Rezension: „Teamarbeit, Teampsychologie, Teamentwicklung“ von Florian Becker

„Teams sind in der modernen Wirtschaft allgegenwärtig. Woran aber liegt es, dass manche Teams Top-Leistungen vollbringen, viele andere aber nicht – und einige auch scheitern?“ (Klappentext)

Suchen Sie gerade nach wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, die Ihnen dabei helfen, ein Team zu leiten oder zu formieren? Dann sollten Sie vielleicht das Taschenbuch von Prof. Dr. Florian Becker, Gründungsmitglied der Wirtschaftspsychologischen Gesellschaft, „Teamarbeit, Teampsychologie, Teamentwicklung“ lesen. Sie finden darin eine gebündelte Zusammenfassung zahlreicher wissenschaftlicher Studien, die Aufschluss darüber geben, wie Sie Teams erfolgreich zusammenstellen, entwickeln und führen können.

Der Autor benennt nach einer kurzen Einführung, in der er die Frage aufwirft, wann es überhaupt Sinn macht, Teams oder Arbeitsgruppen einzusetzen, die Grundlagen effektiver Teamführung, wobei er sich zunächst mit den Merkmalen von Teams beschäftigt und dann aufzeigt, welche Aspekte eine positive Synergie begünstigen und welche eher das Gegenteil bewirken. So warnt er bspw. vor einer übertriebenen Euphorie beim Einsatz von Teams, da in der wissenschaftlichen Literatur mehr über mögliche negative Synergieeffekte berichtet wird. In „Säulen der Teamleistung“ geht es dann um das Umfeld, in denen sich Teams befinden, die Aufgaben, die von ihnen gelöst, und Entscheidungen, die von ihnen getroffen werden. Potenzielle Probleme (z. B. Konformitätsdruck oder Verantwortungsdiffusion) werden erörtert und klare Handlungsempfehlungen für Führungskräfte oder Teamentwickler gegeben. Ausgesprochen gut gefallen hat es mir, dass die Inhalte so kompakt dargestellt sind, dass man im Falle eines Falles schnell auf die wesentlichen Erkenntnisse zugreifen kann, um das eigene Vorgehen in der Praxis („Wann setze ich Teams ein bzw. wann besser nicht, und worauf sollte ich dabei ggf. achten?“) argumentativ zu stützen.

Wer sich fragt, worauf man bei der „Zusammenstellung effektiver Teams“ achten sollte, findet im vierten Kapitel zahlreiche Hinweise. Neben der Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, ein Team mit einer Aufgabe zu betrauen, und welche Mitgliederzahl optimal wäre, widmet sich der Autor nun demografischen Aspekten (Alter, Geschlecht, kulturelle Herkunft) sowie den Vor- und Nachteilen von homogenen bzw. herterogenen Arbeitsgruppen (Diversität). Die Aussagen, die sich aus den zusammengefassten Erkenntnissen der vielen empirischen Studien ableiten lassen, könnten allerdings dazu verführen, stereotype Vorstellungen zu etablieren oder Gruppen von Menschen eventuell sogar zu stigmatisieren, d.h aufgrund pauschalisierter Aussagen („Ältere Mitarbeiter sind XY“) vorzuverurteilen? Insbesondere die Ausführungen, die sich auf die Persönlichkeitsmerkmale der Big Five beziehen, halte ich hinsichtlich eines unmittelbaren Transfers in die betriebliche Praxis für unzureichend, da sich alle fünf Faktoren in jeweils verschiedene Unterskalen oder Facetten unterteilen lassen, die es sich m. E. auch lohnt genauer anzuschauen. Auf diese geht der Autor aber nicht ein. Vorsicht halte ich also für angebracht, wenn es bspw. um den folgenden Rat geht: „Bei der Auwahl der Mitglieder für Teams sollten […] die großen fünf Persönlichkeitsmerkmale beachtet werden und Personen mit hohen Ausprägungen bevorzugt werden.“ Hier wäre eine differenziertere Betrachtung der einzelnen Facetten in Bezug auf die jeweiligen Anforderungen, die von dem Team zu bewältigen sind, sicher zweckmäßig.

Das letzte Kapitel („Entwicklung und Pflege von Teams“), in dem es dann noch um Kohäsion, Normen sowie um die Phasen der Teamentwicklung geht, rundet das Werk ab. Mit seinen knapp 84 Seiten ist das Buch eine schöne Einführung, die sich schnell lesen lässt! Wer sich also in küzester Zeit auf den neuesten Stand bringen möchte, wird seine Freude daran haben. Die Aufbereitung der Inhalte ist didaktisch sehr gut gelungen. Aufgrund der zahlreichen Tabellen und Schaubilder sowie die vielen praktischen Tipps, lassen sich die Informationen umgehend bzw. ohne große Mühe für die eigene Arbeit nutzen. Die Fragen, für die diese eine Rolle spielen, werden jeweils zu Beginn der Kapitel aufgeworfen, im weiteren Verlauf erörtert und am Ende beantwortet. Allerdings sei vor einer unreflektierten Lesart der Empfehlungen gewarnt! Obwohl die empirische Forschung hier und da deutliche Tendenzen aufzeigt, aus denen sich Strategien ableiten lassen, sollte man (a) immer auch die Zusammenhänge im Auge behalten (also das Zusammenspiel sämtlicher Faktoren) und (b) überprüfen, wie sich entsprechende Dinge im eigenen Team zeigen UND wie sich die in dem Buch diskutierten Variablen tatsächlich auf das Team bzw. eine Arbeitsgruppe auswirken. Ansonsten könnte man eventuell am Ende feststellen, dass man zwar alles „richtig“ gemacht hat, sich das Team aber dennoch nicht so verhält oder entwickelt, wie es gewünscht ist. Ungeachtet aller empirischen Forschung, mit denen sich ihnen in wissenschaftlichen Studien angenähert wird, sind Teams komplexe soziale Systeme, deren Mitglieder auf eine jeweils eigene Weise interagieren und gemeinsam als Gruppe ebenso spezifisch auf ihre Umwelt reagieren.

Fazit: Dieses Buch gibt einem zahlreiche Heuristiken an die Hand, die unter Heranziehung wissenschaftlicher Studien und aufgrund der Erläuterung jener Modelle, die hierbei eine Rolle spielen, ein begründbares Handeln im Arbeitsalltag ermöglichen. Die „dos and don’ts“ und Checklisten sind hilfreich, die einzelnen Punkte sollten aber stets auf ihre Gültigkeit bzw. Anwendbarkeit im konkreten Einzelfall überprüft werden.

Florian Becker (2016). Teamarbeit, Teampsychologie, Teamentwicklung – So führen Sie Teams! Springer-Verlag.