Kennen Sie das Wunderrad?

Stehen Sie vor einem Problem und wissen noch nicht, was Sie tun können oder sollten? Dann könnte Ihnen das Wunderrad von Maja Storch und Julius Kuhl dabei helfen, eine kreative Lösung zu finden. Bei ihr geht es darum, sich für eine problematische Situation drei bis fünf verschiedene positive Ausgangsszenarien vorzustellen und sich daraufhin für jedes der Szenarien drei bis fünf verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten zu überlegen. Die Übung heißt “Wunderrad”, da man die das Problem in den kleinen Kreis in der Mitte und die dazu entwickelten Ideen rundherum schreibt, so dass das Ergebnis wie ein Rad mit mehreren Achsen aussieht. Für jede Umsetzungsmöglichkeit kann daraufhin ein weiteres Rad erstellt werden. Eine ausführliche Beschreibung dieser Methode finden Sie im ProjektMagazin (Ausgabe 23/2018) ab Seite 9: https://jstorch.de/wp-content/uploads/2019/01/Zeit_fuer_Veraenderung_raus_aus_alten_Verhaltensmustern.pdf.

Perspektivwechsel

Da ich mir vorstellen kann, dass es manchen Menschen schwerfällt, auf ca. 5×5 Lösungswege zu kommen, insbesondere dann, wenn sie sich schon längere Zeit mit dem Problem befassen, halte ich es ergänzend für sinnvoll, sie dazu anzuregen, die Situation aus einer ungewöhnliche Perspektive zu betrachten. Dabei kann man die Betroffenen bspw. darum bitten, sich vorzustellen, sie müssten ein Konzept für eine Dokumentation über dieses Problem bzw. über diese Situation entwickeln und dabei fünf mögliche positive Ausgangsszenarien (sogenannte „alternative Enden“) entwerfen. Aus der Perspektive des Regisseurs sollen sie sich anschließend fünf unterschiedliche Möglichkeiten überlegen, wie die Protagonisten dies umsetzen bzw. wie sie ihr Ziel erreichen, das Problem zu lösen. Sollte die Möglichkeit bestehen (z. B. bei einer Gruppenarbeit), dürfen auch gern Ideen von anderen mit einfließen. Ist das Wunderrad erstellt, wäre es bei dieser Vorgehensweise zweckmäßig, wenn die Klienten den gefundenen Lösungswegen einen Skalenwert von 0 bis 10 zuordnen, der sich auf die Frage bezieht: Wie wahrscheinlich ist es, dass es mir gelingt, mich so zu verhalten, wie es dieser Lösungsweg von mir erwarten würde? Während diese Einschätzung vorgenommen werden, wäre es gut, wenn die Klienten ihre Gedanken aussprechen, damit Sie verstehen, wie es diesem Skalenwert kam, und darüber diskutieren können. Anschließend könnten jene Umsetzungsmöglichkeiten farbig markiert werden, die von den Klienten am ehesten umgesetzt werden können und die mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit zum Ziel führen.

Selbsterfahrung

Manfred Evertz

Da ich herausfinden wollte, ob diese Methode in schwierigen Fällen wirklich hilfreich ist, habe ich mit ihr eine Fragestellung bearbeitet, die mich seit einigen Tagen beschäftigte. Der erste Schritt der Übung fiel mir noch relativ leicht. Zu der „problematischen Situation“ sind mir tatsächlich vier verschiedene Richtungen eingefallen, in die ich mich bewegen könnte. Im Folgenden habe ich daraus vier weitere Wunderräder erstellt, zu denen mir dann allerdings kaum noch originelle Handlungsoptionen einfielen. Ohne die Mithilfe anderer Menschen, die Ihre Einfälle im Rahmen eines „Ideenkorbs“ einbringen, kommt man wohl auch mit diesem Hilfsmittel nicht immer besonders weit. Obwohl ich zunächst vermutete, ich würde gerade an einer temporären Gehirnlähmung leiden, hatte ich beim wiederholten Betrachten der von mir erstellten Wunderräder plötzlich einen ungewöhnlichen Einfall, den ich daraufhin sofort umsetzte. Mit dem Resultat war ich zufrieden.

Was ist ein Ideenkorb? Der Ideenkorb ist eine Sammlung von Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten für einen bestimmten Teilnehmer, zur möglichen Anwendung auf eine bestimmte Problemsituation. Er wird mit Hilfe einer speziellen Art des Brainstormings durchgeführt. Die Grundidee ist, dass ein Teilnehmer durch die Gruppe (oder im Falle eines Einzelcoachings durch den Coach/Therapeuten) möglichst viele konstruktive Vorschläge bekommt.

Fazit

Zwei Schlussfolgerungen leite ich aus dieser Selbsterfahrung ab: 1. Diese Methode lässt sich zwar allein im stillen Kämmerlein durchführen, sie wird in einer Gruppe aber voraussichtlich besser funktionieren, da diese wahrscheinlich weitaus mehr Lösungsmöglichkeiten finden wird als eine einzelne Person. 2. Allerdings kann die Betrachtung des Problems aus einer ungewöhnlichen Perspektive Betroffenen dabei helfen, mit dem Wunderrad auch ohne fremde Hilfe die ein oder andere neue Idee zu generieren. Mir ist das jedenfalls gelungen.

Literaturhinweis

  • Maja Storch & Julius Kuhl (2017). Die Kraft aus dem Selbst: Sieben PsychoGyms für das Unbewusste. Hogrefe.

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