Ein paar gute Fragen

Manfred Evertz

Fühlen Sie sich ausgebrannt, übermäßig erschöpft oder chronisch überfordert? Sind Sie ständig müde oder haben keine Energie mehr und das ewige Grau des Alltags satt? Oder kennen Sie Menschen, denen es so ergeht? Auch wenn es sicher kein Allheilmittel dafür gibt, kann Ihnen dieser Blog-Artikel ein paar Ideen an die Hand geben, mit denen sich vorhandene Kräfte auffrischen und neue Wege entdecken lassen, um (künftige) Belastungssituationen erfolgreicher zu meistern oder sie zumindest besser zu überstehen.

„Das Wichtigste ist, dass man nicht aufhört zu fragen.“ Albert Einstein

Nehmen Sie sich zunächst etwas Zeit, die folgenden Fragen zu beantworten. Noch besser ist es, Sie lassen sich diese von einer Person Ihres Vertrauens stellen, die nachhaken kann, sollten Sie dazu tendieren, ausweichend zu antworten.

  • Wie würden Sie Ihre aktuelle Arbeitsbelastung auf einer Skala von 1 bis 10 einstufen? Welchen Wert halten Sie mittel- oder langfristig für erstrebenswert und durchhaltbar? Wie können Sie es schaffen, dorthin zu gelangen?
  • Was müsste jemand anderes tun, um sich genauso überlastet fühlen zu können, wie Sie es zurzeit tun? Was können Sie daraus lernen?
  • Was könnten Sie aktiv dafür tun, um möglichst schnell auszubrennen bzw. um sich innerhalb kürzester Zeit vollkommen zu verausgaben? Was wäre ein mögliches Gegenteil davon?
  • Woran erkennen Sie die Grenzen Ihrer eigenen Belastbarkeit? Wie genau schaffen Sie das?
  • In welchen Situationen fällt es Ihnen leicht, Ihre eigene Belastungsgrenze zu erkennen und sich selbst zu stoppen? Was unterscheidet diese Situationen von denen, in denen es Ihnen schwer fällt?
  • Wie haben Sie es in der Vergangenheit geschafft, sich vor einer Überlastung zu schützen?
  • Welche Person aus Ihrem Umfeld ist am ehesten davon überzeugt , dass Sie Ihre eigenen (Belastungs-)Grenzen kennen. An welcher Beobachtung würde diese Person das festmachen?
  • Gab es in der letzten Zeit Tage, an denen Sie sich bewusst Zeit für sich genommen und die Arbeit liegengelassen haben? Wie haben Sie das geschafft? Welche Gedanken haben Ihnen zu dieser Entscheidung verholfen?
  • Unter welchen Bedingungen erlauben Sie es sich, Ihr eigenes Wohl über das anderer Menschen bzw. Ihres Unternehmens zu stellen?
  • Wie leicht fällt es Ihnen, anderen Menschen klare Grenzen aufzuzeigen? Bitte schätzen Sie sich ein auf einer Skala von 1 bis 10? Woran würden die anderen es merken, wenn Sie jetzt bei einer 10 wären?
  • Wann haben Sie sich zuletzt erfolgreich abgegrenzt und wie genau haben Sie das getan?
  • Wer aus Ihrer Familie hat Sie in Ihrer Jugend dazu ermutigt, für sich selbst zu sorgen und sich gegebenenfalls klar abgrenzen zu dürfen? Welchen Rat würde diese Person Ihnen heute geben?
  • Wenn Sie Ihr eigener Selbstfürsorge-Berater wären, welchen Rat würden Sie sich bezogen auf Ihr aktuelles Arbeitspensum bzw. Ihre Einstellung zur Arbeit geben?

„Die meisten Menschen sind unzufrieden, weil die wenigsten wissen, dass der Abstand zwischen Eins und Nichts größer ist als der zwischen Eins und Tausend.“ Carl Ludwig Börne

Manchmal fällt es einem schwer, mit sich und dem, was man erreicht hat, zufrieden zu sein. Eine übermäßige Selbstkritik bzw. ein überhöhter Anspruch an die eigenen Leistungen kann eine mögliche Ursache sein. Deshalb ist es gelegentlich erleichternd zu erfahren, wie andere über uns denken. Testen Sie es! Wählen Sie hierzu drei Menschen aus, die Ihnen persönlich nahe stehen, und bitten Sie sie darum, sich in dem folgenden Fragebogen über Sie zu äußern. Geben Sie die Instruktion, dabei möglichst ehrlich zu sein, und lassen Sie sich von den Ergebnissen überraschen.

