Clevere Gesundheitsförderung durch Betriebssport

Bewegung ist gesund. Allein deshalb lohnt es sich eigentlich schon, darüber nachzudenken, wie man die eigenen Mitarbeiter/-innen motivieren kann, sich gemeinsam mit Kollegen/-innen sportlich zu betätigen. Das Präventionsgesetz bietet neue Möglichkeiten und Chancen für Unternehmen, die den Betriebssport unterstützen. Welche das sind, darüber spreche ich mit Bernd Meyer (Präsident vom Betriebssport Verband Hamburg).

Basierend auf der Ottawa-Charta der World Health Organisation (WHO) ist der Gedanke der betrieblichen Gesundheitsförderung seit 1989 fest in der deutschen Sozialgesetzgebung verankert. Eine gute körperliche Fitness ist das beste Mittel zur Vorbeugung gegen viele Zivilisationskrankheiten wie Diabetis mellitus oder Adipositas (Fettleibigkeit) und kann sowohl den Rücken, das Herz sowie das Immunsystem stärken. Auch werden durch sportliche Aktivitäten körpereigene Endorphine freigesetzt, was sich unmittelbar auf das psychische Wohlbefinden auswirkt.

Führungskräfte als Vorbilder

Möchte man als Unternehmer Betriebssport anbieten, so empfiehlt es sich, die Führungskräfte mit ins Boot zu holen. Im Rahmen ihrer Vorbildfunktion sollten diese es als ihre Aufgabe betrachten, die Mitarbeiter von den positiven Auswirkungen zu überzeugen und sie dafür zu begeistern, entsprechende Angebote anzunehmen. Dabei sollte natürlich nicht der Leistungsgedanke im Vordergrund stehen, sondern vor allem die gemeinsame Aktivität. Neben den positiven Effekten, die solche Angebote auf die Gesundheit der Einzelnen haben, können so zusätzliche informelle Strukturen entstehen und gefestigt werden, die den Kommunikationsfluss und das Miteinander im Unternehmen langfristig verbessern und sich nachhaltig positiv auf das Betriebsklima und damit auch auf die Produktivität auswirken. Wichtig dabei ist es, dass die Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter bei der Auswahl der Angebote ausreichend berücksichtigt werden. Auf diese Weise können eventuell auftretende Interessenskonflikte sowie eine mangelnde Inanspruchnahme bereits im Vorfeld vermieden werden.

Nachhaltigkeit durch Betriebssport – Interview mit Bernd Meyer

Das alles – und noch viel mehr – spricht alles für den organisierten Sport im Betrieb. Dennoch ist er nicht so verbreitet, wie es vielleicht zu wünschen wäre. Das wirft Fragen auf, zu denen Bernd Meyer, Präsident des BSV (Betriebssport Verband) in Hamburg, eine klare Meinung hat:

Herr Meyer, der Begriff „Betriebssport“ stammt noch aus der Arbeitnehmerbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts und wirkt auf den ersten Blick altmodisch. Warum hält Ihr Verband an ihm fest?

Bernd Meyer: „Betriebssport“ oder „Sport im Betrieb“ sind Begriffe, die den Kern unserer Aktivitäten treffen. Ich glaube nicht, dass wir an der Begrifflichkeit scheitern. Im Gegenteil, gerade im Moment stellen wir vor allem bei großen Unternehmen immer wieder fest, dass der organisierte Sport im Betrieb ein Gewinn für die Mitarbeiter und damit für die Leistungsfähigkeit der Firma ist. Betriebssport ist auf einem guten Weg!

Welche Bedeutung schreiben Sie dem Betriebssport im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zu?

Bernd Meyer: Die Bedeutung von aktiven Mitarbeitern und Führungskräften steigt auf einem enger werdenden Markt zunehmend (vgl. Fachkräftemangel). Wir haben uns in den letzten vier Jahren deutlich neu positioniert. Der klassische Betriebssport, wie z. B. Mannschaftssport kann sich mit unserem heutigen Netzwerk und unseren Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung in idealer Weise wechselseitig ergänzen.

Gibt es Unternehmer, die Ihnen von positiven Effekten des Betriebssports berichten? Welche Vorteile werden besonders häufig genannt?

Bernd Meyer: Ja, wir hören immer wieder, dass der Sport im Betrieb neben den reinen Fitness-Aspekten auch eine größere Nähe zwischen den Mitarbeitern schafft. Die Motivation steigt und die Identifikation mit dem Betrieb oder der Firma wächst. Die Zusammenarbeit wird besser.

