Wenn der Himmel sich plötzlich verdunkelt…

„Das Leben ist eines der Schwersten.“ Diese wenig neue Erkenntnis macht deutlich, dass auf dem Weg, der ja bekanntlich das Ziel sein soll, manchmal viele Steine liegen, die einen ins Stolpern und in eine schwere Lebenskrise führen können. Menschen unterscheiden sich sehr darin, was sie als belastend empfinden und woran sie zu zerbrechen drohen. Eine Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen, eine finanzielle Notlage, eine berufliche Belastungssituation, eine schwere Erkrankung und vieles andere führt manchmal dazu, dass man an seine Grenzen kommt und nicht mehr weiter weiß bzw. man keinen Ausweg sieht…

Das Wort „Krise“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so etwas wie „Zuspitzung“. Man versteht darunter eine (problematische) Entscheidungssituation, die oftmals mit einem Wendepunkt verknüpft ist. Gerät man nun (unvorbereitet) in eine solche Situation und glaubt sich selbst nicht mehr helfen zu können, ist es gut, sich an jemanden zu wenden, der einen dabei unterstützen kann, Klarheit in den Strudel der eigenen Gefühle und Gedanken zu bringen. Mehr oder weniger passende Hilfsangebote gibt es in Hülle und Fülle. Sozialpsychiatrische Dienste oder die (kirchliche) Seelsorge nehmen sich Betroffenen zum Beispiel (meist unentgeltlich) an und versuchen ihnen Wege aufzuzeigen, mittels derer sich die Not lindern oder eine erste Stabilisierung bewirken lässt. Im Falle quälender Suizidgedanken oder einer akuten psychischen Erkrankung kann es sinnvoll sein, sich an eine psychiatrische Einrichtung zu wenden bzw. sich dort einweisen zu lassen. Auch im Rahmen einer Psychotherapie, eines Coachings oder durch die intensive Betreuung einer auf das entsprechende Problem spezialisierten Institution kann daran gearbeitet werden, neue Perspektiven zu entwickeln und die problematische Situation dauerhaft in den Griff zu bekommen. Im Idealfall geht man dann gestärkt aus der Krise hervor und kann rückblickend sagen, man sei daran gewachsen.

Doch nicht immer funktioniert das. Gäbe es nicht die vielen engagierten Helfer, die sich teilweise ehrenamtlich für das Wohl ihrer Mitmenschen einsetzen, wäre es wohl schlecht um die meisten Hilfesuchenden bestellt. Die vielen Einsparungen im sozialen Bereich führen dazu, dass eine Unterstützung durch entsprechende Einrichtungen in schwierigen Lebensphasen oftmals nur begrenzt möglich ist und die Versorgung auf das Nötigste reduziert wird. Ein weiteres Problem besteht vielerorts darin, dass man (als gesetzlich Krankenversicherter) mit Wartezeiten von mehreren Monaten rechnen muss, wenn man einen Psychotherapeuten sucht. Zudem drohte den Psychiatrien und Psychosomatischen Kliniken die Einführung eines neuen Entgeltsystems, durch welches längere Unterbringungen, wie sie z. B. bei einer schweren Depression eigentlich angeraten sind, nicht mehr finanziert worden wären. Das wurde zwar abgewendet, dennoch greifen auch diese Angebote nicht immer. Durch das immer mehr Zeit in Anspruch nehmende Dokumentationswesen und einem sich stetig erhöhenden Betreuungsschlüssel bei gleichzeitiger Einsparung von Personalkosten bzw. sinkenden Löhnen, bleibt den dort beschäftigten Mitarbeitern kaum noch die Zeit, sich den Sorgen der Betroffenen so anzunehmen, wie es nötig wäre. Auch die Motivation, sich um einen Menschen richtig zu kümmern, kann bei derartigen Rahmenbedingungen spürbar schwinden.

Was kann man also tun, wenn man in eine Krise gerät? Gibt es der Geldbeutel her, findet man im Internet viele Coaches, Berater und Therapeuten, die sich als Gesprächspartner anbieten und schnelle Hilfe versprechen. Doch an welchen Kriterien sollte man sich orientieren, um auf einem unüberschaubar wachsenden Markt schnell das passende Angebot zu finden?

  • Qualifikationen: Achten Sie bei der Auswahl eines Angebots auf entsprechende Qualifikationen bzw. Ausbildungen. Diese sollten auf den Webseiten angegeben sein. Fehlen solche Hinweise, fragen Sie danach!
  • Empfehlungen: Da Zertifikate allein wenig über die tatsächliche Qualität eines Anbieters aussagen und (gerade im Coaching-Bereich) oftmals mehr „Schein als Sein“ sind, ist es ratsam, sich an diejenigen zu wenden, mit denen andere bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Entsprechenden Portalen, bei denen Online-Bewertungen abgegeben werden, sollte man allerdings nicht immer glauben, sondern sich besser Empfehlungen von Menschen einholen, die man persönlich kennt und denen man vertraut.
  • Kostenloses Erstgespräch: Um überprüfen zu können, ob die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem potenziellen Gesprächspartner stimmt, sollte die Möglichkeit bestehen, ein kostenloses Erstgespräch zu führen. Da die Beziehungsebene eines der ausschlaggebensten Kriterien für den Erfolg einer Behandlung bzw. Beratung ist, sollte man sich bei der Auswahl immer auch auf das eigene „Bauchgefühl“ verlassen.
  • Transparente Kosten: Die Kosten sollten dem zeitlichen Umfang angepasst sein und bereits in dem ersten Gespräch mit einem Anbieter vereinbart werden. Zudem sollte besprochen werden, wie die Unterstützung konkret aussieht bzw. was sie beinhaltet.

Leider gibt es auch im Helferbereich schwarze Schafe. Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen großspurige (Heils-)Versprechen (wie zum Beispiel ein hundertprozentiger Behandlungserfolg) gemacht bzw. viele Schlagworte verwendet werden oder vor allem viele schöne (spirituelle) Bilder und Motive zu sehen sind, über die Methoden aber verheißungsvoll geschwiegen wird.

Das Überwinden einer Krise kann viel Kraft kosten und Geduld fordern. Doch die Mühe lohnt sich und ist es immer wieder wert, auf sich genommen zu werden!

Hier finden Sie Psyche und Arbeit bei Facebook.

Literaturempfehlung:

  • Schlieper-Damrich, Ralph (Hrsg.). Krisencoaching. Den Brüchen im Leben kraftvoll trotzen. managerSeminare Verlags GmbH (2013). (Rezension)