Rezension: „Mit Ärger und Wut umgehen“ von Georg H. Eifert, Matthew McKay und John P. Forsyth

„Wutanfälle sind oft überflüssig und für alle Beteiligten peinlich. Die Reue danach kommt unausweichlich, Mitmenschen reagieren hilflos und verstört, zwischenmenschliche Beziehungen werden zutiefst erschüttert oder sogar für immer zerstört. Auch andere Formen von Aggressionen – Ärger, den man in sich hineinfrisst, Groll, Hass Feindseligkeit und Verbitterung – können Schaden anrichten, krank machen und dazu führen, dass man sich immer weiter von seinen Mitmenschen und dem Leben, das man eigentlich führen möchte, entfernt.“ (Klappentext)

Der Titel des Buches hat meine Neugier geweckt, da ich mich gerade mit der Konzeption eines Seminars beschäftige, in dem es um den Umgang mit Ärger geht. Von der Akzeptanz- und Commitment-Therapie, also dem zugrundliegenden Modell, wurde mir von meinen Klienten bislang so viel Positives berichtet, dass ich recht große Erwartungen hatte und sofort damit anfing, die knapp 250 Seiten zu lesen.

Der Schreibstil der Autoren gefiel mir und auch die Inhalte überzeugten mich. Die Empfehlungen erschienen mir allesamt sehr plausibel. Da ich mich seit geraumer Zeit mit dem Konzept der Achtsamkeit befasse, fand ich es zudem schön, hier nun einige Ideen an die Hand zu bekommen, die dabei helfen, eine entsprechende Haltung zu entwickeln und zu fördern.

Um die Menschen dort abzuholen, wo sie wahrscheinlich stehen, wenn sie ein Problem mit ihrer Selbstregulation bzw. Schwierigkeiten damit haben, ihre Wut zu beherrschen, wird nach einer kurzen Einführung zunächst mit einigen Irrtümern aufgeräumt, die wahrscheinlich weit verbreitet sind:

  • Ärger und Aggression sind als Trieb im Menschen angelegt.
  • Frustration führt unweigerlich zu Aggression.
  • Es ist gesund, seinem Ärger freien Lauf zu lassen.
  • Ärger ist stets hilfreich, da er Energiereserven mobilisiert.
  • Wer sich ärgert, der wurde provoziert.

Anschließend gehen die Autoren auf jene „Kosten“ ein, die einem Verärgerung und entsprechende Streiterein einbringen können. Darunter werden Schäden verstanden, die im zwischenmenschlichen, beruflichen oder gesundheitlichen Bereich entstehen können sowie alles, was an den Kräften zehren bzw. unangehme emotionale Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Daraufhin wird sich genauer angeschaut, welche Emotion der Wut oder dem Ärger vorausgeht? Wodurch wird die Erregung also ausgelöst und welche Strategien werden in der Regel gewählt, um mit der entsprechenden Situation umzugehen? Welche der Reaktionen, die wir gewöhnlich zeigen, tragen aus welchem Grund dazu bei, dass Konflikte immer wieder eskalieren?

Im folgenden Kapitel findet sich dann eine Anleitung dafür, wie sich das Tauziehen mit dem Ärger beendet lässt. So, wie es bspw. auch im Rahmen der Kognitiven Verhaltenstherapie getan wird, zerlegen die Autoren den Ärger zunächst einmal in seine Bausteine: Vor-Ärger-Gefühle, auslösende Gedanken, Ärgergefühl, Handlungsimpulse, Ärgerverhalten. Im Folgenden wird empfohlen, sich in eine Beobachterposition zu begeben, um zu lernen, diese verschiedenen Aspekte auseinanderzuhalten. Warum das sinnvoll ist, wird dann mit Hilfe von zwei – wie ich finde – ganz wunderbaren Metaphern (Schachbrett und Haus) veranschaulicht.

So weit, so gut… Doch inwieweit helfen einem solche Erkenntnisse im Alltag? Das zu erproben, wurde mir nun unmittelbar ermöglicht: Als ich in der Mitte des Buches angelangt war, musste ich es in meine Tasche packen und aus dem Zug aussteigen, in dem ich gerade saß. An einem Kiosk, der noch geöffnet hatte, wollte ich mir daraufhin eine Kleinigkeit kaufen und geriet direkt mit dem Verkäufer aneinander, was mir Gelegenheit gab, das Gelesene mit einer – eigentlich vollkommen unnötigen – Selbsterfahrung zu verbinden. Mit meiner Impulskontrolle klappte es leider nicht so gut… Aber ich war ja auch erst auf Seite 81.

Übung macht also den Meister. Möglichkeiten, mich in Gelassenheit zu üben, hatte ich in den darauffolgenden Tagen jedenfalls hinreichend. Obwohl ich es mir eigentlich hätte denken können, musste ich nun feststellen, wie schwierig es manchmal ist, aus den gewohnten Reaktionsmustern herauszukommen und Gelassenheit zu bewahren.

Wirklich zufrieden war ich nicht – weder mit mir, noch mit den bisherigen Tipps der Autoren. Irgendwann fasste ich dennoch den Entschluss, auch den Rest des Buches zu lesen. Hier ging es dann um die Frage, warum sich Wut nicht kontrollieren lässt und was man vielleicht stattdessen mal ausprobieren sollte: Die Empfehlung lautet, „den Tiger zu reiten“, sich also in das „bescheuerte“ Gefühl der Wut und dem, was ihr zugrunde liegt, hineinzuspüren. Mit Achtsamkeit, Akzeptanz, einer Portion Selbstmitgefühl und der Kunst des Verzeihens sollte das wohl ganz gut funktionieren. Wie man das tatsächlich schaffen kann, wurde in den darauffolgenden Kapiteln Schritt für Schritt erläutert. Von den zahlreichen Übungen und Achtsamkeitsmeditationen habe ich zwar nicht alle ausprobiert, deren Zweckmäßigkeit konnte ich aber gut nachvollziehen.

Zum Abschluss gab es dann noch eine ganze Reihe von Anregungen, wie mit schwierigen Gefühlen (Befürchtungen, Schulgefühlen, Trauer, Verletzungen, Hilflosigkeit, Einsamkeit) umgegangen werden sollte. Und es folgte eine kurze Anleitung, wie die Vorstellung eines guten Lebens zur Wirklichkeit werden könnte, also wie man sich Ziele setzt und diese auch erreicht. Daraufhin wurde man an das Steuer seines Lebensbusses gesetzt und dazu angeleitet, zu sich selbst nett zu sein, Mitmenschlichkeit und (Selbst-)Mitgefühl zu zeigen und die Energie, die in der Wut steckt, auf eine neue Art zu nutzen.

Sollten Sie (oder Ihre Klienten) sich fragen, wie es gelingen kann, einen adäquaten Umgang mit jener Wut hinzubekommen, die hier und da kaum zu vermeiden ist, kann ich Ihnen die Lektüre dieses Buches sehr empfehen!

Georg H. Eifert, Matthew McKay & John P. Forsyth (2017). Mit Ärger und Wut umgehen. Der achtsame Weg in ein friedliches Leben mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). 3. unveränderte Auflage. Hogrefe Verlag, Bern.

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