Wie erklären Sie sich diese (positiven) Auswirkungen?

Bernd Meyer: Sport im Betrieb kann Grenzen zwischen Hierarchien abbauen, Sie schafft Verständnis untereinander, fördert die Teambildung und verringert die Wahrscheinlichkeit von Konflikten. Sport im Betrieb baut Stress ab und fördert die Zusammenarbeit auf allen Ebenen.

Worauf sollten Unternehmen besonders achten, wenn sie darüber nachdenken, ihren Mitarbeitern Betriebssport anzubieten?

Bernd Meyer: Unternehmen die Ihren Mitarbeitern den Betriebssport neu anbieten, sollten daran denken, eine entsprechende innerbetriebliche Struktur einzurichten und ehrenamtliche Organisatoren (sozusagen als „Motor“ dafür) zu gewinnen. Es ist von Anfang an darauf zu achten, gesundheitsfördernde Angebote anzubieten, dabei aber das Interesse am klassischen Wettbewerbssport (wie Fußball, Handball, Regattasegeln) nicht zu vergessen. Bei dieser Vorgehensweise kommen Teambuilding-Aspekte zu Tage, die auf andere Weise teuer bezahlt werden müssen.

Welche Gründe sehen Sie dafür, dass es viele Unternehmen zu geben scheint, die Vorbehalte gegenüber dem Betriebssport haben?

Bernd Meyer: Zum heutigen Zeitpunkt müssen wir davon ausgehen, dass viele Unternehmen noch nicht genügend aufgeklärt sind und befürchten, dass die Kosten im Betrieb durch den Sport steigen. Im Vergleich zu dem Nutzen, den betriebsorganisierter Sport bietet, sind diese aber eher gering und nachhaltig eine gute Investition.

Am 18.06.2015 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz). Laut Prof. Dr. Peter Richter steckt das Präventionsgesetz „den rechtlichen Rahmen für die dritte wichtige Säule des Gesundheitswesens ab, neben der kurativen Medizin und Rehabilitationsmedizin nun endlich auch die Prävention von Gesundheitsrisiken zu stärken. Wenn auch die finanziellen Mittel dafür noch immer gering sind, so ist das doch als Fortschritt anzusehen. Für spezielle Settings (Handlungsfelder) werden Maßnahmen benannt und vor allem Kooperationen zwischen bisherigen Einzelakteuren der Krankenkassen und Unfallkassen ermöglicht. Die Arbeitsgeber haben damit einen viel verbindlicheren Handlungsauftrag, vorsorgend die physische und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz nicht nur zu schützen, sondern auch zu fördern!“ → Hier finden Sie das Interview mit Prof. Dr. Peter Richter.

Was verändert sich für die Untenehmen dadurch? Und wie können Sie ihnen dabei behilfich sein, einen Vorteil daraus zu ziehen?

Bernd Meyer: Im Rahmen des Präventionsgesetzes wurde durch die gesetzlichen Krankenkassen auch in Hamburg mit einer Koordinierungsstelle für die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), die Möglichkeit geschaffen, Unternehmen noch stärker bei Ihren Aktivitäten zur Gesundheitsförderung zu unterstützen. Einzelheiten sind hierzu in einem Faktenblatt unter www.bgf-koordinierungsstelle.de/faq zusammengefasst.

Der wesentliche Vorteil der Unternehmen besteht darin, dass es künftig eine Verpflichtung aller Krankenkassen für eine umfassende kostenfreie Beratung gibt, die dass Unternehmen über die Koordinierungsstelle anfordern kann. Dabei bestimmt allerdings die Koordinierungsstelle, welche Krankenkasse die Beratung durchzuführen hat. Es verwundert dann natürlich nicht, dass diese Krankenkasse nicht verpflichtet ist, eine zusätzliche finanzielle Förderung von Präventionsmaßnahmen durchzuführen.

Zusätzlich ist zu beachten, dass die finanzielle Förderung durch eine Krankenkasse nur erfolgen darf, wenn die geförderten Maßnahmen nachhaltig fortgesetzt werden und dafür im Unternehmen eine entsprechende personelle Struktur vorhanden ist.

Hierzu und zu weiteren Fragen, die in der Beratung nicht angesprochen werden, bietet der BSV Hamburg für Unternehmen nach Vereinbarung mit dem Unternehmen und einer Krankenkasse eine kostenfreie Beratung und ggf. Durchführung eines Projektes an. Themen sind hierbei die Schaffung einer ehrenamtlichen Struktur, der Versicherungsschutz von Präventionsmaßnahmen vor oder nach der Arbeitszeit und die steuerliche Behandlung von Präventionsmaßnahmen.

