Rezension: „New Work – Gute Arbeit gestalten“ von Carsten C. Schermuly

Unter dem Begriff ‚New Work‘ findet man „ein unübersichtliches Sammelsurium von Maßnahmen und Prinzipien“, die häufig „ziellos und mit heftigen Nebenwirkungen in Organisationen eingeführt werden“. Der Autor möchte deshalb eine „klare und wissenschaftliche Orientierung anbieten, was das Ziel von New-Work-Maßnahmen sein sollte: Das Erleben von mehr psychologischem Empowerment der Mitarbeiter“. Dieses setzt sich seiner Ansicht nach „aus vier Facetten zusammen: Dem Erleben von Kompetenz, Bedeutsamkeit, Selbstbestimmung und Einfluss während der Arbeit.“

Leider musste ich bereits auf Seite 14 feststellen, dass sich Prof. Dr. Schermuly in seinen Ausführungen nur wenig für meine freiberufliche Tätigkeit zu interessieren scheint, da er sich in diesem Buch auf das klassische Verständnis von Arbeit bezieht, welches heutzutage wohl vor allem durch folgende Kriterien definiert wird: Freiwilligkeit, Unselbstständigkeit, Legalität und Entlohnung. Weitergelesen habe ich dennoch. So erfuhr ich zunächst etwas über die Bedeutung der Arbeit im Laufe der Geschichte und über die wichtigsten Trends, die ihre Zukunft bestimmen (Wissenszuwachs, Digitalisierung, Globalisierung und demografischer Wandel). Anschließend differenziert er zwischen einem strukturellen und einem psychologischen Empowerment, bespricht die oben erwähnten Facetten nochmals ganz ausführlich, zeigt Wege zur Messung dieser und mögliche Konsequenzen auf.

Wenig überrascht hat es mich, dass die Haltung der Verantwortlichen bei der Umsetzung entsprechender Maßnahmen ganz wesentlich ist. Doch wie lässt sich Arbeit eigentlich so gestalten, dass sie „psychologisch empowert“? Welche Rolle spielen die Führungskräfte, die Organisationskultur, die Personalauswahl und -entwicklung hierbei? Auf diese Fragen findet man in den folgenden Kapiteln plausible Antworten.

Das Buch liest sich sehr schnell, was vor allem der klaren Struktur und der übersichtlichen Gestaltung zu verdanken ist. So werden die wesentlichen Aussagen stets in Form von Merksätzen hervorgehoben und mit Infoboxen sowie zahlreichen Tabellen und Grafiken angereichert. Die wichtigsten Begriffe findet man am Ende nochmals in einem Stichwortverzeichnis.

Der Schreibstil ist angenehm unterhaltsam. Damit es nicht zu theoretisch bleibt, werden die Leser/-innen immer wieder direkt angesprochen und mit Fragen zur Selbstreflexion angeregt. Das hat mir sehr gut gefallen! Auch die Beispiele, mit denen er seine Aussagen untermauert, sind praxisnah und stimmig.

Unternehmer, Führungskräfte und Personalverantwortliche können hilfreiche Anregungen und Tipps in diesem Buch finden, die es ihnen erlauben, das Potenzial ihrer Mitarbeiter so zu entfalten, dass diese gesund und leistungsfähig bleiben. Zugleich sollte sich natürlich auch deren Arbeitszufriedenheit erhöhen. Doch auch externe Personalentwickler (z. B. Trainer und Coachs) können von der Lektüre profitieren. Ich werde jedenfalls dem ein oder anderen Gedanken nochmals in Ruhe nachgehen.

Sympathisch fand ich es übrigens, dass das Thema „psychische Erkrankungen“ kaum thematisiert wurde. Zwar ist nicht anzuzweifeln, dass die Belastung von Mitarbeitern höher sein dürfte, wenn diese sich wenig empowert fühlen, allerdings werden hierfür keine einseitigen oder banalen Lösungen angeboten (wie z. B. Seminare zur Förderung der Resilienz). Im Gegenteil: Die Frage nach der Verantwortung für das Wohlergehen des Einzelnen wird hier wohltuend differenziert betrachtet: systemisch und interaktionistisch.

Ein persönliches Fazit:

Auch wenn der Autor die freiberuflich Tätigen nicht im Visier hat, so durfte ich doch erfreut feststellen, dass meine Arbeit sämtliche Kriterien eines psychologischen Empowerments in jeglicher Hinsicht erfüllt und ich mit ihr folglich zufrieden sein darf.

Prof. Dr. Carsten C. Schermuly ist seit 2012 Leiter des Studiengangs „Internationale Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie“ an der SRH Hochschule Berlin.

Quelle:

  • Carsten C. Schermuly (2016). New Work – Gute Arbeit gestalten. Psychologisches Empowerment von Mitarbeitern. Haufe Gruppe.