Persönlichkeitstests & Testarchive

In Seminaren arbeite ich relativ oft mit Persönlichkeitstests, die ohne eine kostenpflichtige Lizenz verwendet werden dürfen. Dabei geht es mir vor allem darum, über die Ergebnisse, die ja „lediglich“ auf Selbsteinschätzungen beruhen, thematische Schwerpunkte zu definieren, die für die Teilnehmer/-innen relevant sind. Sie erzeugen eine persönliche Betroffenheit, indem sie aufzeigen, wie man sich selbst sieht, und somit in der Regel ein gesteigertes Interesse an weiterführenden Erläuterungen.

Manfred Evertz

Des Weiteren können sie eine hilfreiche Anregung zur Selbstreflexion sein. So habe ich bspw. irgendwann einmal einen Test zur Ermittlung der maladaptiven Schemata – sogenannter „Lebensfallen“ – ausgefüllt. Hierbei interessierte es mich, bei welchem Schema (emotionale Entbehrung, Trennungsangst, Misstrauen, Minderwertigkeit, Versagen, Anfälligkeit für Leid und Krankheit, Selbstaufopferung, Unterwerfung, hohe Leistungsstandards, Anspruchshaltung) ich die höchste Ausprägung habe. Darüber habe ich dann im Rahmen meiner (Lehr-)Therapie gesprochen. Das war äußerst spannend, da mich das Ergebnis zunächst irritierte und ich mir deshalb die Frage stellte, warum das wohl so ist? Was sagt das über mich aus? Eine mögliche Gefahr besteht m. E. allerdings darin, sich selbst aufgrund irgendwelcher Testergebnisse vielleicht (vorschnell) eine psychische Erkrankung zu diagnostizieren. Das sollten Sie lieber einem Arzt oder Psychotherapeuten überlassen.


Anmerkung: Psychische Störungen werden definiert durch das Auftreten von bestimmten Symptomen (Dauer, Anzahl, Schweregrad). Sofern „lediglich“ pathologische Veränderungen vorliegen, die nicht zu Symptomen führen, wird nicht von einer psychischen Krankheit gesprochen, sondern allenfalls von einer Krankheitsdisposition. Erst wenn der Leidensdruck auf der Ebene des Fühlens, Erlebens und/oder in Beziehungen stark ausgeprägt ist bzw. bereits psychische und/oder körperliche Beeinträchtigungen, Erkrankungen oder Symptome zu erkennen sind, ist demzufolge eine Psychotherapie zu empfehlen.


Im Laufe der Jahre habe ich mir etliche Persönlichkeitstests angeschaut. Begeistert haben mich allerdings nur sehr wenige. Einen davon möchte ich an dieser Stelle deshalb besonders hervorheben:

„Der B5T® von Dr. Lars Satow zählt seit 2010 zu den am häufigsten eingesetzten psychologischen Persönlichkeitstests im deutschsprachigen Raum. Der Test erfasst die fünf grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen (Big Five Factors) sowie die drei Grundmotive ‘Bedürfnis nach Anerkennung und Leistung’, ‘Bedürfnis nach Einfluss und Macht’ und ‘Bedürfnis nach Sicherheit und Ruhe’. Zudem gibt es eine Kontrollskala ‘Ehrlichkeit bei der Beantwortung der Fragen’.“

https://www.psychomeda.de/online-tests/persoenlichkeitstest.html

Sollten Sie also herausfinden wollen, wie die Eigenschaften Extraversion, Neurotizismus, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit sowie die drei Grundmotive (s. u.) bei Ihnen ausgeprägt sind, dann empfehle ich Ihnen diesen Test, den Sie online ausfüllen können. Die Auswertung meiner Antworten sah bspw. wie folgt aus:

Sollten Sie nach weiteren Persönlichkeitstests im Internet suchen, dann ist der folgende Link vielleicht hilfreich. Dort finden Sie jedenfalls verschiedene Sammlungen lizenzfreier Testverfahren:

PsychLinker → Testarchive → Open Access

“Neben den in Testverlagen veröffentlichten oder sonst urheberrechtlich geschützten Testverfahren und Forschungsinstrumenten, die dem Copyright der Autoren oder Verlage unterliegen, gibt es in den letzten Jahren im Zuge der Open-Access-Bewegung vermehrt Verfahren, die als “lizenzfrei” benannt werden oder unter der Bezeichnung “Open Access” firmieren oder die unter einer speziellen Creative Commons Lizenz […] den Anwendern frei zur Verfügung gestellt werden. Diese Verfahren können “in ihrem Einsatzbereich sogar problemlos mit kostenpflichtigen psychometrischen Instrumenten mithalten” (Heintz & Wunder, 2012, S. 12).“

https://www.psychlinker.de/category.php?cat=589

PS: Da ich am vergangenen Wochenende nach dem Link zu den Testarchiven gefragt wurde, dachte ich mir, es sei vielleicht eine gute Idee, einen kurzen Artikel darüber zu schreiben.

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