erlebt. Da ich beruflich nahezu an jedem Tag mit neuen Menschen in Kontakt komme und (aufgrund meiner Tätigkeit) dabei nicht selten über sehr vertrauliche Themen spreche, habe ich keine Hemmungen, auf andere zuzugehen. Sollten Sie eine Freundschaftsanfrage von mir erhalten haben und sich fragen, was ich von Ihnen will, könnte ich Ihnen antworten: „Nichts.“ Ich möchte Ihnen nichts verkaufen und ich werde Sie auch nicht mit irgendwelchen Einladungen belästigen. Vielleicht sind es die Beiträge, die ich in Ihrem Profil finden konnte, vielleicht ist es auch einfach nur Sympathie, die mich dazu veranlasst hat, diesen einen Schritt auf Sie zuzugehen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn das, was ich schreibe, auch für Sie interessant ist. Sollte das nicht so sein, wäre das aber auch kein Weltuntergang. Denn ich freue mich schon allein darüber, mit jedem neuen Kontakt einen weiteren Blick über den eigenen Tellerrand werfen zu können! Dafür, dass Sie mir diese Möglichkeit geben, danke ich Ihnen. Für mich ist das „Zweck“ genug.“

Mit dieser Haltung spaziere ich jedenfalls von Beginn an durch die sozialen Netzwerke. Vielleicht sehen Sie das ganz anders? Vielleicht können Sie einige meiner Gedanken nachvollziehen? Wie dem auch sei, ich lasse mich nicht davon abbringen, mich hier weiterhin so zu zeigen, wie ich bin. Für mich ist das okay. Diese Entscheidung muss aber natürlich jeder für sich selbst treffen. Seien Sie möglichst nur etwas achtsamer bei dem, was Sie hier tun, als ich es gelegentlich bin.

“Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Wilhelm von Humboldt

Warum sollten wir es also nicht wagen, neue “Freunde” in unser Leben zu lassen? Wer weiß denn schon, was sich daraus entwickelt? Einsamkeit ist jedenfalls keine Alternative!

Herzliche Grüße, Rainer Müller, Diplom-Psychologe (Profil bei Facebook)

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.