Fragebogen

„Einsamkeit ist eine Gefängniszelle, die sich nur von innen öffnen lässt.“ Alfredo Le Mont

Manfred Evertz - Einsamkeit II

Manfred Evertz

Dass auch das soziale Umfeld einen großen Einfluss darauf hat, wie sehr man gegen eventuelle Widrigkeiten des Lebens gewappnet ist, ist eine Binsenweisheit. Doch wird gerade in schwierigen Lebensphasen leicht übersehen, welche Ressourcen in den Beziehungen liegen, die wir zu anderen Menschen haben. Nicht ohne Grund gehört der soziale Rückzug zu den Hauptsymptomen einer Depression sowie zu den Begleiterscheinungen eines Burnouts, was die Chancen auf eine rasche Heilung nicht gerade verbessert. Aber auch unabhängig von einer solchen Erkrankung lohnt es sich, über folgende Fragen einmal nachzudenken.

  • Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem derzeitigen Freundes- und Bekanntenkreis (auf einer Skala von 1 bis 10) und wie zufrieden wären Sie gern?
  • Wie könnten Sie es schaffen, Ihren Skalenwert auf eine 1 (= vollkommen unzufrieden) herabzusenken? Was müssten Sie dafür tun?
  • Welche Eigenschaften mögen Sie besonders an Ihren Freunden?
  • An welche gemeinsamen Erlebnisse denken Sie gern zurück?
  • Welches davon hat Ihnen am meisten Freude bereitet und was genau haben Sie dazu beigetragen, dass es dazu kam?
  • Mit welchen Menschen aus Ihrem Umfeld hätten Sie gern mehr Kontakt und was können Sie dafür tun?
  • Womit könnten Sie ihnen eine Freude machen? Wann haben Sie das zuletzt getan? Wann möchten Sie es das nächste Mal tun?
  • Gibt es jemanden, den oder die Sie gern näher kennenlernen möchten? Was zeichnet diese Person aus? Wo könnten Sie Menschen treffen, die ähnliche Eigenschaften haben?

„Die Welt wäre schöner, wenn man nicht wünschte, dass die Welt schöner wäre.“ Wolfgang J. Reus

Manfred Evertz - schöne Welt

Manfred Evertz

Es mag banal sein, aber das Entwickeln einer optimistischen Sichtweise ist die wirkungsvollste Methode, um die eigenen Abwehrkräfte zu stärken. Im Alltag sind wir immer wieder mehrdeutigen (sozialen) Situationen ausgesetzt, die wir dann unserer Veranlagung entsprechend in für uns schmeichelhafter oder abträglicher Weise interpretieren. Im Sinne einer selektiven Wahrnehmung entscheidet vor allem unsere affektive Veranlagung darüber, was wir uns angewöhnen in den Vordergrund zu rücken oder zu ignorieren. Deshalb hat es erhebliche Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit, wenn man sich der guten und schönen Dinge bewusster wird und ein positives Selbstbild entwickelt. Folgende Fragen können beispielsweise dazu anregen, die Gedanken einmal in eine solche Richtung zu lenken:

  • Was war der schönste Tag in Ihrem bisherigen Leben?
  • Worüber haben Sie sich zuletzt so richtig gefreut?
  • Womit kann man Ihnen eine große Freude bereiten?
  • Wofür sind Sie in Ihrem Leben dankbar?
  • Worauf sind Sie stolz?
  • Was können Sie wirklich gut?

Selbstverständlich ersetzen all diese Fragen keine Therapie und sie sind im Falle einer ernsthaften psychischen Erkrankung auch wenig hilfreich. Wenn Symptome wie Stimmungstiefs, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Ängste etc. bereits so stark ausgeprägt sind, dass der Leidensdruck ein erträgliches Maß übersteigt, sollte nicht davor gescheut werden, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Der Pro Psychotherapie e. V. bietet in diesem Zusammenhang einen kostenlosen Burnout-Selbstbeurteilungstest (hier) an, der Aufschluss über eine mögliche Gefährdung gibt und aufzeigt, ob das Aufsuchen eines Therapeuten bereits zu empfehlen ist.

Ein Ratgeber zum Thema „Burnout“, den ich gern empfehle, ist „Dr. Burischs Burnout-Kur – für alle Fälle“ von Prof. Dr. Matthias Burisch (Rezension).

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