Rezension: „Train the Coach: Methoden“ von Bernd Schmid & Oliver König

„Die Herausgeber präsentieren Interventionen, die sich in professionellen Lehrgängen für Coachs bewiesen haben. Die Zusammenstellung schult das in einer Coachingausbildung vermittelte Spektrum an Fähigkeiten.“ Klappentext

Dr. Bernd Schmid gilt als Begründer der systemischen Transaktionsanalyse, er ist Ehrenvorsitzender im Präsidium des DBVC und leitet ein Institut für systemische Beratung (isb GmbH) in Wiesloch. In Zusammenarbeit mit Oliver König, der am selben Institut u. a. als Lehrbeauftragter für systemische Didaktik verantwortlich ist, hat er ein Werk vorgelegt, das seinesgleichen sucht. Es stellt sich nicht die Frage, ob man es lesen sollte, sondern nur, wie schnell man es tut.

Das Buch ist unterteilt in sechs Abschnitte, zu denen jeweils zu Beginn die in ihnen dargestellten Coaching- bzw. Ausbildungstools dargestellt werden. Obwohl der Theorieteil stets sehr knapp gehalten ist, sind die Methoden in ihrer Wirksamkeit einleuchtend beschrieben und sie lassen sich ohne große Vorbereitung anwenden bzw. einsetzen. Schon allein die Literaturhinweise lassen erahnen, wie gut sie durchdacht sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es sein kann, bei längeren Workshop-Reihen immer neue Varianten von Übungen und Methoden zur Reflexion zu entwickeln, um den Ablauf für die Teilnehmer über viele Stunden interessant zu gestalten und einen möglichst großen Lernerfolg zu bewirken. Dank den Autoren kann ich nun auf eine großartige Sammlung zurückgreifen und muss mir mein Gehirn nicht mehr so sehr „verknoten“. Gefreut hat es mich zudem, dass einige Ideen, mit denen ich bereits arbeite, von den an diesem Buch beteiligten Autoren für so gut befunden werden, dass sie darin zu finden sind. Bemerkenswert dabei ist, dass es nicht eine einzige Übung gibt, von der ich sagen würde, dass man sie eventuell hätte weglassen können. Nicht jede Idee ist neu, aber auch das, was mir schon bekannt war, ist didaktisch so hervorragend aufbereitet, dass ich etliche meiner alten Unterrichtsvorlagen nun austauschen werde. Vor allem aber habe ich darin viele wertvolle Anregungen gefunden, die ich nun mit meinen Schülern und Schülerinnen ausprobieren werde. Das Buch ist also eine wahre Fundgrube für Menschen, die mit der Ausbildung von Beratern, Coachs oder Therapeuten betraut sind!

Doch was genau findet man eigentlich darin? Unter „Vorgehensweise kennenlernen“ werden diverse Tools vermittelt, die sich 1:1 in die Praxis übertragen bzw. für die Arbeit mit Klienten nutzen lassen („Anwendung & Beispiele systemischer Fragen“, „Persönlichkeitsentwicklung durch systemische Fragen“, „Zirkuläres Fragen“ etc.). Spielerisch lässt sich zudem der Umgang mit möglichen Fallstricken erproben („Schlechtester Coach der Welt“, „Interventionstechniken für kritische Situationen entwickeln“, „Schachmatt-Sätze“ und „Schwieriger Coachee“) sowie mittels des „Modells der strukturierten Problemlösung“ die Planung einer Coaching-Sitzung bzw. das Erreichen der Ziele einzelner Phasen unter Einhaltung der dafür vorgesehenen Zeit üben. Auch die Methoden des zweiten und vierten Abschnitts („Als Coach Prozesse reflektieren und steuern lernen“ sowie „Narrative Ansätze und hintergründige Themen“) können sowohl im Coaching selbst wie auch im Rahmen einer Ausbildung zum Einsatz kommen. Die Vielseitigkeit ist beeindruckend: Die Techniken zur lösungsorientierten Reflexion, zur Auftragsklärung („Theatermetapher“), der Einbindung von Geschichten („Arbeiten mit analogen Techniken“) sowie das Turbo-Coaching u. v. m. geben den Lesern ein exzellentes Rüstzeug an die Hand. Sehr gelungen ist auch die Aufschlüsselung schwieriger Psychodynamiken, bei denen dargestellt wird, wie das Verhalten des Klienten eine entsprechende Reaktion des Coachs auslöst, wobei Aspekte der Fremdmanipulation und der Stabilisierung sowie der dabei abgewehrte Affekt betrachtet werden. Doch damit ist das Buch noch lange nicht am Ende: Es folgen diverse abwechslungsreiche und ausgefeilte Techniken zur kollegialen Beratung (u. a. das „Reflecting Team“, einzeln sowie in einer Kombination mit der Fishbowl- und Open-Space-Methode) und einige spannende Ideen zur Reflexion der eigenen Lebensweise sowie drei interessante Spiegelungsübungen. Abgerundet wird das Werk durch verschiedene Techniken zur beruflichen Rollenfindung („Pressenotiz“, „Mein Lebens- und Lernweg“ etc.), einer Übung zur Teambildung in der Ausbildungsgruppe und Tipps zur Gestaltung des Abschieds vom Coachee sowie zur Reflexion des Prozesses. Den „Beratermarkt“ und ein Verfahren, bei dem die Teilnehmer in Kleingruppenarbeit entweder eine analoge oder eine bisoziative Geschichte zu einem konkreten Anliegen formulieren, habe ich umgehend in meine anstehenden Workshops integriert. Mit vielen anderen Tools werde ich das sicher noch tun.

Jede Methode und das entsprechende Setting werden zunächst kurz beschrieben. Anschließend werden mögliche Gründe für deren Einsatz bzw. der Nutzen für die Teilnehmer benannt und die einzelnen Schritte erläutert. Hilfreich sind auch die Einstufungen der Übungen nach dem Grad der Erfahrung der Teilnehmer (Anfänger, Fortgeschrittene), die mir stimmig erscheinen, sowie die Materialien, auf denen (a) die Abläufe der Techniken systematisch dargestellt sind (das erspart einem das Abschreiben) sowie (b) die Arbeitsblätter, die das Ganze ergänzen, und die auf der Seite des Verlags zum Download bereitliegen.

Fazit: Gern würde ich dieses Buch mit mindestens sieben oder acht Sternen bewerten, da es wirklich außergewöhnlich gut umgesetzt und eine große Hilfe für meine Arbeit bzw. – ohne übertreiben zu müssen – ein didaktisches Meisterwerk ist! Vielen herzlichen Dank an die beiden Herausgeber sowie an die vielen namhaften Autoren. Ich wünschte mir, meine Ausbilder hätten dieses Buch gelesen…

Bernd Schmid & Oliver König (2014). Train the Coach: Methoden. managerSeminare Verlags GmbH. → Hier finden Sie das Buch bei Amazon (Werbung).