Sorge dich nicht – lebe?!

„Menschen meinen oft, sie müssten negative Emotionen kontrollieren oder unterbinden. Schon sehr früh in ihrem Leben lernen sie, dass sie negative Gedanken und Gefühle kontrollieren können und sollten. Man sagt ihnen Dinge wie „Mach Dir keine Sorgen“ oder „Lass das doch hinter Dir“. Außerdem beobachten sie in vielen Situationen, z. B. bei Beerdigungen und in Krisensituationen, wie Menschen ihre Gefühle kontrollieren, und so glauben sie schließlich, dass Menschen immer versuchen sollten, ihre Gefühle zu kontrollieren.

www.manfred-evertz-art.com

Da Sie in Ihrem Leben wahrscheinlich auch schon mit Gefühlen wie Angst oder Traurigkeit zu kämpfen hatten, ist es nur allzu verständlich, dass Sie versuchen, diese Gefühle zu blockieren. Ein solches selbstkontrolliertes Verhalten funktioniert zwar in vielen Lebensbereichen, es gibt aber emotionale Situationen, in denen das schwerfällt oder sogar unmöglich ist. Gegen relativ natürliche Emotionen anzukämpfen kann zudem die Belastung verstärken oder verlängern, statt die Situation zu verbessern.“

Quelle: Stefan G. Hofmann. Einführung in die moderne Kognitive Verhaltenstherapie (S. 114 f.). Springer-Verlag (2013).

Sorgenübung

In der therapeutischen Arbeit geht es oftmals darum, Klienten darin zu unterstützen, wieder handlungsfähig zu werden, und ihnen Selbstwirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen. Dafür ist es hilfreich, konkrete Handlungspläne zu entwickeln, die allerdings ein Bewusstsein dahingehend voraussetzen, dass überhaupt Möglichkeiten zur Einflussnahme bestehen.

Die folgende Übung kann dabei helfen, dysfunktionale Gedanken bzw. irrationale Befürchtungen zu identifizieren und ggf. zu modifizieren.

  1. Worüber machen Sie sich Sorgen?
  2. Denken Sie bitte eine typische Situation, in der diese Sorgen auftreten.
  3. Wie genau sorgen Sie sich? Tun Sie es bitte einmal laut.

Achten Sie dabei auf jene Gedanken, die Ihnen nicht gut tun, und hinterfragen Sie diese.

Anschließend könnten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Was waren die Aspekte, die Ihre Sorgen ausgelöst haben? Beschreiben Sie die möglichen Ursachen bitte genau.
  • Welche Auswirkungen haben diese Sorgen auf Ihre Wahrnehmung bzw. Ihr Verhalten?
  • Welches Sicherheitsverhalten und/oder welche Vermeidungsstrategien setzen Sie normalerweise ein, um diesen Gedanken auszuweichen?
  • Wie gelingt es Ihnen, sich wieder zu beruhigen? Was tun Sie dafür?
  • Wie wollen Sie künftig mit diesen Sorgen umgehen? Wie kann Ihnen das gelingen?

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.