In einer solchen Beratung soll den Unternehmen also aufgezeigt werden, wie sie durch den Betriebssport vom Präventionsgesetz profitieren können? Wie genau funktioniert das?

Bernd Meyer: Sobald ein Unternehmen mit einer Krankenkasse eine Vereinbarung darüber getroffen hat, dass zusätzlich zur erfolgten Beratungsleistung eine finanzielle Unterstützung von Präventionsmaßnahmen erfolgt, die im Unternehmen durchgeführt werden, muss das Unternehmen sicherstellen, dass es sich bei diesen nicht lediglich um einmalige Maßnahmen handelt.

Konkret bedeutet dies, dass sich im Unternehmen jemand darum kümmern muss bzw. über eine entsprechende (personelle) Struktur nachweislich gewährleistet wird, dass die Mitarbeiter jene Angebote, die der Erhaltung ihrer Gesundheit dienen, regelmäßig vor oder nach Arbeitsbeginn nutzen können. Da nach meiner Erfahrung hierfür in den kleinen und mitteständischen Unternehmen kein Personal zur Verfügung steht oder nicht bereitgestellt werden kann, bietet sich die Schaffung einer ehrenamtlichen Struktur einer Betriebssportorganisation als kostengünstige Lösung an.

Wer sich als Unternehmen also an den BSV Hamburg wendet, mit dem führen wir nach einer Erstberatung, in der wir allgemein informieren, ein Projekt zur Gründung einer Betriebssportgemeinschaft durch und gehen zusätzlich auf die bereits von mir erwähnten Themen BG-Schutz und die steuerliche Behandlung von Präventionsmaßnahmen ein.

Wie unterstützt Ihr Verband Unternehmen dabei, die passenden Angebote für sich bzw. für die eigenen Mitarbeiter zu finden?

Bernd Meyer: Hier haben wir eine Vielzahl an Modulen im Portfolio. Das kommt auch auf das entsprechende Unternehmen und dessen Zielsetzung an. Wir fragen den Bedarf systematisch und analytisch ab, damit von Anfang an die richtigen Entscheidungen getroffen werden. In diesem Zusammenhang haben wir ein Netzwerk mit Partner-Unternehmen aufgebaut, die sich mit den verschiedenen Facetten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements befassen und die unseren Mitgliedern gern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Außerdem stehen wir den Mitgliedern natürlich mit Rat und Erfahrung aus 60 Jahren Betriebssport zur Seite.

Eine Übersicht über die Angebote der Partner des Netzwerkes „Betriebliche Gesundheit“ des BSV Hamburg finden Sie hier: http://bsv-hamburg.de/gesundheitspartner.html.

Wer kann sich überhaupt an Sie wenden bzw. Ihre Unterstützung in Anspruch nehmen? Ihre Geschäftsstelle ist ja in Hamburg. Betreuen Sie auch Unternehmen aus anderen Regionen?

Bernd Meyer: Der BSV Hamburg ist in der Metropolregion Hamburg zuständig und arbeitet dabei eng mit den anderen norddeutschen Landes-Betriebssportverbänden zusammen. Interessenten können sich deshalb an den BSV Hamburg wenden und werden ggf. weitervermittelt. Bei Anfragen aus anderen Regionen übernimmt der BSV Hamburg ebenfalls gerne die Aufgabe, den Kontakt zum zuständigen Landes-Betriebssportverband herzustellen.

Der Betriebssport Verband Hamburg (BSV) vertritt die sportlichen und gesundheitsorientierten Interessen der Betriebssportgemeinschaften von fast 500 Unternehmen, Behörden und Institutionen in der Metropolregion Hamburg. Damit repräsentiert er rund 60 000 Betriebsportlerinnen und Betriebssportler in und um Hamburg. Neben der Organisation betriebssportlicher Wettkämpfe verlagert er seine Tätigkeit als Partner der Hamburger Wirtschaft zunehmend auf Beratung und Implementierung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement in den Unternehmen.

PS: Besonders freue ich mich übrigens darüber, in diesem Zusammenhang gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Burisch („Das Burnout-Syndrom“ & „Dr. Burischs Burnout-Kur – für alle Fälle“) ein Seminar zur Burnout-Prävention anbieten zu können. → Psyche und Arbeit – Profil